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Ruppertsberg an der Weinstraße: Teepavillon, Klausenkapelle und sechs Weinlagen
Winzerdorf der Mittelhaardt: Hallenkirche St. Martin, klassizistischer Teepavillon, Klausenkapelle mit Kreuzweg von 1871 und sechs Weinlagen mit 423 Hektar

Kurz gesagt
Ruppertsberg liegt an der Deutschen Weinstraße zwischen Deidesheim und Königsbach am Rand der Haardt. Aus einer Burg im Mittelalter wurde ein Winzerdorf mit spätgotischer Hallenkirche, einem klassizistischen Teepavillon, Winzerhöfen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert und einer Wallfahrtskapelle mit Kreuzweg. Von der Gemarkung von 800 Hektar tragen mehr als die Hälfte Reben, verteilt auf sechs Lagen mit zusammen 423 Hektar.
Wo liegt Ruppertsberg an der Deutschen Weinstraße?
Ruppertsberg gehört zur Mittelhaardt, dem Abschnitt der Weinstraße mit den bekanntesten Rieslingorten. Im Norden schließt Deidesheim an, im Süden beginnt die Stadt Neustadt an der Weinstraße mit dem Ortsteil Königsbach; nahe liegt außerdem die Kreisstadt Bad Dürkheim. Die Gemeinde liegt auf 120 Metern Höhe. Von den Weinbergen aus sind im Osten über der Rheinebene die Domtürme von Speyer und Worms zu sehen, im Westen steigt der Pfälzerwald an, das größte zusammenhängende Mischwaldgebiet Deutschlands.
Seit der Gebietsreform von 1973 gehört der Ort zur Verbandsgemeinde Deidesheim. Die Schule des Dorfes wurde 1976 nach Deidesheim verlegt, das sanierte alte Schulhaus dient seit 1988 als Bürgerhaus. Einen Überblick über die Orte entlang der Haardt gibt die Seite Mittelhaardt.
Wie alt ist Ruppertsberg, und wer herrschte hier?
In der Gemarkung wurden Funde aus der Römerzeit gemacht. Gutshöfe wurden vom 1. bis zum 4. Jahrhundert bewirtschaftet; die Funde zeigt das Historische Museum der Pfalz in Speyer. Mehr zur römischen Besiedlung der Region steht auf der Seite Römer in der Pfalz. Der Name des Dorfes geht auf einen Ruppert zurück, der die Burg am Ursprung des Ortes gründete. 1040 wird Ruppertsberg erstmals urkundlich erwähnt.
Um 1100 schenkte der letzte Gaugraf des Kraichgaus das Dorf dem Hochstift Speyer, das es als Lehen vergab. Die Hohe Burg wurde im 14. Jahrhundert von kaiserlichen Truppen zerstört. Danach ließen die Ritter von Ruppertsberg eine Wasserburg errichten, das Schloss im Ortskern. Die Rechte im Dorf waren geteilt: Das Obergericht westlich der Kirche unterstand dem Bischof von Speyer, das Niedergericht östlich davon den Rittern und ihren Erben. Die Pfarrkirche wird gegen Ende des 13. Jahrhunderts zum ersten Mal erwähnt. Das Martinspatronat weist auf ein hohes Alter der Kirche, denn die Martinsverehrung reicht bis in die Karolingerzeit zurück.
Das Schloss an der Von-Dalberg-Straße war eine Talburg, die später zu einer Vierflügelanlage ausgebaut wurde. Sie war ursprünglich von einem Graben umgeben, auf zwei Seiten stehen Wohnhäuser, im Westen lag ein Wirtschaftshof mit Weingarten. Seit dem späten 18. Jahrhundert wurde die Anlage in mehrere Privathäuser aufgeteilt, und die Freiherren von Dalberg verkauften sie an Bürger. Mittelalterliche und barocke Baureste sind erhalten; an den Häusern der Straße finden sich ein Rokoko-Relief aus der Zeit um 1730 bis 1740 und ein Schlussstein der früheren Torfahrt mit der Jahreszahl 1757.

