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Städte & Orte

Neuleiningen: Kastellburg und Stadtmauerdorf

Burgruine, Altstadt und Stadtmauer über dem Eckbachtal

Stand: · 7 Min. LesezeitTermine geprüft am Burg 1238 bis ca. 1250

Burgruine mit vier runden Ecktürmen auf einem Hügel über einem Dorf mit Fachwerkhäusern und Weinbergen
Neuleiningen Burg über dem Dorf. Symbolbild

Kurz gesagt

Neuleiningen ist ein Burg- und Weindorf über dem Eckbachtal bei Grünstadt. Die Grafen von Leiningen ließen die Burg ab 1238 als Kastellburg mit vier runden Ecktürmen bauen, zugleich entstand die Stadtmauer. Heute lassen sich Burgruine, Altstadt, Stadtmauer und zwei kleine Museen zu Fuß erkunden. Der Eintritt zu den Museen ist frei.

Wie ist die Burg Neuleiningen entstanden?

Die Grafen von Leiningen gehörten im Mittelalter zu den bedeutendsten pfälzischen Adelsgeschlechtern. Ihre Stammburg stand seit dem Anfang des 12. Jahrhunderts in Altleiningen. Rund hundert Jahre später, von 1238 bis etwa 1250, erbaute Friedrich III. die Burg Neuleiningen auf einem Bergsporn am Ausgang des Eckbachtals. Gleichzeitig entstand die Stadtmauer. In ihrem Schutz siedelten sich Burgleute, Handwerker, Bauern und Kaufleute an, der Ort wurde zur Stadt; 1371 sind die Stadtrechte bezeugt.

Die Anlage mit vier runden Ecktürmen ist laut Ortsgemeinde in der Region einmalig und geht auf französische Vorbilder aus der Île-de-France zurück. Die Schießscharten gelten als die frühesten im deutschsprachigen Raum. Mit der Burg Altleiningen verbindet Neuleiningen die Geschichte der Leininger; mehr zur Gegend steht auf der Seite Leiningerland. Weitere Burgen finden Sie im Hub Burgen in der Pfalz.

Warum ist die Burg heute eine Ruine?

Im 15. Jahrhundert baute Landgraf Hesso, gestorben 1467, Burg und Stadt zu einer der stärksten Festungen der Gegend aus. Nach seinem Tod gab es lange Erbstreitigkeiten. Auf Beschluss des Kurfürsten mussten sich die Leininger Grafen und die Bischöfe von Worms ab 1508 den Besitz von Burg und Stadt teilen. Im Bauernkrieg 1525 blieben Burg und Ort verschont. Die Sage führt das auf das lebenskluge Verhalten der Gräfin Eva zurück, die die anrückenden Bauern reichlich mit Speis und Trank versorgte, sodass sie friedlich wieder abzogen. Auch den Dreißigjährigen Krieg überstand die Burg ohne große Schäden; 1634 plünderten schwedische Truppen die Stadt, die Burg konnte sich freikaufen. Am Ende des Krieges lebten – auch infolge der Pest – nur noch 27 Einwohner im Ort.

Im Pfälzischen Erbfolgekrieg wurde Neuleiningen 1690 erobert und geplündert, die Burg durch Sprengungen verteidigungsunfähig gemacht. Die Bürger bauten das Dorf wieder auf und nutzten die zerstörte Burg zum Teil als Steinbruch, Tür- und Fenstergewände aus der Burg sind noch an manchen Häusern zu finden. Mehr zu diesem Krieg steht auf der Seite Burgengeschichte. Nach der Auflösung der Grafschaft Leiningen 1792 wurde die Ruine zunächst französisches Nationaleigentum und später versteigert. 1874 erwarb Graf Karl Emich zu Leiningen-Westerburg-Neuleiningen die Ruine und lebte hier bis 1906. 1941 ging sie als Geschenk an die Gemeinde. Ab 1974 wurde die Hauptburg umfassend gesichert, von 1990 bis 1992 folgte die Neugestaltung des äußeren Burghofs. Im alten Gewölbekeller ist heute die Burgschänke.

Steile Pflastergasse mit Fachwerkhäusern führt zu einem alten Stadttor aus Stein
Altstadt Gasse zum Stadttor. Symbolbild

Was sehe ich bei einem Rundgang durch den Ort?

