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Obrigheim (Pfalz): vier Dörfer, fünf Kirchen, Menhir und Orgel von 1730

Großgemeinde seit 1969 mit den Dörfern Albsheim, Colgenstein-Heidesheim, Mühlheim und Obrigheim, fünf Kirchen, Orgel von 1730, Menhir der Jungsteinzeit und Hofanlagen

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am Seit 1969 vier Dörfer · Menhir

Weites Sonnenblumenfeld unter blauem Himmel mit ferner Baumreihe auf einer flachen Ebene im goldenen Licht
Sonnenblumen Sonnenblumenfeld. Symbolbild

Kurz gesagt

Obrigheim (Pfalz) liegt im Landkreis Bad Dürkheim in der Verbandsgemeinde Leiningerland. Die Großgemeinde entstand 1969 aus den vier Dörfern Albsheim, Colgenstein-Heidesheim, Mühlheim und Obrigheim, die schon in der Steinzeit besiedelt waren. Fünf Kirchen, darunter die Albsheimer Orgel von 1730, der Colgensteiner Turm um 1150 und die Schlosskirche in Mühlheim, ein Menhir der Jungsteinzeit und viele Hofanlagen des 17. bis 19. Jahrhunderts machen die Gemeinde zu einem Streifzug durch tausend Jahre Dorfgeschichte.

Wo liegt Obrigheim?

Die Gemeinde liegt im Hügelland nordöstlich der Haardt. Zur Verbandsgemeinde Leiningerland, die 2018 aus Grünstadt-Land und Hettenleidelheim hervorging, gehören auch Kindenheim und Dirmstein. Die Kreisstadt der Gegend ist Grünstadt; die Weinorte der Region stellt die Seite zur Deutschen Weinstraße vor.

Obrigheim ist eine „Großgemeinde“ im wörtlichen Sinn: Am 7. Juni 1969 wurden hier die bis dahin eigenständigen Gemeinden Albsheim, Colgenstein-Heidesheim, Mühlheim und Obrigheim zu einer neuen Gemeinde zusammengelegt. Die Gemarkung grenzt an die Deutsche Weinstraße, und in allen Ortsteilen wird Wein- und Ackerbau betrieben.

Seit wann leben hier Menschen?

Funde belegen, dass die Dörfer seit der Steinzeit besiedelt sind. Den ältesten sichtbaren Beleg bildet ein Menhir westlich von Albsheim an der Bundesstraße 271, ein aufgerichteter Stein der jüngeren Steinzeit aus dem 4. Jahrtausend vor Christus. Menhire sind einzeln stehende Steinmale, die Menschen der Jungsteinzeit aufrichteten.

Aus römischer Zeit gibt es einen bemerkenswerten Fund: Bei der Renovierung des Bürgerhauses wurde 1997 in einem der Ortsteile ein römischer Sarkophag entdeckt. Er zeigt, dass die Gegend auch in der Antike bewohnt war. Wie der Weinbau in dieser Epoche begann, beschreibt die Seite zur Weinbaugeschichte der Pfalz.

Wer regierte die Dörfer?

Albsheim und Obrigheim gehörten zur Linie Leiningen-Westerburg der Grafen von Leiningen. Colgenstein-Heidesheim und Mühlheim zählten zu Leiningen-Dagsburg-Falkenburg, der Sonderlinie Heidesheim. Die Grafenhäuser teilten sich das Land in Linien auf; die Gemeinden lagen also schon früh unter verschiedenen Herren, bevor sie 1969 vereint wurden. Das Land und seine Grafen stellt die Seite zum Leiningerland vor, den Zusammenhang mit der Kurpfalz erklärt die zugehörige Seite.

Von 1792 bis 1815 standen die Dörfer unter französischer Herrschaft, zunächst der Republik, dann des Kaiserreichs. Ab dem 1. Mai 1816 gehörten sie zum neu geschaffenen bayerischen Rheinkreis. Seit 1946 sind sie Teil des Landes Rheinland-Pfalz. Zur Geschichte der Region erscheinen weitere Zusammenhänge auf der Seite Geschichte.

Ein großer verwitterter Sandsteinblock liegt im hohen Wiesengras bei Sonnenaufgang, leichter Nebel
Findling Findling in der Wiese. Symbolbild

Was macht Albsheim besonders?

Albsheim wird 788 erstmals erwähnt. Die protestantische Kirche an der Albsheimer Hauptstraße 20 ist ein Saalbau, der im Kern aus dem 12. Jahrhundert stammt. Sie besitzt eine romanische Sakristei und einen romanischen Flankenturm, dessen Obergeschoss und Helm jünger sind. Der spätgotische beziehungsweise barocke Umbau ist an der Kirche mit den Jahreszahlen 1515 und 1749 bezeichnet. „Bezeichnet“ heißt, dass die Zahl am Bau selbst eingemeißelt ist. Die Orgel von 1730 gehört zu den ältesten datierten Orgeln der Pfalz. Ein Kriegerdenkmal mit einem Soldaten aus den 1930er Jahren steht bei der Kirche.

