Städte & Orte
St. Martin: Weindorf unter der Kropsburg
Fachwerk, Adelshöfe und Weinberge am Fuß von Hochberg und Kalmit

Kurz gesagt
St. Martin ist ein Weindorf mit rund 1.650 Einwohnern an der Südlichen Weinstraße zwischen Maikammer und Edenkoben. Der Ortskern mit Fachwerkhäusern, Adelshöfen und der spätgotischen Kirche St. Martin steht seit 1981 unter Denkmalschutz. Über dem Dorf liegt die Kropsburg, darüber beginnt der Pfälzerwald mit Wegen zur Kalmit und zu mehreren Hütten.
Wo liegt St. Martin?
St. Martin liegt in einer langgestreckten Talfalte am Ostrand der Haardt, des Gebirgsrands des Pfälzerwalds, im Norden des Landkreises Südliche Weinstraße. Durch den Ort fließt der Kropsbach, der im Wald entspringt und im Dorf über ein Stück wieder offen liegt. Nördlich erhebt sich die Kalmit, mit 673 Metern der höchste Berg des Pfälzerwalds, die schon zur Gemarkung von Maikammer gehört. Südlich steigt der rund 635 Meter hohe Hochberg an. Nach Osten öffnet sich der Blick über Weinberge in die Rheinebene.
Die Nachbarorte liegen nah: Maikammer schließt im Norden an, Edenkoben wenige Kilometer südlich. St. Martin gehört zur Verbandsgemeinde Maikammer, deren kleinste Ortsgemeinde es ist. Die Deutsche Weinstraße streift das Dorf am östlichen Rand; der historische Kern liegt etwas abseits davon am Hang. Auf Pfälzisch heißt der Ort „Made“.
Urkundlich erwähnt wird St. Martin erstmals 1149, besiedelt war die Gegend aber schon in römischer Zeit. Bis zum Ende des 18. Jahrhunderts gehörte das Dorf zum Hochstift Speyer und war dem Oberamt Kirrweiler unterstellt; danach teilte es die Geschichte der Pfalz mit französischer und bayerischer Zeit. Den Namen gibt der heilige Martin von Tours, Patron der Kirche und des Orts.
Was macht den Ortskern sehenswert?
Sehenswert ist vor allem das geschlossene Ensemble: schmale Gassen, Fachwerk und Sandstein, Winzerhöfe mit Torbögen und Adelssitze aus der Zeit, als hier Familien wie die Kämmerer von Worms, genannt von Dalberg, und die Hund von Saulheim Besitz hatten. Der historische Ortskern steht seit 1981 als Denkmalzone unter Schutz, dazu kommen mehrere Dutzend Einzeldenkmäler.
- Katholische Kirche St. Martin: Sie steht nach Angaben der Tourist-Information an der Stelle einer Holzkirche aus der Zeit um 700, die um 1200 einem Steinbau wich. Der Turm kam 1488 hinzu, der Chor 1492. In der Kirche steht das Grabmal Johanns XXII. Kämmerer von Worms, des Herrn der Kropsburg, und seiner Frau Barbara von Flersheim. Auf der Empore stehen sehr alte Kirchenbänke aus dem Spätmittelalter.
- Altes Schlössel: Den Adelssitz ließ die Familie Hund von Saulheim im frühen 17. Jahrhundert errichten; er wird heute privat genutzt.
- Bibelgarten: Rund um die Kirche wachsen seit 1999 Pflanzen, die in der Bibel vorkommen, etwa Granatapfel, Ölbaum, Tamariske und Weinstock.
- Dichterhain: Der Verkehrsverein legte 1929 im Schwalbenfelsen oberhalb des Dorfs Reliefs zu Ehren dreier Pfälzer Dichter an; die Felsgruppe ist als Naturdenkmal geschützt.
- Alte Kellerei: Im historischen Gebäude an der Kellereistraße sitzt die Tourist-Information; hier finden auch Märkte statt.

