Wein & Weinstraße
Grau-, Weiß- und Spätburgunder aus der Pfalz
Eine Rebenfamilie, drei Weine: vom Ruländer aus Speyer zum Pinot noir

Kurz gesagt
Grau-, Weiß- und Spätburgunder sind eine Familie: Grau- und Weißburgunder sind helle Mutationen des roten Spätburgunders, international Pinot gris, Pinot blanc und Pinot noir. In der Pfalz wachsen die drei 2025 zusammen auf 5.497 Hektar, fast einem Viertel der Rebfläche. Der Grauburgunder hat sich seit 1999 mehr als vervierfacht.
Was verbindet Grau-, Weiß- und Spätburgunder?
Sie stammen von derselben Rebe ab. Als Urform gilt der Blaue Spätburgunder, französisch Pinot noir, eine der ältesten aus Wildreben ausgelesenen Sorten Mitteleuropas. Der Grauburgunder ist nach dem Deutschen Weininstitut eine helle Knospenmutation des Spätburgunders, der Weißburgunder lässt sich als Fortsetzung dieser Mutation über den Grauburgunder verstehen. Bis zum Beginn der Traubenreife sind die drei im Weinberg kaum zu unterscheiden; erst dann färben sich die Beeren blau, kupfrig-grau oder grünlich-gelb.
Der französische Name Pinot leitet sich vermutlich von „pin“ für Kiefer ab und beschreibt die Traube, die an einen Kiefernzapfen erinnert. Zur weiteren Familie zählen der Frühburgunder, eine natürliche Mutation des Spätburgunders, die rund zwei Wochen früher reift, und der Auxerrois. Der Chardonnay wird in der Landesstatistik ebenfalls zur weißen Burgunderfamilie gerechnet. Einen Überblick, wo diese Sorten im Vergleich zu Riesling, Dornfelder und den übrigen Pfälzer Sorten stehen, gibt die Seite über die Rebsorten der Pfalz.
Wie viel Burgunder wächst in der Pfalz?
Rechnet man Grau-, Weiß- und Spätburgunder zusammen, stehen sie 2025 auf 5.497 Hektar oder 23,3 Prozent der Pfälzer Rebfläche, nur wenig weniger als der Riesling mit 5.883 Hektar. Mit Chardonnay, Auxerrois und Frühburgunder kommt die Familie auf rund 6.660 Hektar. In absoluten Zahlen ist in den letzten 25 Jahren kein anderer Sortenblock so stark gewachsen.
| Sorte | Pfalz 1999 | Pfalz 2025 | Anteil 2025 | Pfalz im Bundesvergleich |
|---|---|---|---|---|
| Grauburgunder | 511 ha | 2.231 ha | 9,4 % | drittgrößtes Gebiet nach Rheinhessen und Baden |
| Weißburgunder | 621 ha | 1.506 ha | 6,4 % | drittgrößtes Gebiet nach Baden und Rheinhessen |
| Spätburgunder | 990 ha | 1.760 ha | 7,4 % | zweitgrößtes Gebiet nach Baden |
| Chardonnay | 217 ha | 1.027 ha | 4,3 % | wachsend |
| Frühburgunder | 8 ha | 44 ha | 0,2 % | neben Ahr und Rheinhessen eines der wenigen Gebiete |
Die Bundesvergleiche beruhen auf den Flächenangaben des Deutschen Weininstituts für 2023 und 2024. Bundesweit stand der Grauburgunder 2023 auf 8.372 Hektar, der Weißburgunder auf 6.318 Hektar und der Spätburgunder auf 11.519 Hektar; in der Pfalz wächst also beim Spätburgunder rund ein Siebtel, bei Grau- und Weißburgunder ein Viertel oder mehr des deutschen Bestands.
Warum ist der Grauburgunder so erfolgreich?
Weil er mit milder Säure, vollem Körper und Aromen von Birne, Mandel und Nuss vielen Weintrinkern leichter zugänglich ist als ein säurebetonter Riesling. Pfalz.Touristik gibt die Auskunft vieler Weingüter wieder, im Verkauf stehe der Grauburgunder auf Platz eins, zwei und drei. Gerade bei Guts- und Ortsweinen, den einfacheren Qualitäten, ist er gefragt. Im Weinberg ist er unkompliziert: wenig krankheitsanfällig, kaum frostempfindlich und mit verlässlich hohen Mostgewichten.
