Wein & Weinstraße
Scheurebe, Muskateller, Gewürztraminer: die Bukettsorten der Pfalz
Duftige Rebsorten mit kleinen Flächen und großer Wirkung

Kurz gesagt
Bukettsorten sind Rebsorten, deren Trauben schon vor der Gärung ausgeprägte Duftstoffe tragen. In der Pfalz gehören vor allem Gewürztraminer (rund 510 Hektar), Scheurebe (rund 330 Hektar) und Muskateller (rund 180 Hektar) dazu, außerdem Kerner und Huxelrebe. Es sind kleine Flächen mit großer Wirkung: Rose, Cassis oder Muskat steigen schon beim Einschenken auf.
Was sind Bukettsorten und was unterscheidet sie von anderen Rebsorten?
Als Bukettsorten bezeichnet man Rebsorten, deren Wein schon im Glas stark nach der Traube selbst duftet, also nach Rosen, schwarzen Johannisbeeren oder Muskat und nicht in erster Linie nach Hefe, Holz oder Reife. Der Begriff ist ein Sammelname aus der Praxis und keine rechtlich festgelegte Kategorie; welche Sorten man dazuzählt, handhaben Winzer und Weinbücher nicht ganz einheitlich.
Bei vielen anderen Sorten prägen Ausbau, Hefe und Reife den Wein stärker. Bei den Bukettsorten stammt der Duft mehr aus der Beere selbst. Das erklärt zwei Eigenheiten: Die Weine sind jung oft besonders ausdrucksvoll, und sie gelingen nur, wenn die Trauben richtig reif geerntet werden. Zu früh gelesene Scheurebe etwa kann derb und aufdringlich schmecken.
Eine allgemeine Einführung in alle Pfälzer Sorten finden Sie auf der Seite Rebsorten der Pfalz. Hier geht es nur um die duftigen Außenseiter, die in keiner Statistik vorn stehen, aber bei jeder Probe auffallen.
Wie viel Gewürztraminer, Scheurebe und Muskateller wächst in der Pfalz?
Alle Bukettsorten zusammen nehmen nur einen kleinen Teil der Pfälzer Rebfläche ein. Nach dem Rebsortenspiegel der Landwirtschaftskammer standen 2020 auf 23.721 Hektar bestockter Fläche unter anderem 511,5 Hektar Gewürztraminer, 335,3 Hektar Scheurebe, 159,4 Hektar Muskateller und 101,8 Hektar Huxelrebe; Kerner kam auf 696,8 Hektar. Das Deutsche Weininstitut nennt für 2023 etwas andere Werte (siehe Tabelle); die Unterschiede liegen im Stichjahr und in der Erhebung.
| Sorte | Pfalz 2009 | Pfalz 2020 | Anteil 2020 | Pfalz 2023 (DWI) |
|---|---|---|---|---|
| Gewürztraminer | 352,7 ha | 511,5 ha | 2,2 % | 508 ha |
| Scheurebe | 408,4 ha | 335,3 ha | 1,4 % | 328 ha |
| Muskateller | 62,1 ha | 159,4 ha | 0,7 % | 182 ha |
| Huxelrebe | 180,4 ha | 101,8 ha | 0,4 % | 86 ha |
| Kerner | 1.105,0 ha | 696,8 ha | 2,9 % | nicht ausgewiesen |
Die Tabelle zeigt eine gegenläufige Entwicklung. Gewürztraminer und Muskateller haben in den letzten Jahren zugelegt, der Muskateller hat sich seit 2009 mehr als verdoppelt. Kerner, Huxelrebe und Scheurebe verlieren dagegen Fläche. Bundesweit erreichte die Scheurebe 1985 einen Höchststand von 4,4 Prozent der Rebfläche; 2023 waren es noch rund 1,4 Prozent. Ihr größtes Anbaugebiet ist inzwischen Rheinhessen mit rund 743 Hektar, die Pfalz folgt mit rund 328 Hektar.

Wie schmeckt Scheurebe und woher stammt sie?
Scheurebe schmeckt meist nach schwarzer Johannisbeere (Cassis), manchmal nach Grapefruit, Mandarine, Pfirsich oder sehr reifer Birne, und sie hat eine frische, kräftige Säure. Gezüchtet hat sie 1916 Georg Scheu an der Rebenzüchtungsanstalt in Alzey (Rheinhessen), und zwar als Kreuzung aus Riesling und Bukettrebe. Lange galt Silvaner als zweiter Elternteil; erst eine DNA-Analyse hat das 2012 korrigiert.