Wie überstand das Dorf Bauernkrieg, Dreißigjährigen Krieg und Franzosenzeit?
1525 wurde der Ort im Bauernkrieg verwüstet, das untere Schloss geplündert und zerstört. Der Dreißigjährige Krieg brachte mehrfache Zerstörungen, Hunger, Pest und Plünderungen; danach lebten nur noch zwei Familien im Dorf. Nach dem Krieg ließen sich Einwanderer aus Holland, Dänemark und Österreich nieder.
1794 brannten französische Truppen die Barockausstattung der Kirche nieder. Von 1797 bis 1814 gehörte Ruppertsberg zu Frankreich. Nach dem Wiener Kongress kam die Pfalz an Bayern, wie das übrige Land zwischen Rhein und Haardt; mehr dazu auf der Seite Bayerische Pfalz. Der Zweite Weltkrieg ließ den Ort unberührt von Kampfhandlungen, danach lag die Region in der französischen Besatzungszone.
Was zeigt die Pfarrkirche St. Martin?
Die katholische Pfarrkirche St. Martin an der Kirchstraße ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts. Alle drei Schiffe sind gleich hoch. Die Kirche ist die erste echte gotische Hallenkirche der linksrheinischen Diözese Speyer. Von 1859 bis 1860 wurde sie nach Plänen des Neustädter Architekten K. Kaercher nach Westen verlängert und erhielt den Turm und einen neugotischen Chorschluss. Südlich der Kirche steht ein neugotisches Missionskreuz, das Julius Renn aus Speyer 1906 schuf.
Die Barockausstattung wurde 1794 bei der französischen Brandschatzung zerstört. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde die Kirche aus aufgehobenen Stifts- und Klosterkirchen neu ausgestattet. Herausragend ist die Steinkanzel von etwa 1510, die für das Liebfrauenstift in Worms geschaffen wurde und Heilige und Propheten zeigt.
Rund um die Kirche liegt der alte Dorfkern. Der Pfarrhof an der Raiffeisenstraße besteht aus dem früheren Pfarrhaus von 1602 mit spätgotischen und Renaissance-Motiven und einem Haus von etwa 1850. Eine Scheune des Hofs trägt über einer Torfahrt die Jahreszahl 1589, hinter dem Haus liegt der Pfarrgarten mit einer Mauer aus dem 16. bis 19. Jahrhundert.
Was ist der Teepavillon des Weinguts Bürklin-Wolf?
An der Obergasse steht der Teepavillon des Weinguts Bürklin-Wolf, das Wahrzeichen neben der Kirche. Es ist ein klassizistischer Kubus mit Zeltdach, das Vorbild war der Englische Garten in München. Das Haus prägt das Ortsbild. Die Familie Bürklin-Wolf besaß auch den Waldpark am Haardtrand, den die Seite Wolf’sche Anlagen in Haardt beschreibt. Das Weingut selbst hat seinen Sitz in Wachenheim, mehr zum Nachbarort steht auf der Seite Wachenheim.
Welche Winzerhöfe und Tore prägen den Ortskern?
Ruppertsberg besitzt einen dichten Bestand an Winzerhöfen vom 16. bis zum 19. Jahrhundert. Der Winzerhof an der Forstgasse 2 ist ein Vierseithof; sein Wohnhaus hat einen Kern von 1599, der Kellerabgang trägt die Jahreszahl 1650, die Scheune aus Bruchstein stammt von 1834. Ein Hof an der Hauptstraße 1 hat einen Kern aus den 1580er Jahren mit teils Fachwerk, ein Krüppelwalmdach aus dem 18. Jahrhundert und eine Bruchsteinscheune von 1846. An der Obergasse 34 steht ein spätbarockes Hochkellerhaus mit einem Kern von 1580, das 1777 und 1780 erweitert wurde. Ein Hochkeller ragt teilweise aus dem Boden, das Wohngeschoss liegt darüber.
