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Siebeldingen: Weindorf und Geilweilerhof der Rebenzüchtung

Winzerdorf im Queichtal und Heimat der pilzwiderstandsfähigen Reben

Stand: · 8 Min. LesezeitErsterwähnung 1219 · Geilweilerhof seit 1926

Weindorf mit Kirche, deren Turm einen schiefen Schieferhelm trägt, zwischen herbstlichen Weinbergen und Hügeln
Siebeldingen Dorf zwischen Reben. Symbolbild

Kurz gesagt

Siebeldingen ist ein Weindorf im Queichtal der Südlichen Weinstraße, 1219 erstmals erwähnt und seit 1689 mit einer Simultankirche. Nördlich des Ortes liegt der Geilweilerhof, an dem das Julius Kühn-Institut seit 1926 Rebsorten züchtet, darunter Regent und die Calardis-Reihe. Dort steht auch eine der größten Rebsortensammlungen der Welt.

Was ist Siebeldingen und wie alt ist der Ort?

Siebeldingen ist ein Winzerdorf im unteren Queichtal zwischen Annweiler und Landau, mit gut tausend Einwohnern. Die Gemeinde nennt sich auf ihrer Website einen „uralten Weinbauort“. Die erste urkundliche Erwähnung steht in der Urkunde, mit der der Staufer-Kaiser Friedrich II. 1219 Annweiler die Stadtrechte verlieh; Siebeldingen wird dort als östliche Grenze angegeben. Den Ortsnamen leitet die Gemeinde von einer Sippe ab, die sich in der Völkerwanderungszeit unter einem Mann namens Siebelt niederließ.

Wahrscheinlich ist der Ort älter. Die Gemeinde vermutet aus der Zugehörigkeit zu den Haingeraiden, die der Sage nach der „gute König“ Dagobert den Bauern schenkte (Sage von der Dagobertshecke nördlich des Ortes), dass Siebeldingen schon um 600 bewohnt war. Belegt ist das nicht, es bleibt eine Vermutung. Sicher ist dagegen das Jahr 1285: König Rudolf von Habsburg stattete damals „das Siebeldinger Tal“ mit den Rechten der Stadt Speyer aus. Zu diesem Tal gehörten Siebeldingen, Birkweiler und Godramstein. Es war reichsfrei, hatte eigene Gerichtsbarkeit und Marktrecht.

Das Gemeindewappen erinnert daran. Es entspricht dem Siegel des Gerichts von Siebeldingen, das sich vom Siegel des Siebeldinger Tals, belegt seit 1517, nur durch die Krone unterscheidet. Die Krone hält die Erinnerung an Rudolf von Habsburg wach, der Reichsadler verweist auf die Reichsfreiheit. Wer die Nachbarorte kennenlernen möchte, findet auf den Seiten Leinsweiler und Annweiler am Trifels den Anschluss, die ganze Region beschreibt die Seite Südliche Weinstraße.

Wofür ist der Geilweilerhof bei Siebeldingen bekannt?

Der Geilweilerhof ist das Institut für Rebenzüchtung des Julius Kühn-Instituts (JKI), des Bundesforschungsinstituts für Kulturpflanzen. Es liegt auf einem Hügel nördlich des Ortes und zählt zu den international anerkannten Einrichtungen im Weinbau. Den Grundstein legte der letzte private Besitzer, Dr. Ludowici: Er vermachte das im Gemeindebezirk Siebeldingen gelegene Gut 1926 dem bayerischen Staat mit der Auflage, dort eine Rebenzucht- und Versuchsstation einzurichten. Das JKI führt dieses Vermächtnis fort, indem es im staatlichen Auftrag neue Rebsorten züchtet und dafür eine Genbank, Versuchsflächen und Versuchsweinkeller betreibt.

Am Standort arbeiten zwei Institute zusammen, das für Rebenzüchtung und das für Pflanzenschutz im Obst- und Weinbau. Anlass für die Gründung war die Krise des 19. Jahrhunderts: Mit Reblaus und Mehltaupilzen waren Schädlinge aus Nordamerika nach Europa gelangt, die den einheimischen Reben stark zusetzten. 2026 feiert das JKI deshalb 100 Jahre Rebenzüchtung am Geilweilerhof. Am 24. April 2026 fand ein Festkolloquium mit rund 65 geladenen Gästen aus Wissenschaft, Politik und Weinbaupraxis statt. Moderiert wurde es von der Pfälzischen Weinkönigin Antonia Cölsch.

Als Wahrzeichen des Geländes gilt der Turm des Gutes. Das JKI zeigt in seinem Archiv, dass er Mitte der 1970er Jahre von Efeu überwachsen war; Anfang der 2000er Jahre musste der Efeu endgültig weichen, weil er die Bausubstanz schädigte. Zum Jubiläumsjahr hat das Institut sein Programm für die Öffentlichkeit geöffnet: Auf dem Gelände gibt es eine Ausstellung im historischen Herrenhaus, einen Rebenlehrpfad, Führungen im Weinberg und durch die Genbank sowie eine Zeitreise-Führung durch die Standortgeschichte. Termine und Anmeldung stehen auf der Jubiläumsseite des Instituts. Zu den Zusammenhängen von Rebe und Region führt die Seite Rebsorten der Pfalz.

