Pfalz.info

Bereiche · entlang der Route

  1. Wein & Weinstraße
  2. Wandern & Pfälzerwald
  3. Burgen & Felsen
  4. Städte & Orte
  5. Camping & Unterkünfte
  6. Feste & Kulinarik
  7. Reiseplanung
  8. Land & Leute

km 0 Bockenheim Schweigen km 85

Wandern & Pfälzerwald

Rittersteine im Pfälzerwald: Geschichte, Themen und besondere Steine

Beschriftete Sandsteinblöcke des Pfälzerwald-Vereins an Quellen, Altstraßen, Gruben und Schlachtfeldern

Stand: · 9 Min. LesezeitTermine geprüft am seit 1910 · Kürzel P.W.V.

Großer bemooster Sandsteinfindling mit gelb nachgezogenem Schriftfeld an einer Wegkreuzung im Buchenwald, Herbstlaub, Sonnenlicht
Rittersteine Sandsteinfindling am Wegrand. Symbolbild

Kurz gesagt

Rittersteine sind beschriftete Sandsteinblöcke des Pfälzerwald-Vereins, die an Brunnen, Wegen, Gruben, Schlachtfeldern und untergegangenen Höfen stehen. Daniel Häberle regte sie 1910 an, Karl Albrecht von Ritter ließ die ersten aufstellen, der Name gilt seit 1912. Bis 1914 standen über 200 Steine; heute sind es mehr als 300 mit gelb nachgezogener Inschrift und dem Kürzel P.W.V.

Was ist ein Ritterstein?

Ein Ritterstein ist ein Gedenk- oder Hinweisstein im Pfälzerwald. Meist handelt es sich um einen Sandsteinfindling mit eingemeißelter, gelb ausgemalter Inschrift und dem Kürzel „P.W.V.“ für den Pfälzerwald-Verein. Etwa 270 Steine sind klassische Findlinge, rund 20 sind Teil eines Felsens und rund 20 Teil eines Bauwerks, etwa der Schlussstein eines Stolleneingangs. Der größte, der Innungsstein, misst über zwei Meter. Wanderer finden die Steine an Stellen von geschichtlicher oder naturkundlicher Bedeutung; ein eingravierter Pfeil weist oft die Richtung zum benannten Ziel.

Eitelmann ordnete die Steine nach Themen: Orientierungspunkte, eingegangene Siedlungen, Forst- und Jagdbetrieb, Holzwirtschaft und Holztrift, Industrien im Pfälzerwald sowie Kriegsschauplätze und Schanzen sowie Viehwirtschaft und Wolfsplage. Die Wegzeichen im Pfälzerwald und ihre Karten behandelt die Seite Markierungen und Karten.

Wie entstanden die Rittersteine ab 1910?

Der Pfälzerwald-Verein wurde 1902 und 1903 als Dachverband gegründet. Zu den Gründungsmitgliedern zählten Karl Albrecht von Ritter und Daniel Häberle. Häberle regte 1910 an, Orientierungssteine im Wald aufzustellen. Ritter veranlasste mit den Forstdienststellen die ersten Aufstellungen; 1912 wurde der Begriff „Ritterstein“ eingeführt, benannt nach ihm. Als der Erste Weltkrieg die Arbeit 1914 stoppte, standen mehr als 200 Steine.

Eine erste Liste erschien 1912 im Mitteilungsblatt des Vereins, 1916 folgte eine zweite mit 144 erfassten Steinen. Walter Eitelmann (1922 bis 2009) dokumentierte ab 1967 die Steine und entwickelte die numerische und inhaltliche Systematik. Sein Buch erschien 1972 und lag 1998 sowie 2005 in neuen Auflagen vor, die letzte unter dem Titel „Rittersteine im Pfälzerwald. Eine steinerne Geschichtsschreibung“. 1980 beschloss der Verein, 100 weitere Steine zu setzen; 1994 entschied der Vorstand, keine weiteren Rittersteine auszuweisen.

Wo wurde Karl Albrecht von Ritter geboren?

Ritter kam am 10. März 1836 im Stiftswalder Forsthaus bei Kaiserslautern zur Welt. Er wurde Oberforstrat und Regierungsdirektor und war erster, später Ehrenvorsitzender des Pfälzerwald-Vereins. Das Forsthaus der Revierförsterei Entersweiler entstand 1813 unter französischer Verwaltung nach Plänen von Franz Daniel Rettig und stand rund 200 Meter südlich der ehemaligen Entersweilermühle im Hungerbrunnental. 1830 kaufte die Forstverwaltung das Grundstück von der Stadt Kaiserslautern, 1848 wurde das Haus wegen baulicher und sanitärer Mängel abgerissen. Ein aufrecht stehender Sandsteinfindling mit der Inschrift „Geburtsstätte des Reg. Dir. v. Ritter 1836“ steht neben der Ruine des Elternhauses.