Viele Höfe lassen sich an den Toren erkennen. Das Portal an der Hauptstraße 12 trägt die Jahreszahl 1547, ein spätbarocker Torbogen mit den ursprünglichen Torflügeln an der Hauptstraße 16 die Jahreszahl 1771, ein weiterer Torbogen an der Hauptstraße 18 die Jahreszahl 1767. Eine spätgotische Mannpforte mit Wappenstein sitzt an der Hauptstraße 9. Mannpforte nennt man die kleine Tür im großen Hoftor, durch die eine Person ohne Öffnen des Tores eintritt. An der Obergasse 17 trägt eine Mannpforte die Jahreszahl 1592; der Dreiseithof Obergasse 21 hat ein Wohnhaus von 1723, eine Pforte von 1616 und eine Scheune von 1824. Die Gaststätte Zum Winzer an der Obergasse 23 ist ein spätbarockes Hochkellerhaus aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts.
An der Mittelgasse liegen mehrere öffentliche Bauten. Das frühere Schulhaus (Nummer 7) ist ein stattlicher spätbarocker Walmdachbau mit der Jahreszahl 1729 und prägt den Platz. Auf der Mittelgasse 2 stehen römische Säulenfragmente und der Sockel einer Nepomuk-Statue von 1754. Das frühere katholische Schwesternhaus (Nummer 9) ist ein Bruchsteinbau mit Fassade aus Sandstein und Blankziegeln von etwa 1900 und trägt eine Skulptur der Heiligen Familie von H. Pauly aus Speyer. Ein späthistoristisches Beispiel ganz anderer Art ist die Neurenaissance-Villa an der Weinstraße 82 von etwa 1890. Der Friedhof an der Obergasse wurde um 1830 angelegt; sein Kreuz von 1830 und Grabmäler aus dem 19. Jahrhundert sind erhalten.

Was ist die Klausenkapelle mit dem Kreuzweg?
Südwestlich des Dorfes, unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Neustadt-Königsbach, steht die Wallfahrtskapelle zu den Vierzehn Nothelfern, genannt Klausenkapelle oder Klause Zeiselbach. Der Saalbau stammt aus den Jahren 1681 bis 1688 und hat einen spätgotischen Kern kurz vor 1350. Teile wurden 1705, 1776, 1846 und 1952 erneuert. Die Glocke goss 1870 Andreas Hamm aus Frankenthal, der Sandsteinsockel trägt die Jahreszahl 1746. Westlich der Kapelle liegt das Bruchstück einer Grabplatte von etwa 1600.
Zur Kapelle führt ein Kreuzweg mit 14 Stationen vom Talgrund hinauf. Die ersten acht Stationen stehen auf der Gemarkung von Neustadt, die weiteren in Ruppertsberg. Die Stationshäuschen mit Terrakottaskulpturen entstanden 1871; die zwölfte Station an der Kapelle ist eine Kreuzigungsgruppe des Kölner Bildhauers Wilhelm Jansen. Wanderungen durch die Weinberge der Region beschreibt die Seite Weinwanderungen.
In der Gemarkung stehen weitere Zeichen der Volksfrömmigkeit. Am Bergweg bei der Lehmgrube steht ein neugotischer Bildstock von 1863, an der Kreuzung Bergweg und Haftweg an der Grenze zu Neustadt ein Bildstock mit spätbarockem Sockel von 1754 und einem Pfeiler mit Nische von 1859. An der Ecke Hauptstraße und Mühlweg steht ein neugotisches Heiligenhäuschen von 1891 mit einer Pietà. Mehrere Wegekreuze aus Sandstein entstanden um 1890, 1900 und 1914, und an der Kreisstraße nach Deidesheim steht ein kleines Weinberghäuschen aus Haustein von etwa 1820 bis 1830.
Welche Weinlagen hat Ruppertsberg?