Versuchsweinberg mit beschrifteten Rebzeilen am Hang, oben ein Gutshof mit viereckigem Turm
Geilweilerhof Versuchsreben am Hang. Symbolbild

Welche Rebsorten wurden am Geilweilerhof gezüchtet?

Die Gemeinde nennt Morio-Muskat und die pilzwiderstandsfähige Rotweinsorte Regent als Sorten aus dem Anbau des Geilweilerhofs. Das JKI selbst führt in seiner Weinpreisliste Regent, Reberger und Calandro als Rotweine sowie Felicia und die jüngste Neuzüchtung Calardis Blanc als Weißweine. Beim Festkolloquium wurde bilanziert, dass Regent in Spitzenzeiten auf 2.300 Hektar angebaut wurde. Der Name Calardis Blanc geht auf die altfränkische Bezeichnung „Calardiswilre“ für den Geilweilerhof zurück.

SorteFarbeSortenschutz
Feliciaweiß2004
Rebergerrot2004
Villarisweiß2004
Calandrorot2011
Calardis Blancweiß2018
Calardis Musquéweiß2023

Die Jahre stammen aus der Pressemitteilung des JKI zur Verabschiedung von Prof. Reinhard Töpfer, der das Zuchtprogramm 29 Jahre leitete und im Frühjahr 2024 in den Ruhestand ging. Seine Nachfolge trat Dr. Oliver Trapp an. Zur Calardis-Reihe zählen nach den Angaben des Instituts außerdem Calardis Royal und Calardis Soleil, die 2026 bei Feldbegehungen für Praktiker vorgestellt wurden. Für Calardis Blanc nennt das JKI mehrfache Resistenzen gegen Echten und Falschen Mehltau sowie gegen Schwarzfäule, dazu hohe Botrytis- und Sonnenbrandfestigkeit bei späterer Reife. Die Weinqualität beschreibt das Institut mit fruchtig-dezenten Aromen von Maracuja, Blutorange und geschnittenem Apfel.

Wie entsteht eine neue Rebsorte und was bewahrt die Genbank?

Eine neue Rebsorte entsteht, indem Züchter die guten Ertrags- und Qualitätseigenschaften der traditionellen Sorten mit den Resistenzen von Wildreben kreuzen. Aus den Kreuzungen gehen Sämlinge hervor, die auf Qualität und Resistenz geprüft werden. Das dauert: Erst nach drei bis vier Jahren tragen die Pflanzen erste Trauben, für die Qualität sind mehrfache Rückkreuzungen nötig. Das JKI gibt die Entwicklungszeit einer Sorte an einer Stelle mit bis zu 30 Jahren an, an anderer mit etwa 25 Jahren. Moderne Marker erlauben es, Resistenzgene schon wenige Monate nach der Keimung zu erkennen, was die Züchtung um viele Jahre beschleunigt.

Die Quelle der wertvollen Eigenschaften ist die Genbank. Im Rebsortiment am Geilweilerhof werden nach Angaben des Instituts über 3.000 Rebsorten und Wildarten sowie Zuchtstämme erhalten, darunter alte, vernachlässigte Sorten aus dem deutschsprachigen Raum und seltene osteuropäische Kelter- und Tafeltrauben. Mehr als die Hälfte der Sorten trägt Resistenzen gegen Mehltaupilze. Über 6.000 genetische Fingerabdrücke von Rebsorten und Wildarten liegen in der Datenbank. Bei etwa zehn Prozent der geprüften Sorten stellte sich heraus, dass es Synonyme, Homonyme oder Bezeichnungsirrtümer waren. Das Institut koordiniert die Rebsammlungen der Deutschen Genbank Reben.

Aus der Sammlung entstehen auch Weine: Die Cuvées „Vielfalt“ bestehen laut JKI aus jeweils mehreren hundert Rebsorten des Genbanksortiments und gehören zu den größten Cuvées der Welt. Zum Weinverkauf gehören außerdem Weine aus Zuchtlinien, die noch keinen Sortenschutz haben und kryptische Namen wie Gf.Ga-52-42 tragen. Wie Weinlagen und Jahrgänge in der Pfalz sonst zusammenhängen, erklärt die Seite Weinanbaugebiet Pfalz in Zahlen.

Was ist an der Simultankirche St. Quintin besonders?

Die Kirche wird von beiden Konfessionen genutzt: Seit 1689 ist sie Simultankirche, die Katholiken erhielten den Chorraum im Turm, die Reformierten das Langhaus. Die frühgotische Chorturmanlage entstand 1309, als die Kirchengemeinde, bis dahin Filiale von Godramstein, zur Pfarrgemeinde erhoben wurde. Ab 1556 wurde der Ort mit der Kurpfalz protestantisch, ab 1659 bestand mit Unterbrechung eine selbstständige reformierte Pfarrei. Als die Kirche protestantisch wurde, trennte man den Chor im Turm mit einer Bretterwand ab und nutzte ihn als Läutraum; der eigens gebrochene Glöckner-Eingang trägt die Jahreszahl 1571.