Weitere Denkmäler zeigen das Dorf als Handwerker- und Bahnort: Die frühere Schmiede an der Albsheimer Hauptstraße 8 ist ein eingeschossiger Krüppelwalmdachbau des 18. Jahrhunderts. Das ehemalige Schulhaus von 1886 ist ein aufgesockelter spätklassizistischer Putzbau. Der frühere Bahnhof entstand 1872 und 1873 als spätklassizistischer Typenbau mit angeschobenem Güterschuppen. Eine Brücke bei der Albsheimer Hauptstraße 30 hat Brüstungsmauern im Sinne des Art déco aus dem frühen 20. Jahrhundert. In der Kuhgasse 1 sitzt ein Renaissance-Scheitelstein von etwa 1600.

Außerhalb des Dorfes liegt die Kraußmühle unterhalb der Straße nach Asselheim, ein Vierseithof des 18. und 19. Jahrhunderts mit Hoftoren von 1718 und 1839, einer Pforte von 1723 und einem kreuzgratgewölbten Stall über Säulen. Der Scheunenkeller ist 1777 bezeichnet. Der Friedhof nördlich des Ortes besitzt eine aufwendig gestaltete Sandsteinquadermauer vom Anfang des 20. Jahrhunderts.

Was bewahrt die Kirche in Colgenstein?

Colgenstein wird 991 erstmals erwähnt. Die Kirche in der Kirchstraße 2 hat einen romanischen Turm mit reicher Bauplastik, der um 1150 entstand. Das Schiff ist im Kern ein mittelalterlicher Saalbau des 13. oder 14. Jahrhunderts, der 1736 umgebaut wurde. Im Inneren steht ein spätgotischer Taufstein von 1509 aus der Wormser Schule, außerdem ein romanisches Sandsteinrelief, das die Opferung Isaaks durch Abraham zeigt. Die Glocken von etwa 1320 und 1340 gehören zu den ältesten der Pfalz. Der frühere Friedhof hat ein Gittertor des 19. Jahrhunderts und zwei barocke Grabsteine.

Der Herrenhof in der Straße Herrnhof 1 und 2 ist eine bruchsteinummauerte Hofanlage, die 1588 und 1848 bezeichnet ist, mit einem barocken Sichtfachwerkbau des frühen 18. Jahrhunderts. In der Kirchstraße stehen barocke Dreiseithöfe, Mansarddachbauten und ein Hof mit einer Spolie im Scheunentor; an der Schloss-Straße 24 befindet sich das ehemalige Schulhaus von 1888 aus Sandsteinquadern, an der Nummer 2 das protestantische Pfarrhaus von 1893. Eine Kellerpforte bei der Nummer 7 trägt die Jahreszahl 1722.

Goldenes Stoppelfeld mit runden Strohballen bei Sonnenuntergang, lange Schatten, warmer Himmel
Strohballen Strohballen. Symbolbild

Was findet man in Heidesheim?

Heidesheim bildet mit Colgenstein den Ortsteil Colgenstein-Heidesheim. Die Heidesheimer Hauptstraße 4 ist ein repräsentativer spätbarocker Mansardwalmdachbau von 1731, der 1890 einen Anbau und 1936 eine Erweiterung erhielt. Das sogenannte Hofgut an der Heidesheimer Hauptstraße 10 ist eine ausgedehnte Hofanlage der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts mit einem Krüppelwalmdachbau von 1812, einem dreischiffigen Stallbau von 1847, einem Getreidespeicher und einer Bruchsteinscheune.

An der Schloss-Straße 51 liegt der ehemalige Schlossgarten mit einer Villa im Stil der Reformarchitektur von 1912 und 1913. Bruchstein- und Backsteinmauern mit Lattenzäunen fassen das Gelände ein, es gibt einen ehemaligen Eiskeller und eine Einfahrt, die 1912 bezeichnet ist.

Warum ist Mühlheim für Orgelfreunde interessant?

Die protestantische Kirche an der Mühlheimer Hauptstraße 22 war die Schlosskirche der Grafen von Leiningen-Heidesheim. Sie besitzt einen Chorturm mit Pyramidendach aus der Mitte des 13. Jahrhunderts und eine kreuzförmige Anlage, die 1620 und in den 1720er Jahren verändert wurde. Im Chor sind Wandmalereien aus der Zeit um 1350 erhalten. Die prachtvolle Orgel von Michael Stumm ist von allen Stumm-Orgeln der Pfalz am besten erhalten. Auf dem Friedhof stehen barocke und klassizistische Grabsteine mit Ehewappen, darunter die von Wicker (1701 und 1714) und Otterbein (1832 und 1838).

Das ehemalige protestantische Pfarrhaus in der Mühlheimer Hauptstraße 11 hat im Kern einen Bau von 1614 und ein Hoftor von 1610; es wurde 1867 umgebaut und 1908 erweitert. Das Haus am Friedhofweg 1 ist ein anspruchsvoller Mansardwalmdachbau des 18. Jahrhunderts, im Kern älter und 1606 bezeichnet. In der Mühlheimer Hauptstraße 20 steht das ehemalige Schulhaus von 1880 und 1881 mit älteren Teilen aus dem frühen 17. Jahrhundert; Nummer 27 ist eine spätbarocke Hofanlage mit einem Hoftor von 1703, Nummer 39 ein Krüppelwalmdachbau von 1740.

