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Nachbarregionen

Ausflug nach Mainz ab der Pfalz

Landeshauptstadt in Rheinhessen: Dom, Gutenberg, Chagall-Fenster und Rheinufer an einem Tag

Stand: · 8 Min. Lesezeit

Rheinpromenade mit Platanen, dahinter eine Altstadtsilhouette mit mehreren Kirchtürmen am Abend
Rheinufer Rheinufer einer großen Stadt. Kein bestimmtes Bauwerk. Symbolbild

Kurz gesagt

Mainz liegt am Rhein gegenüber der Mainmündung, ist die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und gehört zu Rheinhessen, nicht zur Pfalz. Ab Ludwigshafen fahren Sie in rund 45 Minuten direkt hin, ab Neustadt mit einmal Umsteigen in rund 1¼ Stunden. Dom, Gutenberg-Museum, die Chagall-Fenster von St. Stephan und die Altstadt füllen einen Tag.

Wo liegt Mainz, und warum gehört es nicht zur Pfalz?

Mainz liegt rund 95 Kilometer nördlich von Neustadt an der Weinstraße am linken Rheinufer, genau gegenüber der Stelle, an der der Main in den Rhein mündet. Die Stadt ist Hauptstadt des Landes Rheinland-Pfalz, gehört aber landschaftlich und historisch zu Rheinhessen. Die Pfalz beginnt erst rund 50 Straßenkilometer weiter südlich, hinter Worms und dem Weinort Bockenheim.

Dass ausgerechnet die Landeshauptstadt nicht in der Region liegt, die dem Land den halben Namen gibt, hat mit der Nachkriegsgeschichte zu tun. 1946 bestimmte die französische Besatzungsverwaltung Mainz zur Hauptstadt des neu gebildeten Landes, in dem unter anderem die frühere bayerische Pfalz, Rheinhessen und Teile der preußischen Rheinprovinz aufgingen; seine Hauptstadtrolle übernahm Mainz 1950 vom provisorischen Regierungssitz Koblenz. Auf der Übersichtsseite der Nachbarregionen der Pfalz finden Sie die übrigen Ziele rund um die Region im Vergleich.

Die Geschichte der Stadt reicht viel weiter zurück. Um 13/12 v. Chr. legten die Römer auf der Anhöhe gegenüber der Mainmündung ein Legionslager an, aus dem die Stadt Mogontiacum wuchs. Im Mittelalter waren die Mainzer Erzbischöfe zugleich Kurfürsten und Reichserzkanzler, im 15. Jahrhundert entwickelte Johannes Gutenberg hier den Buchdruck mit beweglichen Metalllettern. Heute hat Mainz rund 223.000 Einwohner mit Hauptwohnsitz und bildet zusammen mit Wiesbaden auf der hessischen Rheinseite ein Doppelzentrum mit rund einer halben Million Menschen.

Wie kommt man von der Pfalz nach Mainz?

Am schnellsten mit der Bahn ab Ludwigshafen: Der Regional-Express RE4 fährt ohne Umstieg über Worms nach Mainz und braucht rund 45 Minuten. Ab Neustadt und Kaiserslautern steigen Sie einmal um, die Fahrt dauert dann rund 1¼ bis 1½ Stunden. Der Mainzer Hauptbahnhof liegt am Rand der Innenstadt, zum Dom sind es rund 15 bis 20 Minuten zu Fuß.

AbBahn (rund)UmstiegStraße (rund)
Ludwigshafen Hbf45 Min.direkt mit dem RE480 km
Neustadt Hbf1¼ Std.einmal, in Ludwigshafen oder Mannheim95 km
Kaiserslautern Hbf1½ Std.einmal, in Bad Münster oder Bad Kreuznach, alternativ über Mannheim80 km

Die Zeiten stammen aus der Fahrplanauskunft des Verkehrsverbunds Rhein-Neckar für einen Werktag im November 2026 (Stand: 22.10.2026). Zwischen Worms und Mainz fuhren für einzelne Züge Ersatzbusse; prüfen Sie die Verbindung am Vortag, und rechnen Sie nach dem Fahrplanwechsel Mitte Dezember mit Änderungen. Mit dem Auto führt der kürzeste Weg aus der Vorderpfalz über die A61 und die A63, aus der Westpfalz direkt über die A63 von Kaiserslautern; in der Innenstadt leitet ein Parkleitsystem zu den Parkhäusern.

Was sieht man in Mainz an einem Tag?

Ein Tag reicht für den Dom, das Gutenberg-Museum, einen Gang durch die Altstadt, die Kirche St. Stephan und einen Abschluss am Rhein. Alle Ziele liegen in der Innenstadt und sind zu Fuß erreichbar, nur der Weg hinauf zum Stephansberg ist etwas steil.