Die Sorte reift kurz vor dem Riesling und verträgt trockene, kalkreiche Böden und Löss. Sie hat hohe Ansprüche an die Lage und braucht volle Reife, sonst schmeckt der Wein nach dem, was Fachleute „Sämlingston“ nennen: grün, herb und unangenehm penetrant. Dazu kommen Frostempfindlichkeit im Winter und Anfälligkeit für Grauschimmel (Botrytis) und Echten Mehltau (Oidium); für Winzer ist sie kein einfacher Fall.
Traditionell steht die Scheurebe für Prädikatsweine, vor allem für Auslesen und edelsüße Weine, die viele Jahre reifen und dann nach Pfirsich oder Rose schmecken können. In den letzten Jahren setzen mehr Betriebe auf trocken ausgebaute Weine. Trockene und halbtrockene Spätlesen passen nach den Empfehlungen des Deutschen Weininstituts zu würzig zubereitetem Fisch und Geflügel, auch aus der asiatischen Küche; die süßen Spätlesen und Auslesen zu Obstdesserts.
Was macht Gewürztraminer und Traminer in der Pfalz aus?
Gewürztraminer ist die duftigste Sorte der Pfalz: Er riecht nach verblühten Rosen, Quitte, Litschi und Rosinen, hat wenig Säure und wirkt dadurch füllig und weich. Die dicke, leicht rötliche Schale der Beeren ist sein Kennzeichen. Das Deutsche Weininstitut beschreibt die Farbe der Weine als strohgelb bis goldgelb, je nach Qualitätsstufe.
Mit rund 508 Hektar (2023) liegt die Pfalz bei dieser Sorte klar vorn: Sie hat damit knapp die Hälfte der deutschen Gesamtfläche von etwa 1.122 Hektar. Der Ertrag schwankt von Jahr zu Jahr stark, weil die Blüte empfindlich ist und viele Blüten nicht zu Beeren werden (Verrieselung). Der DLR-Jahrgangsbericht 2019 nennt solche Verrieselungsschäden bei Traminer und anderen Sorten in frühen Lagen. Das ist ein Grund, weshalb die Mengen klein bleiben.
Die Herkunft der Sorte ist umstritten. Der Name erinnert an Tramin in Südtirol, doch ob die Sorte von dort stammt, gilt als offen; in Deutschland ist sie seit dem 16. Jahrhundert belegt. Besonders alt ist der Rebbestand in Rhodt unter Rietburg: Das Deutsche Weininstitut beschreibt dort einen rund 400 Jahre alten Weinberg mit der Sorte als „Denkmal deutscher Weinkultur“, die Pfalz.Touristik nennt ihn den ältesten Traminer-Weinberg der Pfalz. Ob der Bestand wirklich seit vierhundert Jahren ununterbrochen steht, lässt sich aus den Quellen nicht klären; als Ortsmarke taugt er auf jeden Fall.
Warum gilt Muskateller als Sommerwein?
Muskateller gilt als Sommerwein, weil er leicht ist, nach Muskat, Blüten, Litschi und Bitterorange duftet und trocken ausgebaut frisch und gelbgrün im Glas steht. Das Deutsche Weininstitut zählt die Muskateller-Familie zu den ältesten Rebsorten der Welt. In Deutschland standen 2023 insgesamt 598 Hektar, davon 182 Hektar in der Pfalz, 142 in Württemberg und 121 in Baden.
Er bevorzugt gute, warme Lagen mit tiefgründigen Böden und reift mittelspät. Als Aperitif, zu scharf gewürztem Geflügel oder zu leichten Salaten ist er eine beliebte Wahl, die süße Variante passt zum Dessert. Daneben dient Muskateller als Verschnittpartner und manchmal als Grundlage für Sekt (mehr dazu auf der Seite Sekt aus der Pfalz).
Einen eigenen Schwerpunkt hat die Sorte an der Südlichen Weinstraße. Das Doppeldorf Gleiszellen-Gleishorbach ist für seinen Muskateller bekannt, und ein markierter Muskatellerweg beginnt dort an der Kirche St. Dionysius. Wer die Sorte kennenlernen will, kann Wanderung und Probe an einem Tag verbinden.
Was sind Kerner und Huxelrebe, und wie passen sie dazu?
Kerner und Huxelrebe sind Neuzüchtungen des 20. Jahrhunderts, die in der Pfalz einst große Flächen belegten und heute zurückgehen. Beide haben ein deutliches, aber weniger intensives Bukett als Traminer oder Muskateller und kommen meist als unkomplizierte Weine auf den Tisch.
Der Kerner ist eine Kreuzung aus Riesling und Blauem Trollinger. Er schmeckt dem Riesling ähnlich, mit kräftiger, frischer Säure und fruchtigen, würzigen Noten, und passt zu Vorspeisen und hellem Fleisch. Seine Fläche in der Pfalz sank von 1.105 Hektar (2009) auf 696,8 Hektar (2020).