Seine Geschichte ist eng mit der Pfalz verbunden. Die Burgundersorte gelangte nach dem Deutschen Weininstitut aus Burgund in die Schweiz und nach Ungarn und von dort vermutlich im 14. Jahrhundert nach Deutschland. Den Namen Ruländer verdankt sie dem Speyerer Kaufmann Johann Seger Ruland, der 1711 in einem verwilderten Garten in Speyer Reben fand, die er nicht kannte, sie vermehrte und unter seinem Namen verbreitete. Als Ruländer wurde die Sorte über Generationen meist süß und gehaltvoll ausgebaut.

Mit dem Trend zu trockenen Weinen gewann der Name Grauburgunder an Bedeutung. Heute steht Grauburgunder auf dem Etikett meist für einen trockenen, frischen Wein, Ruländer eher für einen lieblichen. Ausgebaut wird er im Stahltank, im großen Holzfass oder im Barrique, dann oft mit biologischem Säureabbau. Je nach Ausbau ist er blassgelb, goldgelb oder sogar leicht bernsteinfarben. In heißen, trockenen Jahren kann bei gestressten Reben ein untypischer Alterungston auftreten, ein muffiger Geruch, den Winzer mit Böden, die Wasser gut speichern, und einem genau gewählten Lesezeitpunkt vermeiden wollen.
Wo wachsen die Pfälzer Burgunder am besten?
Vor allem im Süden. An der Südlichen Weinstraße stehen weiße Burgundersorten auf 22,6 Prozent der Rebfläche, in der Mittelhaardt auf 18,2 Prozent; beim Grauburgunder liegen knapp zwei Drittel der Pfälzer Fläche im Süden. Nach dem Verband Deutscher Prädikatsweingüter spielen südlich von Neustadt die Burgunder eine ebenso wichtige Rolle wie der Riesling, oft auf Muschelkalk, der sehr gute Bedingungen für Weiß- und Spätburgunder bietet. Wer die Orte dieser Region kennenlernen will, findet sie auf der Seite über die Südliche Weinstraße.
Burgundersorten lieben Kalk. Auf kalkhaltigem Boden entwickeln sie nach den Erfahrungen vieler Winzer die größte Eleganz, auf schwereren Löss- und Lehmböden profitieren sie von der besseren Wasserversorgung. Zwei Beispiele aus dem Süden: Bei Ilbesheim liegt die Kleine Kalmit, die höchste Erhebung im Rheingraben vor dem Pfälzerwald, eine Ablagerung aus Landschneckenkalk. Und bei Schweigen bewirtschaften Pfälzer Winzer Weinberge jenseits der Grenze auf französischem Gebiet, deren Trauben als deutscher Wein vermarktet werden dürfen.
Beim Spätburgunder ist das Bild ausgeglichener: Er steht im Süden auf 7,2 Prozent, in der Mittelhaardt auf 7,7 Prozent der Fläche. Wie die einzelnen Lagen heißen und was hinter Begriffen wie Erste und Große Lage steckt, erklärt die Seite über die Weinlagen der Pfalz.
Wie unterscheiden sich die drei Burgunder im Glas?
Der Weißburgunder ist der leichtere, feinere Weißwein, der Grauburgunder der breitere, cremigere, der Spätburgunder der rote, samtige. Alle drei bauen beim Reifen keine Petrolnoten auf wie der Riesling, sondern bleiben rund und schmelzig. Die Tabelle fasst die Unterschiede zusammen.
| Merkmal | Weißburgunder | Grauburgunder | Spätburgunder |
|---|---|---|---|
| Beeren | grünlich-gelb | kupferfarben bis graurosa | blau, dünnschalig |
| Farbe im Glas | blass- bis hellgelb | blassgelb bis goldgelb | hell- bis mittelrot, oft durchscheinend |
| Aromen | grüne Nüsse, Apfel, Birne, Quitte, Zitrus | Birne, Mandel, Butter, Trockenobst | Erdbeere, Kirsche, Brombeere, im Holz Vanille |
| Säure | frisch, feinrassig | mild | mittel |
| Körper | mittel | mittel bis kräftig | mittel, samtig |
| Ansprüche | warme, tiefgründige Böden | Löss, Kalk, steinige Böden | hoch an Boden, Klima und Witterung |
| Passt zu | Fisch, Spargel, Kalb, Geflügel | Pasta, Meeresfrüchte, Lamm, Weichkäse | Braten, Wild, Geflügel, Käse |
Das Deutsche Weininstitut beschreibt den Weißburgunder als Sorte, die überall dort gedeiht, wo es für den Riesling schon zu heiß ist. Mit dem Klimawandel gewinnt das an Bedeutung. Es passt zu der Entwicklung, dass die Burgunder in der Pfalz in dem Maß zugelegt haben, in dem Müller-Thurgau und Silvaner Fläche verloren. Wo Riesling dagegen nach wie vor seine besten Standorte hat, beschreibt die Seite über den Riesling aus der Pfalz.