StationWas Sie sehenZeit
Dom St. Martin und Kreuzgangromanischer Kaiserdom, Grabdenkmäler des 11. bis 20. Jahrhunderts, Dommuseum1 bis 1½ Std.
Gutenberg-Museum (Interim)zwei Gutenberg-Bibeln, Druckwerkstätten1½ Std.
Altstadt um Kirschgarten und AugustinerstraßeFachwerkhäuser, Gassen, Weinstuben1 Std.
St. Stephanblaue Chagall-Fenster, spätgotischer Kreuzgang45 Min.
RheinuferPromenade, Blick hinüber nach Hessennach Belieben

Dom St. Martin: Erzbischof Willigis ließ den Dom ab 975 errichten. Am Tag der Weihe im Jahr 1009 brannte der Neubau ab, erst 1036 war er wieder nutzbar. Seitdem wurde immer wieder umgebaut, sodass romanische, gotische und barocke Teile nebeneinanderstehen. Als einer der drei großen romanischen Kaiserdome am Rhein, neben Speyer und Worms, war er Schauplatz von sieben Königskrönungen. Der Kreuzgang ist ruhiger als das Hauptschiff und führt zum Dom- und Diözesanmuseum.

Gutenberg-Museum: Das Museum am Liebfrauenplatz hat seinen bisherigen Bau Anfang Oktober 2024 geschlossen, weil dort ein Neubau entsteht. Seit Ende November 2024 zeigt es die Ausstellung „Gutenberg-Museum MOVED“ im Naturhistorischen Museum in der Reichklarastraße, nur wenige Gehminuten vom Dom. Zu sehen sind zwei Exemplare der 42-zeiligen Gutenberg-Bibel in einer Schatzkammer, Werkstätten, in denen das Drucken zu Gutenbergs Zeit gezeigt wird, und ein Druckladen zum Selbermachen.

Altstadtgasse mit Fachwerk- und Barockhäusern verschiedener Höhe und einem Brunnen am frühen Morgen
Altstadt Altstadtgasse am Morgen. Kein bestimmter Ort. Symbolbild

St. Stephan: Die gotische Hallenkirche auf dem Stephansberg ist der wohl bekannteste Kirchenraum der Stadt nach dem Dom. Zwischen 1978 und 1985 schuf Marc Chagall für den Ostchor und das Querhaus neun Glasfenster mit biblischen Szenen in leuchtendem Blau, gedacht als Zeichen der Verständigung zwischen Juden und Christen. Die späteren Fenster im Langhaus gestaltete sein Mitarbeiter Charles Marq. Nach Angaben von Mainz Tourismus kommen rund 200.000 Besucher im Jahr.

Welche Spuren von Römern und jüdischem Mittelalter gibt es in Mainz?

Mehr, als man in einer modernen Großstadt erwartet, und vieles davon liegt frei zugänglich im Stadtgebiet. Die Römerzeit dauerte in Mainz über vier Jahrhunderte; ihr Niedergang begann nach Angaben von Mainz Tourismus um 406, als germanische Verbände immer weiter vordrangen.

  • Drususstein: Rest eines Ehrenmals für den Feldherrn Drusus auf dem Gelände der Zitadelle.
  • Römisches Bühnentheater: bei Bauarbeiten 1914 bis 1916 entdeckt, mit Platz für rund zehntausend Zuschauer.
  • Römersteine: Pfeilerreste der Wasserleitung, die das Legionslager mit Quellwasser aus dem heutigen Finthen versorgte.
  • Isis- und Mater-Magna-Heiligtum: Fundamente eines römischen Tempels mit Öllampen, Opfergaben und Figuren.
  • Museum für Antike Schifffahrt: Reste von fünf römischen Militärschiffen aus dem 4. Jahrhundert und zwei Nachbauten.

Das jüdische Erbe ist weniger sichtbar, aber von Weltrang. Mainz bildet mit Speyer und Worms die SchUM-Städte, deren Gemeinden im Mittelalter das Recht und die Gelehrsamkeit des aschkenasischen Judentums prägten. Seit dem 27. Juli 2021 sind ihre Stätten UNESCO-Welterbe. In Mainz gehört dazu der alte jüdische Friedhof Judensand mit rund 1.500 Grabsteinen, viele davon aus dem 11. Jahrhundert. Er ist derzeit nur bei Führungen zugänglich. Die Neue Synagoge von 2010 in der Neustadt ist auch von außen ein markanter Bau.

Wie unterscheidet sich der Wein aus Rheinhessen von dem aus der Pfalz?

Rheinhessen ist größer und offener, die Pfalz schmaler und geschlossener. Mit 27.657 Hektar bestockter Rebfläche (2025) ist Rheinhessen das größte deutsche Weinanbaugebiet, die Pfalz folgt mit 23.640 Hektar auf Platz zwei (Statistisches Landesamt). Rheinhessen ist ein weites Hügelland zwischen Rhein, Nahe und Pfalz mit vielen Sorten nebeneinander, Riesling, Müller-Thurgau und Dornfelder vorneweg. Die Pfalz zieht sich als Band am Fuß des Pfälzerwalds entlang und hat mit 5.883 Hektar die größte Rieslingfläche Deutschlands.