In den Sandstein eingeschnittener Hohlweg im Wald mit tiefen Wagenspuren im Felsboden, Farne und Buchen, weiches Licht
Altstraße Hohlweg mit Spurrillen. Symbolbild

Welche Steine dienen der Orientierung?

Östlich von Eppenbrunn an der Landesstraße Richtung Ludwigswinkel markiert der Ritterstein „Wasserscheide Rhein–Mosel“ die große pfälzische Wasserscheide. Sie verläuft von Süden nach Norden durch den Pfälzerwald bis zum Donnersberg, unter anderem über Erlenkopf, Weißenberg, Eschkopf, Johanniskreuz, den Heiligenberg bei Hochspeyer und den Donnersberg. Östlich fließen Sauer, Wieslauter, Otterbach, Erlenbach, Klingbach und Speyerbach in den Rhein. Westlich fließen Hornbach, Rodalb und Moosalb in die Blies, die über die Saar in die Mosel mündet.

Bei Merzalben zeigt ein Stein den Ursprung der Wieslauter an, eine mit Sandsteinen gefasste Quelle im oberen Wieslautergrund auf dem Gebiet des ehemaligen Wieslauterhofes. Seine Inschrift ist nicht in den Stein gemeißelt, sondern auf drei aufgesetzten Kartuschen angebracht. Ab der Siebenteilbrücke bildet die Wieslauter die Grenze, bei St. Germanshof erreicht sie Frankreich und heißt dort Lauter, die bis Weißenburg im Elsass fließt.

Auch die Altstraßen sind markiert. Der Stein „Spurrillen-Damm“ nördlich von Hauenstein an der Kreisstraße 56 steht in einer Felswand. Im Hohlweg sind Wagenspuren zu sehen, die sich in den felsigen Untergrund eingegraben haben. Er gehört zur Falkenburger Steige, einer Zubringerstraße zu einer Altstraße aus der Kelten- und Römerzeit, die bis ins Mittelalter genutzt wurde. Die Steige zweigt bei Badischloch ab, führt über Hermersbergerhof und den Eschkopf nach Johanniskreuz und trifft dort auf die Alte Straße.

Welche Steine erinnern an Gerichtsplätze und Grenzen?

Östlich von Frankweiler an der Straße Richtung Nußdorf weist der Stein „Stahlbühl, ehem. Speyergau-Thingstätte“ auf einen früheren Versammlungs- und Gerichtsplatz des fränkischen Speyergaus hin. Dort wurden Angelegenheiten im Freien verhandelt, beraten und Recht gesprochen. Von der Thingstätte selbst ist nichts erhalten, ein eingravierter Pfeil zeigt auf den Stahlbühl. Der Ritterstein „Breite Loog“ bei Lambrecht markiert dagegen eine uralte Waldgrenze, „Loog“ bedeutet Grenze.

Der Innungsstein im Edenkobener Tal ist ein fast dreieckiger Findling aus grauem Sandstein. Er ragt etwa 60 Zentimeter dick aus dem Boden, ist rund drei Meter hoch und liegt hangparallel in einem steilen Talhang, der um 45 Grad geneigt ist. Anders als die meisten Rittersteine wurde er nicht aufgerichtet, sondern in liegender Position beschriftet. Sein Name führt in die Irre: Die Zeichen wurden als Handwerkerzeichen gedeutet, es sind aber Hauszeichen von zwölf Amtspersonen, in drei Feldern mit den Jahreszahlen 1770, 1772 und 1773 und umrahmt von zwölf Geraideäxten, mit denen Bauholz für die Geraidebauern der Haingeraide, einer Waldgenossenschaft, markiert wurde. Zu sehen sind ein Metzgerbeil, ein Küferzeichen, ein Pflug, Brezeln, Stiefel, ein Hufeisen und Winzermesser. Hannes Wilhelm Croissant besaß 1777 eine Bäckerei in Edenkoben.

Was erinnert an untergegangene Siedlungen und Höfe?

