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Ungstein: Denkmalzone Ortskern, römisches Landgut und leiningischer Zehnthof

Weindorf im Nordosten von Bad Dürkheim mit Denkmalzone Ortskern, römischen Spuren am Weilberg, Kirche von 1715 und den Bauten des leiningischen Zehnthofs

Stand: · 8 Min. LesezeitTermine geprüft am Denkmalzone · Römer am Weilberg

Weinberghang im Frühsommer mit frischem grünem Laub, bewaldeter Höhenzug dahinter im blauen Licht, mächtige Wolken
Weinberge Weinberge im Frühsommer. Symbolbild

Kurz gesagt

Ungstein ist ein Weindorf am Haardtrand und Stadtteil von Bad Dürkheim im Nordosten der Stadt. Die Denkmalliste des Landes führt den Ortskern als Denkmalzone: dicht gereihte Haken- und Dreiseithöfe, ein Scheunenkranz und Bausubstanz aus dem 18. und 19. Jahrhundert. Mauerreste einer spätrömischen Wehranlage mit Gräberfeld und eines ausgedehnten römischen Landgutes am Weilberg belegen, dass hier schon vor fast zwei Jahrtausenden gesiedelt und gewirtschaftet wurde. Ein spätbarockes Amtshaus von 1753 und die Reste der leiningischen Zehntscheune erinnern an die Zeit der Grafen von Leiningen.

Wo liegt Ungstein?

Ungstein liegt am Fuß der Haardt im Nordosten von Bad Dürkheim und gehört als Stadtteil zur Kreisstadt. Nördlich liegt Kallstadt. Beide Dörfer gehören zur Mittelhaardt, dem Kernstück des Weinbaugebietes an der Deutschen Weinstraße. Den Gebirgsrand beschreibt die Seite Haardt.

Zum Ortskern gehören die Straßen An der Kirche, Kirchstraße, Schulstraße, Brunnengasse, Waldgasse, Weinstraße und Wormser Straße. Sie bilden zusammen die Denkmalzone, die im nächsten Abschnitt beschrieben wird.

Was zeigt der Ortskern als Denkmalzone?

Die Denkmalliste beschreibt den Ortskern als Siedlungskern, wie er sich vom Spätmittelalter bis zum 19. Jahrhundert entwickelt hat. Seine Merkmale sind dicht gereihte Haken- und Dreiseithöfe, ein Scheunenkranz am Rand des Kerns, Bausubstanz des 18. und 19. Jahrhunderts und bauliche Reste aus der Zeit vor der Pfalzzerstörung. Mit der Pfalzzerstörung ist die Verwüstung der Pfalz im Pfälzischen Erbfolgekrieg Ende des 17. Jahrhunderts gemeint, nach der viele Dörfer neu aufgebaut werden mussten. Zum Hintergrund dieser Zeit dient die Seite Kurpfalz.

Ein Hakenhof ist ein Hof, dessen Gebäude einen rechten Winkel bilden; ein Dreiseithof schließt den Hof auf drei Seiten ein, mit Wohnhaus, Scheune und Stall. Der Scheunenkranz entsteht, wenn die Scheunen am Dorfrand hintereinander aufgereiht stehen und das Dorf wie ein Gürtel umgeben.

Welche Spuren hinterließen die Römer?

Gleich zwei Denkmalzonen der Gemarkung gehören der Römerzeit an. Im Dorf liegen an der Kirchstraße 19 bis 25 sowie an der Weinstraße 66, 68 und 72 geringe Mauerreste einer spätrömischen Wehranlage, eines Burgus, einschließlich des dazugehörigen Gräberfeldes. Ein Burgus ist ein kleiner befestigter Wachturm der Spätantike.

Nördlich des Ortes, am Südabhang des Weilbergs, liegen die Mauerreste eines ausgedehnten römischen Landgutes, deren Bau in den Anfang des 2. Jahrhunderts datiert. Ein solches Landgut, in der Fachsprache eine Villa rustica, war ein großer landwirtschaftlicher Betrieb mit Wohngebäude, Wirtschaftsbauten und Land. Der Weinbau in der Region reicht bis in die römische Zeit zurück; die Seite Weinbaugeschichte der Pfalz ordnet das ein. Allgemein zur Römerzeit in der Region gibt die Seite Römer in der Pfalz einen Überblick. Der Hang trägt den Namen Weilberg.

Mohn und Kornblumen am Rand eines Weinbergs im warmen Sommerlicht
Mohnblumen Mohn am Weinberg. Symbolbild

Wie sieht die protestantische Kirche aus?

Die protestantische Pfarrkirche in der Kirchstraße 29 ist ein spätbarocker Saalbau mit einem mächtigen Glockenturm, bezeichnet 1715. Zum geschützten Bestand gehört auch die Ausstattung. Nördlich der Kirche erinnert ein Kriegerdenkmal aus Sandstein an die Gefallenen von 1870/71, 1914/18 und 1939/45; es wurde 1957 von dem Bildhauer Franz Lind aus Freinsheim geschaffen. Die Konfessionen der Pfalz und ihre Geschichte erklärt die Seite Religion.