Ein Rundgang durch das Dorf dauert ohne Einkehr kaum eine Stunde. Die Tourist-Information bietet in der Saison Dorf- und Weinbergführungen an; Termine und Preise stehen auf ihrer Seite.
Was ist die Kropsburg?
Die Kropsburg ist eine mittelalterliche Burg auf einem Vorhügel des Hochbergs südlich des Dorfs, auf rund 330 Metern Höhe. Sie entstand um 1200 in staufischer Zeit, gehörte später dem Hochstift Speyer und wurde an verschiedene Adelsfamilien verliehen. Ab dem 14. Jahrhundert erwarben die Kämmerer von Worms, später von Dalberg genannt, die Burg Stück für Stück. 1689 zerstörten französische Truppen im Pfälzischen Erbfolgekrieg die Anlage; 1771 ließ ein Nachfahre der Dalberger auf den Trümmern der Unterburg ein Herrenhaus bauen.
Die Burg ist heute in Privatbesitz und innen nicht zu besichtigen. Zugänglich ist die Gaststätte in der Vorburg, die für ihre Aussicht über die Rheinebene bekannt ist. Mit dem Auto erreicht man die Burg nur von Edenkoben aus über eine Kreisstraße, von St. Martin führt ein Fußweg hinauf. Zwischen Kropsburg und dem Ottilienberg verläuft ein Kreuzweg mit einer Kreuzigungsgruppe von 1755.
Was zeichnet den Wein von St. Martin aus?
Der Wein ist bis heute der wichtigste Wirtschaftszweig. Die Tourist-Information nennt rund 260 Hektar Rebfläche und 21 Weinbaubetriebe, viele davon Familienbetriebe mit Hofverkauf. Die Weinberge gehören zu den Einzellagen Baron und Kirchberg, beide Teil der Großlage Schloß Ludwigshöhe. Weithin sichtbar ist der St. Martiner Wingertsberg über dem Ort, der 2012 querterrassiert und neu bepflanzt wurde. Wingert ist das pfälzische Wort für Weinberg.
Wer verstehen will, was im Glas landet, geht den Wein- und Steinlehrpfad oberhalb des Dorfs. Auf rund 1,5 Kilometern asphaltiertem Weg stellen Tafeln 18 Rebsorten vor und ordnen jeder ein Gestein zu; weitere Tafeln erklären den Zusammenhang von Boden und Wein. Von April bis Oktober bietet die Tourist-Information dort wöchentlich Weinbergführungen an. Neben Weingütern gibt es Weinstuben und saisonal geöffnete Straußwirtschaften, also Ausschänke von Winzern in ihren Höfen.
Welche Feste feiert St. Martin?
Die Hauptfeste sind die Weinkerwe im Sommer und das Martinus-Weinfest im November, das die Weinfestsaison in der Pfalz beschließt. Kerwe ist die Pfälzer Kirchweih, ein Dorffest mit Ausschank und Buden.
| Fest | Regel | Nächster bekannter Termin |
|---|---|---|
| Nacht der offenen Weinkeller | alle zwei Jahre im Frühjahr | Samstag, 3. April 2027 |
| St. Martiner WeinWeg am Lehrpfad | jährlich ein Wochenende im Juni | angekündigt für 11./12. Juni 2027 |
| Weinkerwe im Ortskern | Freitag bis Montag um den ersten Augustsonntag | ab Freitag, 30. Juli 2027 |
| Martinus-Weinfest | ein Wochenende Anfang November | 2026: 6. bis 8. November |
| Weihnachtsmarkt an der Alten Kellerei | erste drei Adventswochenenden | 2026: 28./29. November, 5./6. und 12./13. Dezember |
Die Termine stammen von der Tourist-Information St. Martin (Stand: 22. Oktober 2026). Bei der Nacht der offenen Weinkeller schenken die teilnehmenden Weingüter nach Angaben der Tourist-Information je bis zu sechs Weine aus; Glas und Eintrittskarte gibt es bei den Winzern, einen Vorverkauf gibt es nicht, und bezahlt wird bar. Beim WeinWeg stehen die Stände entlang des Lehrpfads in den Weinbergen, mit rund 60 Weinen aus 25 Rebsorten. Am 11. November begeht das Dorf außerdem den Martinstag mit Laternenumzug und Martinsspiel, am Tag darauf führt eine Wallfahrt zur Kirche. Zur Weinkerwe gehört am Montag eine Kerwewanderung in das „Kerwetälchen“ im Kleyental. Wann im Rest der Pfalz gefeiert wird, zeigt der Weinfest-Kalender.