Im Inneren führt ein spitzbogiger Chorbogen vom quadratischen Chor mit Kreuzrippengewölbe in das Langhaus. Den runden Schlussstein ziert ein Relief mit dem Lamm Gottes. Die umlaufende Empore ruht auf sechs Holzsäulen, eine davon trägt die Jahreszahl 1600. Aus dem Mittelalter blieben eine leere Heiliggrabnische und ein im 15. Jahrhundert entstandenes Wandgemälde erhalten, das einen Mönch mit T-förmigem Stab und Buch zeigt; es wurde 1964 freigelegt. Der Hochaltar von 1758/59 geht auf einen Entwurf des Landauer Bildschnitzers Michael Geiger zurück, die Schreinerarbeit machte ein Schreiner aus Albersweiler.

Auffällig ist der Turm. Den charakteristischen Turmhelm erhielt er 1817; wegen zu frischen Holzes neigte er sich und drehte sich in sich. Die erste bekannte Glocke stammt von 1743, 1950 kam der vierte Glockensatz auf den Turm. Mehr zu Simultankirchen und Konfessionen in der Region steht auf der Seite Religion und Kirchen in der Pfalz.

Was gibt es in Siebeldingen zu sehen, zu feiern und zu probieren?

Das Ortsbild zeigt die Gemeinde in ihrer Festschrift zum 800-jährigen Dorfjubiläum im Vergleich von früher und heute. Das Schulhaus von 1890 brachte erstmals die protestantische und die katholische Schule unter einem Dach zusammen, im historischen Rathaus sitzen heute Bürgermeister und Bücherei. Das imposante Fachwerkhaus von 1591 an der Queichbrücke war einst Postkartenmotiv und wurde 1954 wegen Baufälligkeit abgerissen. Am 30. April stellt die Gemeinde dort an der Freifläche mit dem Kelterpavillon den Maibaum auf. Das Brückenwaagenhäuschen diente bis 1978, als die Waage stillgelegt wurde.

Im Jahreslauf nennt die Gemeinde drei Feste: Im Juni veranstaltet die Feuerwehr die Siebeldinger Kerwe am Dorfgemeinschaftshaus, im Juli oder August folgt das „Siwweldinger Fassschlubberfeschdl“ der Landjugend mit der Winzerolympiade, und am dritten Septemberwochenende lädt die Kulinarische Weinbergswanderung auf einem Rundweg durch die Gemarkung zu Speisen und Weinen ein. In Rekordjahren kamen nach Gemeindeangabe mehr als 10.000 Besucher an einem Sonntag. Etwa 15 Betriebe bauen laut Gemeinde-Website Trauben an und keltern Wein, einige davon sind bei Prämierungen und im Gault Millau vertreten. Aktuelle Termine meldet die Gemeinde selbst. Wer Wanderungen sucht, kann die Seite Weinwanderungen nutzen; die Stadt in der Nähe ist Landau in der Pfalz.

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Häufige Fragen zu Siebeldingen

Wo liegt Siebeldingen?

Im Queichtal der Südlichen Weinstraße zwischen Annweiler und Landau, in der Verbandsgemeinde Landau-Land. Der Geilweilerhof erhebt sich auf einem Hügel nördlich des Ortes.

Kann man den Geilweilerhof besichtigen?

Zum Jubiläumsjahr 2026 hat das JKI Führungen, Weinproben, eine Ausstellung im Herrenhaus und einen Rebenlehrpfad angekündigt. Die Termine veröffentlicht das Institut auf seiner Seite „100 Jahre Geilweilerhof“; für einzelne Veranstaltungen ist eine Anmeldung nötig.

Kann man die Weine des Instituts kaufen?

Ja. Das JKI bietet Weine, Cuvées und Sekte aus eigenen Neuzüchtungen an. Die Preisliste und den Bestellweg nennt das Institut auf seiner Seite zum Weinverkauf.

Was bedeutet PIWI?

Die Abkürzung steht für pilzwiderstandsfähige Rebsorten. Sie besitzen Resistenzen gegen Pilzkrankheiten wie Echten und Falschen Mehltau und brauchen deshalb weniger Pflanzenschutz.

Seit wann ist die Kirche eine Simultankirche?

Seit 1689. Die Katholiken nutzen den Chorraum im Turm, die Reformierten das Langhaus.

Passend dazu: Wie die Dörfer am Haardtrand ihren Wald gemeinsam nutzten, beschreibt die Seite Haingeraiden im Pfälzerwald.

Quellen: Ortsgemeinde Siebeldingen; Ortsgemeinde Siebeldingen: Simultankirche; Ortsgemeinde Siebeldingen: Siebeldingen so gesehen; JKI: 100 Jahre Geilweilerhof; JKI: Genetische Ressourcen; JKI: Züchtung widerstandsfähiger Sorten; JKI: Weinverkauf; JKI-Pressemitteilung zum Festkolloquium (Mai 2026) und zur Verabschiedung von Reinhard Töpfer (April 2024). Stand: Oktober 2026.