Für Besucher zeigt sich der Unterschied vor allem im Weinerlebnis. In der Pfalz reiht die Deutsche Weinstraße Dorf an Dorf, Weinfeste und Straußwirtschaften liegen dicht beieinander. Mainz dagegen ist eine Stadt mit Weinstuben in der Altstadt; zum Wein gibt es dort gern Spundekäs, einen angemachten Frischkäse. Samstags schenken Mainzer Winzer beim Marktfrühstück am Wochenmarkt rund um den Dom aus, und seit 2008 gehören Mainz und Rheinhessen zum internationalen Netzwerk „Great Wine Capitals“. Wer beides vergleichen will, verbindet einen Tag in Mainz mit einigen Tagen an der Weinstraße; Ideen für den Aufenthalt bietet die Seite Urlaub in der Pfalz.

Lässt sich Mainz mit Worms oder der Fastnacht verbinden?

Ja. Worms liegt auf dem Weg: Der RE4 aus Ludwigshafen hält dort, und mit dem Auto ist die Stadt rund 45 Kilometer von Neustadt entfernt. Worms besitzt einen der drei romanischen Kaiserdome, mit dem Heiligen Sand einen der ältesten erhaltenen jüdischen Friedhöfe Europas als Teil des SchUM-Welterbes und ist der Schauplatz der Nibelungensage. Für beide Städte an einem Tag bleibt jeweils ein halber Tag; wer Dom und Museen in Ruhe sehen will, plant Worms besser als eigenen Ausflug.

Die Mainzer Fastnacht, in der Stadt „Fassenacht“ genannt, ist ein eigener Grund für die Reise. Die Kampagne beginnt am 11. November, ihr Höhepunkt sind die Straßenumzüge in den Tagen vor Aschermittwoch, vor allem der Rosenmontagszug, den der 1838 gegründete Mainzer Carneval-Verein erstmals im selben Jahr veranstaltete. Rosenmontag fällt 2027 auf den 8. Februar. An diesen Tagen sind Züge und Innenstadt sehr voll, Unterkünfte früh ausgebucht.

Zum Übernachten bietet Mainz Hotels aller Klassen, Ferienwohnungen und eine Jugendherberge. Weil die Stadt von Ludwigshafen nur eine Dreiviertelstunde entfernt ist, kehren die meisten Besucher aus der Pfalz am Abend zurück. Eine Nacht lohnt sich vor allem, wenn Sie Mainz mit Worms oder dem Rheingau auf der hessischen Seite verbinden. Wer die Römerstädte am Rhein und an der Mosel vergleichen möchte, findet auf der Seite Ausflug nach Trier das Gegenstück mit Porta Nigra und Kaiserthermen.

Häufige Fragen zum Ausflug nach Mainz

Gehört Mainz zur Pfalz?

Nein. Mainz ist die Landeshauptstadt von Rheinland-Pfalz und liegt in Rheinhessen. Die Pfalz ist der südliche Landesteil mit Städten wie Neustadt, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Speyer; ihre Nordgrenze verläuft bei Bockenheim und Frankenthal.

Wo ist das Gutenberg-Museum zurzeit?

Seit November 2024 zeigt das Museum seine Ausstellung im Naturhistorischen Museum in der Reichklarastraße 1, nahe dem bisherigen Standort am Liebfrauenplatz. Am alten Standort entsteht ein Neubau; wann er öffnet, erfahren Sie beim Museum selbst.

Wie viel Zeit sollte man für Mainz einplanen?

Für Dom, Gutenberg-Museum, St. Stephan und Altstadt reicht ein voller Tag. Wer zusätzlich die römischen Stätten, das Landesmuseum oder das Museum für Antike Schifffahrt besuchen möchte, braucht einen zweiten Tag oder muss auswählen.

Ist der Mainzer Hauptbahnhof weit von der Altstadt entfernt?

Nein. Vom Hauptbahnhof gehen Sie rund 15 bis 20 Minuten bis zum Dom, alternativ fahren Busse und Straßenbahnen in die Innenstadt. Für die Rückfahrt in die Pfalz ist der Hauptbahnhof der richtige Bahnhof.

Kann man in Mainz Rheinhessen-Wein probieren, ohne aufs Land zu fahren?

Ja. In der Altstadt gibt es zahlreiche Weinstuben, samstags kommt das Marktfrühstück der Mainzer Winzer am Wochenmarkt hinzu, und die Tourist-Information am Markt verkauft Weine aus der Umgebung.

Quellen: Mainz Tourismus: Dom St. Martin; Mainz Tourismus: Gutenberg-Museum; Mainz Tourismus: St. Stephan; Mainz Tourismus: Römisches Mainz; SchUM-Städte Speyer, Worms und Mainz; Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Rebfläche 2025; VRN-Fahrplanauskunft; Wikipedia: Mainz. Stand: Oktober 2026.