Der Ort bietet auf kleinem Raum eine geschlossene Altstadt. Nahezu an allen Sehenswürdigkeiten hängen Bronzetafeln mit Erläuterungen. Zum Rundgang gehören unter anderem:

  • die Burgruine mit Nordöstlichem Wehrturm, dem Tor zwischen Vorburg und Hauptburg und dem Bischofsbau mit Treppengiebel aus dem 15. Jahrhundert
  • die katholische Kirche St. Nikolaus, entstanden aus der Burgkapelle des 13. Jahrhunderts, mit spätgotischem Chor, Kirchturm und Grafenloge um 1500
  • das Obere Tor, das einzige erhaltene Tor der mittelalterlichen Mauer
  • der Marktplatz mit Marktbrunnen und Löwen auf der Säule, der das Wappen der Wormser Fürstbischöfe mit der Jahreszahl 1782 trägt
  • der Diebsturm an der südöstlichen Ecke der Stadtmauer mit freiem Blick ins Eckbachtal und in die Rheinebene
  • der Gemeinde-Scharrn, eine Fleischbank, die die Gemeinde im 18. Jahrhundert an die Juden des Ortes verpachtete, mit hebräischer Inschrift über der Tür

Die Kirche St. Nikolaus birgt ein Kruzifix, eine Madonnenstatue und Apostelfiguren aus dem späten 15. Jahrhundert. Das Rathaus steht auf dem Gelände eines Karmeliterklosters aus dem 14. und 15. Jahrhundert, auf dem 1822 eine Synagoge errichtet wurde; die Gemeinde erwarb das Gebäude 1902. Zur jüdischen Geschichte der Pfalz gibt die Seite Jüdisches Speyer einen Einstieg.

Wie prägte die Reformation den Ort?

1555 hielt die Reformation unter Philipp I. im gräflichen Teil Neuleiningens Einzug. Der bischöfliche Teil der Stadt mit der Kirche St. Nikolaus blieb katholisch, weil sich die Leininger und die Wormser Bischöfe seit 1508 den Besitz teilten. Diese Teilung ist im Ortsbild bis heute lesbar: Der Bischofsbau mit Treppengiebel aus dem 15. Jahrhundert diente dem Amtmann des Wormser Hochstifts, die Reste des Grafenbaus, des Wohnbaus der Leininger, zeigen nur noch Kragsteine, Gewölbereste und den Keller mit dem Grundriss. Die evangelische Kirche entstand erst 1957 aus zwei umgebauten Scheunen an der Stelle der Kapelle des Karmeliterklosters „Zum heiligen Kreuz“, das 1468 aufgelöst wurde; die Kapelle war von 1555 bis um 1700 lutherische Kirche, diente den Franzosen als Munitionsdepot und wurde um 1800 wegen Baufälligkeit abgerissen. Wie die Konfessionen in der Pfalz zusammenhängen, erklärt die Seite Religion und Kirchen in der Pfalz.

Was sehe ich noch an der Stadtmauer und im Ort?

Auf dem Stadtmauerrundweg liegen der Diebsturm, dessen Name wahrscheinlich aus „tiefer Turm“ entstand, und drei Erker im westlichen Teil der Mauer, die als „Abort“-Erker gelten, deren Funktion aber nicht eindeutig geklärt ist und die auch zur Verteidigung gedient haben können. Das Obere Tor sicherten ein Burggraben, eine Zugbrücke und ein Fallgitter, dessen Führung noch erkennbar ist; das untere Stadttor ließ man 1883 abreißen, den Torturm eingeschlossen. Seine Verteidigung war Aufgabe der Zunft, die im heutigen Gasthof „Zum Burggraf“ ihre Zunftherberge hatte; im Gastraum hängt noch das barocke Zunftschild.

Weitere Stationen des Rundgangs erzählen vom Alltag der Stadt: Der Wachenheimer Hof war ab 1561 Wohnhaus der Freiherren von Wachenheim im Zellertal, den Burgmannen der Grafen; 1929 wurde er abgerissen und neu gebaut und diente von 1959 bis 2000 als katholisches Pfarrhaus. Das ehemalige Spital geht vermutlich auf Ländereien zurück, die Gräfin Eva stiftete. Der Spülbrunnen nahm Wasser vom Marktbrunnen auf und diente zum Spülen großer Gefäße aus dem Weinbau. In der ehemaligen gräflichen Zehntscheuer lagerte der „Zehnt“, die Pflichtabgabe des zehnten Teils der Erträge; die ehemalige Amtskellerei besitzt einen großen Keller mit Kreuzgratgewölbe aus dem 13. Jahrhundert und ein Gebäude des 16. Jahrhunderts, ist aber in Privatbesitz und nicht zugänglich. Am Friedhof unterhalb des Ortskerns steht das Heiligenhäuschen, der Chor einer Flurkapelle mit Schlussstein von 1654, der von 1730 bis 1966 als Friedhofskapelle diente, daneben das Scharfrichterkreuz von 1703. Jahreszahlen des 18. Jahrhunderts und Handwerkszeichen sieht man an vielen Häusern.