Wie kommt man hin, und wohin führen die Wanderwege?
Mit dem Bus: Die Linien 500 und 501 halten an der Haltestelle „St. Martin, Ort“ in der Maikammerer Straße und fahren nach Neustadt an der Weinstraße und nach Landau. Die nächsten Bahnhöfe sind Maikammer-Kirrweiler, rund vier Kilometer entfernt, und Edenkoben, rund fünf Kilometer. Für Reisebusse gibt es einen Parkplatz an der Edenkobener Straße. In St. Martin beginnt die Totenkopfstraße, die als Landesstraße 514 westwärts in den Pfälzerwald führt.
Wanderer erreichen vom Dorf aus mehrere Ziele im Wald. Der Pfälzer Weinsteig führt durch die Waldgemarkung, der Pfälzer Keschdeweg durch den Ort. Ein Rundweg von 9,5 Kilometern führt auf den Hochberg mit dem „Steinernen Köppel“, einer Steinpyramide unbekannter Herkunft auf dem Gipfel. Zur Kalmit sind es einige Kilometer und rund 450 Höhenmeter. Unterwegs liegen Hütten wie das Haus an den Fichten des Pfälzerwald-Vereins, die St.-Anna-Hütte und die Totenkopfhütte. Sie werden meist ehrenamtlich bewirtschaftet; die Öffnungstage wechseln und stehen beim Pfälzerwald-Verein und im Hüttenflyer der Tourist-Information.
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Häufige Fragen zu St. Martin
Ist St. Martin ein Kurort?
St. Martin bezeichnet sich als Wein- und Luftkurort. Eine Therme oder Kureinrichtungen wie in Bad Bergzabern oder Bad Dürkheim gibt es nicht; der Ort lebt vom Wein, vom Wandern und von der Gastronomie.
Kann man von St. Martin auf die Kalmit wandern?
Ja, die Kalmit liegt nördlich des Dorfs und ist auf markierten Wegen in einer Halbtagestour erreichbar. Der Weg ist durchgehend bergauf; festes Schuhwerk und Wasser gehören in den Rucksack. Eine eigene Seite zur Kalmit folgt auf diesem Portal später.
Wie viele Gäste kommen nach St. Martin?
Die Tourist-Information nennt rund 153.000 Übernachtungen im Jahr und etwa 95 Beherbergungsbetriebe. Für ein Dorf dieser Größe ist das viel, entsprechend gut ist das Angebot an Gastronomie und Unterkünften.
Wann ist die beste Zeit für einen Besuch?
Im Frühjahr zur Mandelblüte und im Herbst zur Lese zeigt sich die Landschaft von ihrer schönsten Seite, ist aber auch am vollsten. Der Sommer bringt die Weinkerwe, der November das Martinus-Weinfest und die ersten Adventsmärkte.
Quellen: Tourist-Information St. Martin: Ortsporträt; Tourist-Information St. Martin: Ruine Kropsburg; Tourist-Information St. Martin: Feste und Märkte; Pfalz.Touristik: St. Martin; Pfälzerwald-Verein; Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Bevölkerungsfortschreibung; Wikipedia: Sankt Martin (Pfalz). Stand: Oktober 2026.