Was macht den Pfälzer Spätburgunder aus?
Er gilt als die anspruchsvollste rote Sorte. Seine Beerenschalen sind dünn, deshalb sind seine Weine heller als Dornfelder oder Portugieser; er reagiert empfindlich auf Spätfrost, neigt bei schlechtem Blütewetter zum Verrieseln, also zum Abfallen der Blüten, und ist anfällig für Echten und Falschen Mehltau. In der Pfalz stand er nach dem Deutschen Weininstitut vermutlich schon im 16. Jahrhundert, lange aber im Schatten der dunkleren Sorten.
Man unterscheidet einen klassischen und einen modernen Stil. Der klassische Spätburgunder ist mild, gerbstoffarm und eher hell. Der moderne ist kräftiger, hat mehr Gerbstoff und reift oft im kleinen Eichenfass, was Noten von Vanille und Zimt bringt. Pfälzer Spätburgunder liegen nach Pfalz.Touristik bei Verkostungen deutscher Rotweine regelmäßig vorn. Die Fläche ist seit 1999 um 78 Prozent gewachsen, während Portugieser stark und Dornfelder seit seinem Höchststand deutlich verloren haben.
Aus Spätburgunder entstehen nicht nur Rotweine. Rasch gepresst ergibt er Blanc de Noir, einen weißen Wein aus roten Trauben, mit kurzer Maischestandzeit einen Weißherbst, also einen sortenreinen Rosé. Zudem ist er neben Weißburgunder und Chardonnay eine wichtige Grundlage für Winzersekt. Der eng verwandte Frühburgunder reift schon im August und wäre in den 1960er Jahren wegen seiner Krankheitsanfälligkeit fast verschwunden; heute stehen in der Pfalz wieder 44 Hektar.
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Häufige Fragen zu den Burgundersorten
Ist Ruländer dasselbe wie Grauburgunder?
Ja, es ist dieselbe Rebsorte. Der Name Ruländer wird heute meist für liebliche, gehaltvolle Weine verwendet, Grauburgunder für trockene. Beide gehen auf den Pinot gris zurück, den Johann Seger Ruland 1711 in Speyer fand und vermehrte.
Ist Pinot Grigio dasselbe wie Grauburgunder?
Ja. Pinot Grigio ist der italienische Name der Sorte, Pinot gris der französische. Italienischer Pinot Grigio ist allerdings oft leichter und neutraler ausgebaut als ein Pfälzer Grauburgunder.
Gehört Chardonnay zu den Burgundern?
Der Chardonnay ist eng mit dem Burgund verbunden und wird in der Statistik zur weißen Burgunderfamilie gerechnet, ist aber keine Mutation des Spätburgunders wie Grau- und Weißburgunder. In der Pfalz wuchs er von 217 Hektar 1999 auf 1.027 Hektar 2025.
Was ist ein Frühburgunder?
Eine natürliche Mutation des Spätburgunders, die rund zwei Wochen früher reif ist, meist schon im August. Er ergibt farbkräftige, fruchtige Rotweine mit Aromen von Kirsche und Brombeere und ist mit 44 Hektar eine Pfälzer Rarität.
Warum werden Burgunder oft im Holzfass ausgebaut?
Holz gibt den Weinen Struktur und Gerbstoff und lässt sie runder wirken. Besonders Spätburgunder, Chardonnay und kräftige Weiß- und Grauburgunder werden im großen Fass oder im Barrique ausgebaut; frische Gutsweine reifen dagegen meist im Stahltank.
Quellen: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz: Statistischer Bericht Bestockte Rebflächen 2025; Deutsches Weininstitut: Grauburgunder; Deutsches Weininstitut: Weißburgunder; Deutsches Weininstitut: Spätburgunder; Deutsches Weininstitut: Frühburgunder; VDP: Region Pfalz; Pfalz.Touristik: Das Burgunderwunder; Pfalz.Touristik: Spätburgunder. Stand: Oktober 2026.