Ein Saalbau ist eine Kirche mit einem einzigen Raum, in dem Gemeinde und Altar unter einem Dach versammelt sind.

Was erzählen die Höfe der Kirchstraße?

An der Kirchstraße stehen mehrere Häuser mit Jahreszahlen, die das Alter des Dorfes sichtbar machen. Die Nummer 16 ist ein Wohnhaus, teils in Fachwerk, bezeichnet 1598, das im 18. Jahrhundert spätbarock überformt wurde und das Straßenbild prägt. Die Nummer 12 ist ein barocker Mansardwalmdachbau, ebenfalls teils in Fachwerk, im Kern aus dem 16. oder 17. Jahrhundert, mit einer Toranlage der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts und einem Bogen zum Hof um 1600. Die Nummer 14 ist ein spätbarocker Putzbau mit einer Torfahrt von 1780. Vor der Nummer 17 steht ein Torpfosten mit der Jahreszahl 1594.

Das ehemalige Schulhaus an der Kirchstraße 22 ist ein Walmdachbau von 1836/37. Das ehemalige Rathaus an der Weinstraße 54 ist ein großvolumiger Putzbau mit Krüppelwalmdach von 1856.

Was war der leiningische Zehnthof?

Mehrere Bauten an der Weinstraße erinnern an die Herrschaft der Grafen von Leiningen, deren Haus das ganze Umland prägte (siehe Leiningerland). Der Zehnte war die Abgabe von einem Zehntel der Ernte, die die Bauern und Winzer an den Herrn leisteten. In Ungstein sammelte ihn der leiningische Zehnthof. An der Weinstraße 67 ist das Türgewände der ehemaligen leiningischen Zehntscheune erhalten, mit spätgotischen und barocken Motiven, bezeichnet 1719.

Das Wohnhaus der Amtsleute des Zehnthofs ist das ehemalige gräflich-leiningische Amtshaus oder Zehnthaus an der Weinstraße 75, ein spätbarocker Krüppelwalmdachbau, bezeichnet 1753, mit Toranlage, der das Straßenbild prägt. Daneben liegt in den Nummern 71 und 73 ein barocker Vierseithof um 1750, das ehemalige Anwesen von Verwandten der Grafen von Leiningen. Das Herrenhaus Nummer 73 ist ein L-förmiger Mansardsatteldachbau, der in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts umgebaut wurde; das Gesindehaus Nummer 71 ist ein Mansardwalmdachbau mit einer Erweiterung um 1850. Wirtschaftsgebäude und Hofpflaster gehören dem 18. Jahrhundert an.

Nahaufnahme einer reifen roten Traube mit Morgentau am Rebstock, unscharfer Weinberg dahinter
Trauben Traube mit Morgentau. Symbolbild

Welche Winzerhöfe prägen die Weinstraße?

An der Weinstraße stehen mehrere Winzerhöfe. An der Nummer 46 und 48 liegt ein ehemaliger Bauernhof, eine ausgedehnte Hofanlage des 18. und 19. Jahrhunderts; Nummer 50 daneben ist ein spätbarocker Putzbau mit einem Hofeingang, der 1686 bezeichnet ist und als Spolie, also als wiederverwendetes Bauteil, eingebaut wurde. Die Nummer 49 ist eine spätbarocke Hofanlage mit verputzten Fachwerkgiebeln, einer Bruchsteinscheune und einem Schuppen. Die Nummer 55 ist ein eineinhalbgeschossiger spätbarocker Putzbau mit einer Toranlage von 1741. Die Nummer 74 ist ein Mansardsatteldachbau von 1766.

Mehrere Tore sind erhalten. An den Nummern 37, 52 und 69 stehen Torfahrten mit Mannpforten aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts; an der Nummer 51 ist der Flügel einer Toranlage aus Guss- und Schmiedeeisen von 1888 erhalten. Die Torfahrt ist die überbaute Einfahrt in den Hof, durch die früher Fuhrwerke und Weinfässer fuhren; die Mannpforte ist die kleine Tür neben dem Tor, durch die ein Mensch ein- und ausgehen konnte, ohne das große Tor zu öffnen. Die Nummer 53 ist ein eingeschossiges spätbarockes Hochkellerhaus mit einer Torfahrt um 1600. Ein Hochkeller ist ein Keller, der zur Hälfte aus dem Boden ragt und von der Straße aus über wenige Stufen zugänglich ist; dort lagerten Wein und Vorräte.

Welche Winzerhäuser stehen in der Wormser Straße?