Die Huxelrebe gehört ebenfalls zu den Züchtungen von Georg Scheu (1927) und entstand aus Weißem Gutedel und Courtiller Musqué. Der Name erinnert an Fritz Huxel, der sich in den 1950er-Jahren für die Sorte einsetzte. Sie reift früh, ist verhältnismäßig widerstandsfähig gegen Fäulnis und liefert Weine mit Maracuja- und Mangonoten; deutschlandweit standen 2023 noch 322 Hektar, davon 86 in der Pfalz. Das Deutsche Weininstitut spricht von einem „Januskopf“: Die Sorte kann Masse oder Klasse bringen, je nachdem, wie streng der Winzer die Menge begrenzt.
Welche Gerichte passen zu den Bukettsorten?
Die Faustregel: Je kräftiger der Duft, desto mehr Würze darf auf den Teller. Die Tabelle fasst die Empfehlungen des Deutschen Weininstituts und der Pfalz.Touristik zusammen; sie sind Anhaltspunkte, kein Gesetz.
| Sorte | Typischer Duft | Passt zu |
|---|---|---|
| Scheurebe trocken | Cassis, Zitrus | Fisch, helles Fleisch, asiatische Küche |
| Scheurebe süß | Pfirsich, Rose | Obstdesserts |
| Gewürztraminer trocken | Rose, Litschi | Wildpastete, Geflügel mit Soße, gewürzte Ragouts |
| Gewürztraminer süß | Quitte, Marzipan | Marzipan- und Schokoladendesserts, kräftiger Käse |
| Muskateller | Muskat, Blüten | Aperitif, gewürztes Geflügel, leichte Salate |
| Kerner | Frucht, Würze | Vorspeisen, helles Fleisch |
| Huxelrebe | Maracuja, Mango | scharfes Geflügel und Fisch, süße Desserts |
Für Saumagen, Leberknödel und die übrigen Klassiker der Hausmannskost sind diese Sorten eher nicht gedacht; dazu mehr auf der Seite Pfälzer Küche. Die duftigen Sorten spielen ihre Stärken eher bei Gerichten mit Frucht, Schärfe oder Süße aus und als Aperitif.
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Häufige Fragen zu Bukettsorten
Sind Bukettsorten immer süß?
Nein. Duft und Süße sind zwei verschiedene Eigenschaften. Scheurebe, Muskateller und Gewürztraminer werden in der Pfalz trocken, halbtrocken und lieblich bis edelsüß ausgebaut; ob ein Wein trocken ist, steht auf dem Etikett. Der intensive Duft nach Frucht und Blüten wirkt allerdings auf viele Menschen süßer, als der Wein tatsächlich ist.
Welche Bukettsorte eignet sich für den Einstieg?
Ein trockener Muskateller ist leicht zu verstehen: frisch, mit klarem Muskatduft und mäßiger Wucht. Wer es kräftiger mag, probiert eine trockene Scheurebe. Gewürztraminer gilt als Sorte für Fortgeschrittene, weil er so viel Duft und Alkohol mitbringt, dass er nicht zu jedem Essen passt.
Wie lange lassen sich diese Weine lagern?
Einfache trockene Weine trinkt man nach den Hinweisen des Deutschen Weininstituts am besten innerhalb von drei Jahren, anspruchsvolle trockene Weine halten fünf bis zehn Jahre. Edelsüße Spezialitäten wie Auslesen mit hohem Süßegrad überdauern 20 Jahre und mehr; deshalb ist Scheurebe in dieser Stilrichtung eine klassische Lagerware.
Wo kann ich diese Sorten in der Pfalz probieren?
Bei Winzern, in Vinotheken und in Straußwirtschaften; wie eine Probe abläuft, steht auf der Seite Weinprobe in der Pfalz. Wer gezielt nach Muskateller sucht, fragt in den Weinorten der Südlichen Weinstraße nach, wer Traminer sucht, in der Mittelhaardt und in Rhodt.
Quellen: Rebsortenspiegel Pfalz 2009/2019/2020 (Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz, Statistisches Landesamt); Deutsches Weininstitut: Scheurebe; Deutsches Weininstitut: Gewürztraminer; Deutsches Weininstitut: Muskateller; Deutsches Weininstitut: Huxelrebe; Deutsches Weininstitut: Weinlagerung; Pfalz.Touristik: Die wichtigsten Pfälzer Rebsorten; DLR Rheinpfalz: Herbstbericht Pfalz 2019. Stand: Oktober 2026.