Welche Museen gibt es, und wann sind sie geöffnet?

Die beiden Leiningerland Museen betreibt die Stiftung Historisches Neuleiningen, die der Heimat- und Kulturverein 2005 gegründet hat. Das Museum im Burgturm behandelt Burg und Stadt im Mittelalter und in der frühen Neuzeit: die frühen Grafen von Leiningen, Burgenbau, Verteidigung, die Münzprägung der Wormser Bischöfe, Graf Hesso und Gräfin Eva, dazu zwei Burgmodelle. Das Museum an der Münze in der Kirchengasse 6 zeigt das Leben im Ort von der frühen Neuzeit bis ins 20. Jahrhundert. Wichtigstes Exponat ist das Haus selbst; dazu kommen Sammlungen zu Geologie und Paläontologie der Region, Handwerk und Haushalt, die Neuleininger Steingutfabrik, Bilder des Malers Simon Conradi und landwirtschaftliche Geräte.

Beide Museen sind von April bis Oktober sonntags und an Feiertagen im Wechsel von 13 bis 17 Uhr geöffnet: das Museum im Burgturm am zweiten und vierten Sonntag im Monat, das Museum an der Münze am ersten und dritten (Stand Oktober 2026). Der Eintritt ist frei, Spenden sind willkommen. Dorf- und Museumsführungen bietet der Heimat- und Kulturverein nach Vereinbarung an; eine Führung dauert etwa eineinhalb Stunden und umfasst die Burgruine mit dem Museum im Burgturm und einen Rundgang durch das Dorf. Weitere Häuser der Region finden Sie auf der Seite Museen in der Pfalz.

Wie komme ich zu Fuß nach Neuleiningen?

Auf dem Pfälzer Weinsteig, dessen erste Etappe in Neuleiningen endet, und auf dem Wanderweg Deutsche Weinstraße. Beide Wege beginnen im Norden bei Bockenheim; die Seiten Pfälzer Weinsteig und Wanderweg Deutsche Weinstraße beschreiben die Etappen. Von Grünstadt aus ist der Ort nah, die Stadt stellt die Seite Grünstadt vor. Mit dem Auto parken Sie am Ortsrand; die Altstadt ist eng und steil. Eine Fahrplanauskunft für Bus und Bahn bietet der Verkehrsverbund Rhein-Neckar, das Netz erklärt die Seite Mit Bus und Bahn durch die Pfalz.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zu Neuleiningen

Wer war Gräfin Eva von Neuleiningen?

Gräfin Eva von Leiningen-Westerburg lebte von 1481 bis 1543. Der Sage nach rettete sie im Bauernkrieg 1525 die Burg, indem sie die anrückenden Bauern bewirtete. Vermutlich stiftete sie auch Ländereien für ein Spital, aus dessen Erträgen Bedürftige und Kranke unterstützt wurden.

Ist die Burgruine frei zugänglich?

Die Ruine gehört der Gemeinde und liegt im Ortskern. Besichtigung und Museum im Burgturm sind an den Öffnungstagen möglich; der Eintritt ist frei.

Wann wurde Neuleiningen zerstört?

1690, im Pfälzischen Erbfolgekrieg, wurde der Ort erobert und geplündert und die Burg durch Sprengungen verteidigungsunfähig gemacht.

Gibt es eine Gastronomie auf der Burg?

Im alten Gewölbekeller befindet sich die Burgschänke. Öffnungszeiten erfragen Sie beim Betreiber.

Wie lange dauert ein Besuch?

Für Rundgang, Burgruine und einen Museumsbesuch rechnen Sie mit zwei bis drei Stunden. Die geführte Dorftour dauert etwa eineinhalb Stunden.

Quellen: Ortsgemeinde Neuleiningen: Geschichte; Ortsgemeinde Neuleiningen: Sehenswürdigkeiten; Ortsgemeinde Neuleiningen: Museen; Verbandsgemeinde Grünstadt-Land: Geschichte des Leiningerlandes; Wikipedia: Neuleiningen. Stand: Oktober 2026.