Der Stein „Eusserthaler Klostergut“ steht im Vorgarten eines Hauses in Hermersbergerhof. Die Adelige Wiligarta schenkte 828 dem Benediktinerkloster Hornbach große Ländereien, darunter das Gebiet um den Hermersbergerhof. 1163 übergab Abt Gregor das Gebiet, damals Hereboldesberg genannt, mit vier Gutsbezirken an das rund zehn Kilometer entfernte Zisterzienserkloster Eußerthal. Die Mönche errichteten dort ein Spital als Krankenhaus und Erholungsheim für Eußerthaler Mönche. 1467 kam der Hof an Herzog Ludwig I. von Pfalz-Zweibrücken, im Dreißigjährigen Krieg wurde der Ort zerstört. Weitere Höfe des Klostergutes lagen in Maikammer, Annweiler, Neuweiler in Lothringen und Schleithal im Elsass.

Bei Mölschbach erinnert der Stein „Glashütte 1767“ an die älteste von drei Glashütten im Eulental. Der Glasmacher Georg Greyner erhielt 1602 die Erlaubnis, im Falkensteiner Waldgebiet, das zur Burg Wilenstein gehörte, 20 Jahre lang eine Glashütte zu betreiben. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Hütte zerstört und danach wieder aufgebaut, 1767 verließ man sie. Die Gesteinsbrocken am Stein sind kieselsäurereiche Knollen aus Quarz, ein wesentlicher Rohstoff der Glasherstellung.

Bei Merzalben liegt die Stelle einer Schäferei zwischen der Ruine Gräfenstein und dem Vorderen Winschertkopf. Die Leininger bauten hier die Burg, 1556 kam das Gebiet an den Markgrafen von Baden-Rastatt. Untertanen durften zeitweise zwischen dem 19. September und dem 30. November ihre Schweine im Wald weiden lassen. Nach dem Krieg von 1707 bis 1714 ließ der Amtmann der Burg die Schäferei wieder herrichten.

Kleiner Waldweiher mit steinerner Staumauer und Schleuse für die Holztrift, umgeben von Fichten und Buchen, Spiegelung in Herbstfarben
Holztrift Triftweiher im Wald. Symbolbild

Was zeigen die Steine zur Holztrift?

Beim Wanderparkplatz Siebenteilbrücke zwischen Bobenthal und Weißenburg steht der Stein „Trift=Holzhof 1864–1879“. Der ursprüngliche Stein trug die Inschrift „Floßholzhof“ und wurde zwischen 1910 und 1916 aufgestellt; der heutige Stein ersetzt ihn und wurde nach 1916 und vor 1972 gesetzt. Holztrift heißt der ungebundene Transport etwa einen Meter langer Holzscheite in Fließgewässern, vor allem als Brennholz für die waldarme Rheinebene. In der bayerischen Zeit der Pfalz baute der Staat ab 1816 die Triftwooge und Triftbäche aus, offiziell eingestellt wurde die Trift 1906. Holzflößerei mit Baumstämmen gab es im Pfälzerwald nicht.

Bei Merzalben steht auf dem Schlussstein des Stauweihers am Wartenbach die Inschrift „Königswoog“. Der Woog gehörte in frühester Zeit den fränkischen Königen, später ging das Land an die Leininger Grafen und die Herrschaft Gräfenstein. Die Klause zum Aufstauen des Wassers wurde 1824 gebaut. Am Legelbach bei Elmstein entstand 1857 aus einem Schmelzweiher ein Triftwoog. Wo es im Pfälzerwald Erz gab, stehen Steine mit dem Bergmannsgruß „Glückauf“; sie sind auf der Seite Erzbergbau im Pfälzerwald beschrieben.

Welche Steine erinnern an Schlachten?

Rund 20 Steine beziehen sich auf den Ersten Koalitionskrieg 1792 bis 1797, viele davon am Steigerkopf bei Edenkoben: Schanze I bis IV, die Stelle, an der General von Pfau am 13. Juli 1794 fiel, und der Kohlplatz, wo sich ein preußisches Bataillon zurückzog. Die Seite Steigerkopf und Schänzel beschreibt die Kämpfe. Weit älter ist das Ereignis, das der Stein „Hasenbühl, Zweikönigsschlacht am 2. Juli 1298“ in Göllheim festhält, ein 1989 errichteter, aufrecht stehender Sandsteinfindling mit dem Kürzel P.W.V. Der gefallene König Adolf von Nassau wurde zuerst im Kloster Rosenthal bestattet, mehr dazu auf der Seite Kloster Rosenthal.

Was erzählen Steine über Biber und Wölfe?