Die Weinberge liegen geschützt durch die Haardt und profitieren von einem milden Klima. Die Lagen unterscheiden sich vor allem im Boden. Eine Übersicht über alle Lagen der Pfalz bietet die Seite Weinlagen.
| Lage | Fläche | Boden |
|---|---|---|
| Linsenbusch | 220 Hektar | Sandiger Lehm bis lehmiger Sand, überwiegend Löss |
| Reiterpfad | 87 Hektar | Steinig, sandig bis sandiger Lehm; am Gebirgsrand Hangschutt aus Buntsandstein |
| Nußbien | 75 Hektar | Sand und Lehm; am Gebirgsrand Hangschutt aus Buntsandstein |
| Hoheburg | 20 Hektar | Steiniger Sand bis sandiger Lehm |
| Gaisböhl | 15 Hektar | Sandige Lehme mit Sandstein und Kalksteingeröll, oft tonige, kalkhaltige Lehme, stark wechselnd |
| Spieß | 6 Hektar | Steiniger Sand; am Gebirgsrand Hangschutt aus Buntsandstein |
Die Namen erzählen vom Dorf. Der Name der Lage Hoheburg klingt in der Hohen Burg des Mittelalters an; auch der Winzerverein heißt „Hoheburg“. Er wurde 1911 gegründet, im selben Jahr eröffnete Emil Motzenbäcker sein Wein- und Tanzlokal. Angebaut werden unter anderem Riesling, Traminer, Portugieser und Spätburgunder. Der Riesling hat an der Mittelhaardt seit Jahrhunderten eine Hochburg; Näheres steht auf der Seite Riesling.
1996 wurden das Feuerwehrhaus und der Gewölbekeller darunter ausgebaut, der Traminerkeller. Die Tradition der Kirchweihfeste in der Pfalz beschreibt die Seite Kerwe.
Wie veränderte sich das Dorf im 19. und 20. Jahrhundert?
1852 wurde die Bahnlinie von Neustadt nach Bad Dürkheim eröffnet. 1859 wurde die Kirche erneuert und erweitert, 1862 gründete sich der Männergesangverein Liederkranz. Elektrisches Licht gab es ab 1891, 1894 entstanden der Turnverein und die Wasserversorgung. 1926 weihte das Dorf ein neues Schulhaus ein, die Gemeinde zählte 935 Einwohner. Von 1957 bis 1961 wurde am Dorfrand nach Öl gebohrt; die Funde waren nach Menge und Güte nicht verwertbar.
Partnerschaften bestehen mit Höchstädt an der Donau und mit Courpière in der Auvergne. Zu den Vereinen zählen der Männergesangverein, der Kirchenchor, der Turnverein und der Schützenverein.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
Weingut & Gästezimmer
Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.
Übernachten beim WinzerHotel & Ferienwohnung
Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.
Hotels in der PfalzCamping & Wohnmobil
Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zu Ruppertsberg
Wann wurde Ruppertsberg erstmals erwähnt?
1040. Der Ort geht auf eine Burg zurück, die ein Ruppert gründete.
Wie viele Weinlagen hat Ruppertsberg?
Sechs: Linsenbusch, Reiterpfad, Nußbien, Hoheburg, Gaisböhl und Spieß. Zusammen umfassen sie 423 Hektar.
Was ist der Teepavillon in Ruppertsberg?
Ein klassizistischer Kubus mit Zeltdach, den das Weingut Bürklin-Wolf nach dem Vorbild des Englischen Gartens in München errichten ließ. Er steht neben der Kirche und ist das Wahrzeichen des Ortes.
Was zeichnet die Kirche St. Martin aus?
Sie ist eine dreischiffige spätgotische Hallenkirche aus dem Anfang des 16. Jahrhunderts, die erste echte gotische Hallenkirche der linksrheinischen Diözese Speyer. Ihre Steinkanzel entstand um 1510.
Was ist die Klausenkapelle?
Eine Wallfahrtskapelle zu den Vierzehn Nothelfern südwestlich des Dorfes. Ein Kreuzweg mit 14 Stationen von 1871 führt hinauf, die ersten acht Stationen stehen auf Neustadter Gemarkung.
Zu welcher Verbandsgemeinde gehört Ruppertsberg?
Seit 1973 zur Verbandsgemeinde Deidesheim im Landkreis Bad Dürkheim.
Quellen: Gemeinde Ruppertsberg: Chronik; Gemeinde Ruppertsberg: Alles zum Wein; Gemeinde Ruppertsberg: Startseite; GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.