In der Wormser Straße stehen Häuser mit datierten Bauteilen des 17. und frühen 18. Jahrhunderts. Die Nummer 3 ist ein eingeschossiges spätbarockes Winzerwohnhaus, dessen Hochkeller mit 1611 bezeichnet ist; die Torfahrt entstand um 1600, der Fachwerküberbau in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die Nummer 4 ist ein eingeschossiges spätbarockes Hochkellerhaus von 1717 mit einer Erweiterung von 1748. Die Nummer 5 zeigt eine Torfahrt mit einem Keilstein mit Wappen um 1600, verändert 1738. Die Nummer 9 ist ein spätbarockes Wohnhaus, teils in verputztem Fachwerk, bezeichnet 1738, mit einem Hochkeller auf der Rückseite. Ein Schlussstein einer ehemaligen Torfahrt an der Nummer 15 trägt die Zahl 1599.

Die Nummer 32 ist eine Hofanlage des 17. und 18. Jahrhunderts mit einem L-förmigen Wohnhaus, das teilweise Zierfachwerk trägt und im Kern um 1600 entstanden ist. Dachstuhl, Eindeckung und Wirtschaftsgebäude gehören dem 18. Jahrhundert an; die Hofmauer hat eine Renaissance-Torfahrt um 1600, die Gartenpforte ist mit 1685 bezeichnet.

Wie lesen Sie Jahreszahlen an Toren und Kellern?

Die Denkmalliste verwendet Fachwörter, die man beim Gang durch das Dorf wiedererkennt. „Bezeichnet“ heißt, dass eine Jahreszahl am Bau selbst eingemeißelt oder aufgemalt ist, etwa über einer Torfahrt, auf einem Türsturz oder an einem Kellergewände. Ein Schlussstein ist der Stein im Scheitel eines Rundbogens, ein Keilstein einer der keilförmigen Steine, aus denen der Bogen besteht; beide tragen oft Wappen, Hauszeichen oder Jahreszahlen. Ein Wappenstein ist ein eigener Stein mit Wappen, der in eine Mauer eingesetzt wurde. „Im Kern“ bedeutet, dass hinter späteren Umbauten ein älterer Bau erhalten ist, und „um 1600“ bezeichnet die Zeit, in der die Formen entstanden, wenn kein Jahr am Haus steht.

Wer in Ungstein von der Kirche über die Kirchstraße zur Weinstraße und weiter in die Wormser Straße geht, begegnet damit Zahlen von 1594 bis 1888. Sie reichen vom Renaissancetor über die Barockhöfe bis zum gusseisernen Tor des 19. Jahrhunderts und machen die Entwicklung des Dorfes sichtbar, ohne dass ein Schild nötig wäre.

Was gibt es heute zu erleben?

Ungstein ist ein Weindorf. Welche Rebsorten und Lagen in der Region wachsen, erklären die Seiten Rebsorten und Weinlagen; die bekannteste Weißweinrebe der Pfalz beschreibt die Seite Riesling. Straußwirtschaften der Gegend stellt die Seite Straußwirtschaften vor, Weinfeste die Seite Weinfeste. Für Spaziergänge durch die Reben bietet sich die Seite Weinwanderungen an, für Radfahrer der Radweg Deutsche Weinstraße.

Wer den Ortskern erkunden möchte, beginnt an der Kirche, folgt der Kirchstraße zur Weinstraße und biegt in die Wormser Straße ein. Die Denkmalzonen der Römerzeit liegen im Dorf selbst und am Weilberg nördlich davon. Wer mehr über die Stadt erfahren möchte, findet auf der Seite Bad Dürkheim Stadtmuseum und Wurstmarkt.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

  • Weingut & Gästezimmer

    Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.

    Übernachten beim Winzer
  • Hotel & Ferienwohnung

    Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.

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  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

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Häufige Fragen zu Ungstein

Zu welcher Stadt gehört Ungstein?

Ungstein ist ein Stadtteil von Bad Dürkheim im Landkreis Bad Dürkheim.

Was ist die Denkmalzone im Ortskern?

Ein Siedlungskern mit Haken- und Dreiseithöfen, Scheunenkranz und Bausubstanz des 18. und 19. Jahrhunderts, der sich vom Spätmittelalter bis ins 19. Jahrhundert entwickelt hat.

Was ist von den Römern erhalten?

Geringe Mauerreste einer spätrömischen Wehranlage mit Gräberfeld im Dorf und Mauerreste eines ausgedehnten römischen Landgutes am Südabhang des Weilbergs.

Wann entstand die protestantische Kirche?

Der spätbarocke Saalbau mit mächtigem Glockenturm ist 1715 bezeichnet.

Was war die leiningische Zehntscheune?

Eine Scheune, in der die Abgaben an die Grafen von Leiningen gelagert wurden; ihr Türgewände mit der Jahreszahl 1719 ist an der Weinstraße 67 erhalten.

Welches Haus war das Amtshaus der Grafen?

Das ehemalige gräflich-leiningische Amtshaus an der Weinstraße 75, ein spätbarocker Krüppelwalmdachbau von 1753.

Quellen: GDKE Rheinland-Pfalz: Denkmalverzeichnis Landkreis Bad Dürkheim. Stand: November 2026.