Welche Bauten prägen den Hauptort?

In Obrigheim selbst wurde die Kirche ursprünglich als Kapelle gebaut und war Filiale von Colgenstein. Die protestantische Pfarrkirche an der Hauptstraße 52 behielt Teile des früheren Chorturms von etwa 1500, den man 1910 um ein Geschoss aufstockte; das Schiff ist ein Saalbau, der 1863 bis 1865 in spätklassizistischen und neugotischen Formen neu entstand. Auf dem ehemaligen Friedhof erinnert ein Denkmal an die Gefallenen beider Weltkriege. Die katholische Kirche wurde 1962 mit der Grundsteinlegung begonnen und 1964 geweiht.

Die ehemalige Schiffermühle in der Hauptstraße 2 ist ein ausgedehnter Vierseithof vom Ende des 18. und 19. Jahrhunderts: Das frühklassizistische Wohnhaus, das Mühlengebäude und der frühere Pferdestall entstanden alle 1799. Hinzu kommen ein Scheunenbau mit Hochkeller, ein Eingangsflügel von 1856 und am früheren Mühlbach ein Wehr von 1812. Im Garten steht ein Pavillon, und ein Portal von 1726 ist als Spolie wiederverwendet. In der Hauptstraße 27 liegt das ehemalige Gasthaus „Zur Krone“, ein spätbarocker Putzbau mit Fachwerk; ein Ziehbrunnen aus Sandstein bei der Nummer 36 und 38 ist 1664 bezeichnet, ein Bogenstein an der Nummer 49 1633.

Das Haus Hauptstraße 35 und Kellergasse 19 ist eine Hofanlage mit einem Sichtfachwerkbau von 1610, einem spätbarocken Umbau des Erdgeschosses von 1786 und einem früheren Kelterhaus von 1787. Das Haus Hauptstraße 6 stammt in seiner Hofanlage von etwa 1600; im Winkelbau mit Krüppelwalmdach sind Stuckdecken des frühen 17. Jahrhunderts erhalten. Nördlich des Ortes liegt ein jüdischer Friedhof, 1868 angelegt, mit vier Grabsteinen aus den Jahren 1871 bis 1961. Eine Übersicht bietet die Seite Jüdische Friedhöfe und Synagogen in der Pfalz.

Eine alte Streuobstwiese mit Apfelbäumen voller Früchte im Morgennebel, Tau auf dem Gras
Streuobst Streuobstwiese. Symbolbild

Wo findet man die Ortsgeschichte?

Die Ortschronik von 1991 in zwei Bänden erforschte über zwanzig Jahre lang Wolfgang Heiss. Sie bildet die Grundlage der Ortsgeschichte aller vier Dörfer. Die Gemeinde pflegt außerdem eine Partnerschaft mit Crèvecoeur-le-Grand in Frankreich. Für die Region zeigt die Seite zu den Weinwanderungen Wege durch die Weinberge, und der Kraut-und-Rüben-Radweg verbindet die Dörfer der Gegend mit dem Rad.

Wie lässt sich die Gemeinde erkunden?

Wer die vier Dörfer besuchen will, beginnt am besten in Albsheim bei der Kirche und der Orgel, fährt weiter nach Colgenstein mit dem Turm des 12. Jahrhunderts, besucht in Mühlheim die Schlosskirche und beschließt die Runde in Obrigheim an der Schiffermühle. Der Menhir an der Bundesstraße 271 liegt am Weg. Der Weg über die Dörfer führt durch Weinberge und Ackerland; Mandelbäume am Rand der Weinberge blühen im Frühjahr, wie es die Seite zur Mandelblüte beschreibt.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

  • Weingut & Gästezimmer

    Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.

    Übernachten beim Winzer
  • Hotel & Ferienwohnung

    Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.

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  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

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Häufige Fragen zu Obrigheim

Wann entstand die Gemeinde Obrigheim?

1969 aus den Gemeinden Albsheim, Colgenstein-Heidesheim, Mühlheim und Obrigheim.

Wann wurden die Ortsteile erstmals erwähnt?

Albsheim 788, Colgenstein 991 und Obrigheim 1287.

Was ist die Besonderheit der Mühlheimer Kirche?

Sie war die Schlosskirche der Grafen von Leiningen-Heidesheim und besitzt die am besten erhaltene Orgel von Michael Stumm in der Pfalz.

Wie alt ist der Turm der Colgensteiner Kirche?

Der romanische Turm entstand um 1150.

Was ist der Menhir bei Albsheim?

Ein aufgerichteter Stein der jüngeren Steinzeit aus dem 4. Jahrtausend vor Christus an der B 271.

Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Obrigheim?

Zur Verbandsgemeinde Leiningerland im Landkreis Bad Dürkheim.

Quellen: Ortsgemeinde Obrigheim: Chronik; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.