Wein & Weinstraße
Deutsches Weintor in Schweigen: das Südtor der Weinstraße
Steinernes Südtor der Weinstraße an der Grenze zum Elsass

Kurz gesagt
Das Deutsche Weintor in Schweigen-Rechtenbach markiert seit 1936 das Südende der Deutschen Weinstraße, rund 700 Meter vor der französischen Grenze bei Wissembourg. Der neoklassizistische Sandsteinbau entstand in wenigen Wochen als Prestigeprojekt der NS-Zeit. Heute gehört er einer Winzergenossenschaft, beherbergt Vinothek und Gaststätte und ist Start der Fernwanderwege nach Norden.
Was ist das Deutsche Weintor?
Das Deutsche Weintor ist ein steinerner Torbau, der am Nordostrand von Schweigen die alte Trasse der heutigen Bundesstraße 38 überspannt und den südlichen Anfangs- oder Endpunkt der Deutschen Weinstraße bildet. Es gilt als eines der Wahrzeichen der Pfalz. Sein Gegenstück steht rund 85 Kilometer weiter nördlich: das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim, das erst 1995 gebaut wurde.
Der Bau ist aus Sandstein im Stil des Neoklassizismus errichtet und nach Messungen der Landesvermessung 19,2 Meter hoch; die Gemeinde gibt rund 20 Meter Höhe, 16 Meter Breite und 8 Meter Tiefe an. Auf den Enden des Dachfirsts sitzen zwei Mohnkapseln aus Kupfer, die als Zeichen für Fruchtbarkeit und dauerhaften Wohlstand der Winzer gedeutet werden. Quer durch die Toröffnung zieht sich in gut sieben Metern Höhe eine hölzerne Galerie, die über eine Steintreppe an der Ostseite erreichbar ist; darüber liegt eine kleine Aussichtsplattform. Von dort sieht man die Berge des Wasgaus, nach Osten die Rheinebene und bei klarer Luft den Schwarzwald.
Nach Norden schließt ein gepflasterter Vorhof an, eingefasst von eingeschossigen Flügeln mit Säulenhalle und Arkaden. Unter der Anlage liegen große Kellergewölbe, nach Angaben der Gemeinde mit rund 400.000 Litern Fassraum. Die Bundesstraße führt inzwischen als Umgehung gut 50 Meter östlich am Tor vorbei; durch den Torbogen gehen nur noch Fußgänger und Radfahrer.
Wie entstand das Weintor 1936?
Das Weintor ist das Ergebnis einer Weinkrise und einer Propagandaidee. Die Ernte von 1934 fiel in der Pfalz rund zweieinhalbmal so groß aus wie in den Jahren zuvor; die Keller waren voll, die Preise brachen ein, und viele Winzer gerieten in Not. Verschärft wurde die Lage dadurch, dass jüdische Weinhändler, bis dahin wichtige Abnehmer, vom NS-Staat verdrängt wurden. Gauleiter Josef Bürckel griff 1935 die ältere Idee einer Weinstraße auf und setzte sie binnen Wochen um. Nach Darstellung der Gemeinde wurde der Gedanke an Straße und Tor im Juli 1935 in einer Schweigener Gastwirtschaft geboren.
Zur Eröffnungsfahrt am 20. Oktober 1935 stand in Schweigen zunächst nur ein schlichtes Holztor über der Straße. Im Februar 1936 folgte ein Architektenwettbewerb für ein offenes Tor aus Stein mit großer Gaststätte, den die Landauer Architekten August Josef Peter und Karl Mittel gewannen. Der erste Spatenstich war am 3. August 1936, die Grundsteinlegung am 27. August, die Einweihung am 18. Oktober 1936; zwischen Grundstein und Einweihung lagen keine acht Wochen. Laut Gemeinde arbeiteten bis zu 2.000 Menschen in drei Schichten rund um die Uhr. Vier Dörfer teilten sich die Lasten: Schweigen stellte den Bauplatz und Fuhrdienste, Rechtenbach Sand und Kalk, Oberotterbach die Sandsteine, Dörrenbach das Holz für die geschnitzten Eichenbalken und Säulen.