Ein Ritterstein an der Landesstraße zwischen Bobenthal und Niederschlettenbach trägt die Inschrift „Fundstelle Biberkopf 1902“. Beim Straßenbau fand man in einer Felsspalte des Biberfelsens einen Biberkopf. Das galt als Sensation, denn der Biber in Rheinland-Pfalz war seit etwa 1840 ausgestorben. Der Portzbach und der dichte Wald boten ihm einst idealen Lebensraum. Die Kirche zählte den Biber wegen seines beschuppten Schwanzes zu den Fischen, sein Fleisch war deshalb in der Fastenzeit beliebt. Seit 1976 darf er nicht mehr bejagt werden, Auswilderungsprojekte haben ihn wieder angesiedelt. Der letzte Wolf im Pfälzerwald wurde im Dezember 1906 erlegt.

Eine weitere Fundstelle zeigt der Stein „Hohfels, urgeschichtliche Wohnhöhle 300 m“ nordwestlich von Grünstadt. Die rund 30 Quadratmeter große Höhle im tertiären Kalkriff am Nordhang des Höllenbergs liegt am Wanderweg Deutsche Weinstraße. 1916 fand Friedrich Sprater dort Wildtierknochen, Keramikgefäße und Schmuck. Hinweise gab es auf eine Behausung im Hochmittelalter und eine Bestattung in der Merowingerzeit, im 5. bis 7. Jahrhundert. 1954 entdeckte Karlwerner Kaiser vor dem großen Abri eine Steinklinge, die auf Menschen zwischen etwa 40.000 und 5.000 vor Christus verweist.

Unterkunft & Camping in der Pfalz

Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.

  • Weingut & Gästezimmer

    Viele Weingüter vermieten Zimmer oder Ferienwohnungen, oft mit Weinprobe im Hof.

    Übernachten beim Winzer
  • Hotel & Ferienwohnung

    Bad Dürkheim, Deidesheim, Neustadt, Landau und Bad Bergzabern bieten die größte Auswahl.

    Hotels in der Pfalz
  • Camping & Wohnmobil

    Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.

    Camping in der Pfalz

Hotels in der Pfalz vergleichen Partnerlink zu reise.de

Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.

Häufige Fragen zu den Rittersteinen

Wer hat die Rittersteine erfunden?

Daniel Häberle regte die Orientierungssteine 1910 an. Karl Albrecht von Ritter, der erste Hauptvorsitzende des Pfälzerwald-Vereins, veranlasste die ersten Aufstellungen.

Seit wann heißen sie Rittersteine?

Der Begriff wurde 1912 eingeführt und ist nach Ritter benannt.

Woran erkennt man einen Ritterstein?

An der gelb nachgezogenen Inschrift und dem Kürzel P.W.V. Meist ist es ein Sandsteinfindling, manchmal ein Fels oder Teil eines Bauwerks.

Warum gibt es keine neuen Rittersteine mehr?

1994 beschloss der Vorstand des Pfälzerwald-Vereins, keine weiteren Rittersteine auszuweisen.

Was ist der größte Ritterstein?

Der Innungsstein im Edenkobener Tal ist ein fast dreieckiger Findling von rund drei Metern Kantenlänge mit Hauszeichen von zwölf Personen aus den Jahren 1770 bis 1773.

Passend dazu: Die Orte, an die die Steine der eingegangenen Siedlungen erinnern, von der Glashütte bis zum Amoenenhof, beschreibt die Seite Verschwundene Orte im Pfälzerwald. Die Grenzsteine, die zugleich Rittersteine sind, stellt die Seite Grenzsteine im Pfälzerwald vor. Forsthäuser, Jagdhütten und Hirtenrastplätze sind Thema der Seite Forst, Jagd und Weide im Pfälzerwald.

Passend dazu: Der Ritterstein Nr. 137 am Turm von St. Blasius ist Thema der Seite Kirchturm St. Blasius am Aschbacherhof.

Quellen: KuLaDig: Rittersteine im Pfälzerwald; KuLaDig: Ritterstein Stiftswald; KuLaDig: Ritterstein Wasserscheide Rhein-Mosel; KuLaDig: Ritterstein Wieslauter Ursprung; KuLaDig: Ritterstein Spurrillen-Damm; KuLaDig: Ritterstein Stahlbühl; KuLaDig: Ritterstein Innungsstein; KuLaDig: Ritterstein Eusserthaler Klostergut; KuLaDig: Ritterstein Glashütte 1767; KuLaDig: Ritterstein Schäferei; KuLaDig: Ritterstein Trift=Holzhof; KuLaDig: Ritterstein Königswoog; KuLaDig: Ritterstein Hasenbühl; KuLaDig: Fundstelle Biberkopf 1902; KuLaDig: Ritterstein Hohfels. Stand: November 2026.