Schon im Herbst 1936 lagerte der erste Wein in den Kellern. Am 23. Mai 1937 öffnete die Weintor-Gaststätte im Ostflügel; nach Angaben der Gemeinde kamen damals täglich 600 bis 700 Gäste, ausgeschenkt wurden rund 90 Weine von der Weinstraße.
| Jahr | Ereignis |
|---|---|
| 1934 | Rekordernte und Preisverfall in der Pfalz |
| 1935 | Eröffnung der Deutschen Weinstraße, provisorisches Holztor in Schweigen |
| 1936 | Bau und Einweihung des steinernen Weintors (18. Oktober) |
| 1937 | Eröffnung der Gaststätte im Ostflügel (23. Mai) |
| 1944 | Übergang an den Bezirksverband Pfalz |
| 1945 | US-Truppen erreichen die Grenze, Inschrift eines Soldaten an der Südseite |
| 1949 | Kauf durch den Landkreis Bergzabern für 10.000 Mark |
| 1969 | Eröffnung des ersten deutschen Weinlehrpfads am Sonnenberg |
| 1978 | Westflügel und Keller an die Winzergenossenschaft Deutsches Weintor |
| 1995 | Nordtor in Bockenheim als Gegenstück |
| 2007 | Tor und Ostflügel ebenfalls an die Genossenschaft |
| 2012 | „Wein Walk of Fame“ am Tor eingeweiht |
| 2021 | neu gestalteter Weinlehrpfad eröffnet |
Welche Rolle spielte das Tor in der NS-Zeit?
Das Weintor war von Anfang an ein politisches Bauwerk an der Grenze zu Frankreich. Die Weinstraße sollte nach offizieller Lesart Absatz und Fremdenverkehr fördern, zugleich diente sie der Grenzlandpropaganda. Bürckels Eröffnungsrede in Bad Dürkheim am 19. Oktober 1935 war gegen Frankreich gerichtet; die Pfälzer an der Grenze nannte er darin die „Feldwache der Nation“ im Westen. Das Tor war zur elsässischen Grenzstadt Wissembourg hin ausgerichtet und trug während der NS-Zeit eine riesige Hakenkreuzfahne, die von Frankreich aus zu sehen war und dort als Provokation empfunden wurde. An der Südseite hing ein fast vier Meter hohes Steinrelief eines Reichsadlers mit Hakenkreuz.
Drei Jahre nach der Einweihung begann der Krieg. Die Grenzdörfer wurden nach Angaben der Gemeinde dreimal evakuiert, Schweigen-Rechtenbach zu rund 80 Prozent zerstört; das Tor blieb stehen, nur der Ostflügel mit der Gaststätte wurde schwer beschädigt. Im März 1945 meißelte ein amerikanischer Soldat aus Mineral Wells in Texas seinen Namen und den Umriss seines Heimatstaats in die Südseite. Bald nach Kriegsende wurden die steinernen NS-Symbole herausgeschlagen; am Reichsadler ist die Stelle bis heute zu erkennen. Wer das Tor besucht, steht also vor einem Denkmal, das beides zeigt: die Not der Winzer und den Missbrauch dieser Not durch ein Regime.

Was kann man heute am Weintor erleben?
Heute ist das Weintor Treffpunkt, Aussichtspunkt und Ausgangsort für Wanderungen. Die gesamte Anlage gehört seit 2007 der Winzergenossenschaft Deutsches Weintor mit Sitz im rund 20 Kilometer entfernten Ilbesheim, die am Tor eine Vinothek und im Ostflügel eine Gaststätte betreibt. Das Tor selbst ist nach Angaben der Pfalz.Touristik das ganze Jahr zugänglich; für Vinothek und Gaststätte gelten eigene Öffnungszeiten, die Sie vor dem Besuch prüfen sollten.
Seit 2012 beginnt am Tor der „Wein Walk of Fame“, ein Ehrenpfad mit in den Boden eingelassenen Platten für Menschen und Vereinigungen, die sich um den Weinbau verdient gemacht haben, darunter Friedrich von Bassermann-Jordan, einer der Ideengeber der Weinstraße, und Immanuel Dornfeld, nach dem die Rebsorte Dornfelder benannt ist. Neue Platten wurden in der Regel um den 23. April enthüllt, den Tag des römischen Weinfests Vinalia; in einigen Jahren fiel die Erweiterung aus.
Am Hang hinter dem Ort liegt der Sonnenberg mit dem ersten deutschen Weinlehrpfad, 1969 von Bürgern des Orts angelegt und zur Saison 2021 neu gestaltet. Er beginnt und endet an der alten Kelter am Weintor und führt nach Angaben der Gemeinde auf rund 2,5 Kilometern an neun Stationen vorbei, die über Rebsorten, Arbeit im Weinberg und Schädlinge informieren. An einer Station steht ein Nachbau des hölzernen Tors von 1935, das „kleine Weintor“. Oben auf dem Sonnenberg schenken die Winzer des Orts in der Sonnenberghütte aus: nach Angaben der Gemeinde vom 1. Mai bis 31. Oktober an Sonn- und Feiertagen ab 11 Uhr (Stand: 22.10.2026).
Welche Wege beginnen oder enden am Weintor?
Am Weintor laufen die großen Längswege der Pfalz zusammen. Der Pfälzer Weinsteig, mit offiziell 172 Kilometern und elf Etappen der längste Fernwanderweg der Pfalz, endet hier ebenso wie der Pfälzer Waldpfad, der in acht Etappen rund 130 Kilometer durch das Biosphärenreservat Pfälzerwald von Schopp hierher führt. Auch der Wanderweg Deutsche Weinstraße, der Pfälzer Mandelpfad und der Radweg Deutsche Weinstraße erreichen hier ihr Südende. Wie die Route der Weinstraße insgesamt verläuft und welche Orte an ihr liegen, zeigt die Seite zur Deutschen Weinstraße von Bockenheim bis Schweigen.
Für eine kurze Tour bietet sich der Weinlehrpfad an, für einen halben Tag die Kombination mit Wissembourg. Wer zu Fuß in die Grenzstadt will, folgt vom Weintor laut Pfalz.Touristik der Markierung gelber Strich oder roter Kreis auf weißem Grund. Der Ort selbst mit Gemeindeporträt, Weinbau und Festen ist auf der Seite über Schweigen-Rechtenbach an der Grenze zum Elsass beschrieben.
Wie kommt man zum Deutschen Weintor?
Ohne Auto erreichen Sie das Weintor mit dem Bus, der zwischen dem Bahnhof Bad Bergzabern und dem Bahnhof Wissembourg pendelt und unterwegs Dörrenbach und Oberotterbach bedient; die Haltestelle „Schweigen-Rechtenbach Weintor“ liegt direkt am Tor. Die Pfalz.Touristik nennt dafür die Linie 543, Wikipedia die Linien 540 und 541 im VRN; maßgeblich ist die aktuelle Fahrplanauskunft. Der Bahnhof Wissembourg auf französischer Seite ist auch zu Fuß erreichbar, die Grenze liegt etwa 700 Meter südlich des Tors, die Altstadt rund drei Kilometer entfernt.
Mit dem Auto fährt man über die B 38 aus Richtung Landau und Bad Bergzabern; ab Bad Bergzabern ist sie mit der Deutschen Weinstraße identisch. Am Weintor gibt es einen Parkplatz, laut Pfalz.Touristik auch mit kostenlosen Busparkplätzen. An schönen Wochenenden und zur Lese im Herbst ist es dort voll; wer früh kommt oder unter der Woche, hat die Galerie oft für sich.
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Häufige Fragen zum Deutschen Weintor
Kann man auf das Deutsche Weintor hinaufsteigen?
Ja, über eine Steintreppe an der Ostseite gelangt man zur hölzernen Galerie, die quer durch die Toröffnung läuft. Von dort und von der etwas höheren Plattform reicht der Blick über die Weinstraße, die Berge des Wasgaus und die Rheinebene.
Ist das Weintor der Anfang oder das Ende der Weinstraße?
Beides, je nach Richtung. Die Eröffnungsfahrt 1935 begann in Schweigen und führte nach Norden; viele heutige Wander- und Radführer beschreiben die Route dagegen von Bockenheim aus nach Süden, sodass das Weintor das Ziel ist.
Wem gehört das Deutsche Weintor?
Seit 2007 gehört die gesamte Anlage der Winzergenossenschaft Deutsches Weintor. Vorher waren der Bezirksverband Pfalz, der Landkreis Bergzabern und später der Landkreis Südliche Weinstraße beteiligt; Westflügel und Keller hatte die Genossenschaft bereits 1978 übernommen.
Lohnt sich ein Abstecher nach Wissembourg?
Ja, die elsässische Kleinstadt mit Abteikirche und Fachwerkhäusern liegt nur wenige Kilometer entfernt und ist zu Fuß, mit dem Rad oder dem Bus erreichbar. Weil dort auch der nächste Bahnhof liegt, beenden viele Wanderer und Radfahrer ihre Tour in Wissembourg.
Warum wurde das Weintor so schnell gebaut?
Das Tor sollte zum Jahrestag der Weinstraße im Oktober 1936 fertig sein und als sichtbares Zeichen an der Grenze dienen. Deshalb wurde in drei Schichten rund um die Uhr gearbeitet, und die umliegenden Dörfer mussten Baustoffe und Fuhrdienste stellen.
Quellen: Pfalz.Touristik: Deutsches Weintor (Geschichte und Besitzer); Gemeinde Schweigen-Rechtenbach: Aktivitäten, Weinlehrpfad und Sonnenberghütte; Pfalz.Touristik: Weinlehrpfad-Station „Kleines Weintor“; Pfalz.Touristik: Die drei Pfälzer Fernwanderwege; Wikipedia: Deutsches Weintor; Wikipedia: Deutsche Weinstraße. Stand: Oktober 2026.