Wein & Weinstraße
Dubbeglas und Weinschorle: die Pfälzer Schoppenkultur
Halber Liter, runde Tupfen und die Kunst der Pfälzer Weinschorle

Kurz gesagt
Das Dubbeglas ist das Pfälzer Schoppenglas: Es fasst einen halben Liter und hat außen runde Vertiefungen, die Dubbe (Tupfen), damit es gut in der Hand liegt. Getrunken wird daraus Wein oder Weinschorle, in der Pfalz „der Schorle“, süß mit Limonade oder sauer mit Mineralwasser und oft mit hohem Weinanteil.
Was ist ein Dubbeglas, und wie viel passt hinein?
Ein Dubbeglas ist ein Trinkglas für einen halben Liter Wein oder Schorle, also für einen Pfälzer Schoppen. Es verbreitert sich vom Boden nach oben, hat die Form eines umgekehrten Kegelstumpfs und trägt auf der Außenseite mehrere Reihen runder Mulden. Diese Dubbe, pfälzisch für Tupfen, geben dem Glas seinen Namen und sorgen dafür, dass es auch mit feuchten oder fettigen Fingern nicht aus der Hand rutscht.
Die meisten Dubbegläser bestehen aus Pressglas: Die Tupfen entstehen beim Pressen in der Form und stehen deshalb auf der Innenseite leicht vor. Bei teureren Varianten werden die Vertiefungen in das Glas eingeschliffen. Neben dem Dubbeglas ist in der Pfalz das glatte, zylindrische Schoppenglas verbreitet, das ebenfalls einen halben Liter fasst. Beide Gläser stehen für dasselbe Maß, das die Pfälzer mit einem gewissen Stolz verteidigen: Die Pfalz.Touristik nennt den Schoppen mit 0,5 Litern ausdrücklich als festen Bestandteil der Weinfeste.
Wie viel in ein Dubbeglas passt, ist also klar geregelt: ein halber Liter. Andere Größen in Dubbe-Optik gibt es im Souvenirhandel, sie sind aber nicht gemeint, wenn auf einem Fest oder in einer Weinstube ein „Dubbeschoppe“ bestellt wird.

Woher kommt das Dubbeglas, und wie alt ist der Pfälzer Schoppen?
Wann und wo das erste Dubbeglas entstand, ist nicht genau belegt. Nach einer verbreiteten Überlieferung sollen es Metzger aus Bad Dürkheim erfunden haben, weil ihnen bei Schlachtfesten die glatten Gläser aus den fettigen Händen rutschten. Für diese Geschichte gibt es keine zeitgenössischen Belege; sie erklärt aber gut, wozu die Tupfen dienen. Funktional ähnelt das Glas dem Frankfurter „Gerippten“ für Apfelwein, das mit seinem Rautenschliff ebenfalls besser in der Hand liegt.
Älter als die Glasform ist das Maß. Der Schoppen war ursprünglich ein Gefäß und ein Hohlmaß, verwandt mit dem Wort „schöpfen“, und je nach Gegend unterschiedlich groß. In Maikammer-Alsterweiler rechnete man nach der Franzosenzeit noch bis 1856 mit einem Schoppen von 0,5625 Litern; mit Napoleon war der französische Schoppen, die chopine, von rund 0,476 Litern in die Pfalz gekommen. Mit der Einführung des metrischen Systems 1872 galt der Schoppen als offizielle Bezeichnung für einen halben Liter.
| Zeit oder Region | Schoppen | Hinweis |
|---|---|---|
| Französischer Schoppen (chopine) | rund 0,476 l | kam mit der Franzosenzeit in die Pfalz |
| Maikammer-Alsterweiler bis 1856 | 0,5625 l | altes örtliches Maß |
| Deutsches Reich ab 1872 | 0,5 l | metrisches Maß, „Schoppen“ als offizielle Bezeichnung |
| Pfalz, 1980er-Jahre | Versuch mit 0,4 l | scheiterte am Widerstand von Bürgern und Weinbruderschaft |
| Pfalz heute | 0,5 l | im Dubbeglas oder glatten Schoppenglas |
| Franken heute | 0,25 l | dort ist der Schoppen ein Viertelliter |
Wie bestellt man eine Weinschorle in der Pfalz?
In der Pfalz bestellt man „en Schorle“, und zwar entweder süß oder sauer: Die süße Schorle wird mit Zitronenlimonade gemischt, die saure mit kohlensäurehaltigem Mineralwasser. Üblich ist dort die männliche Form „der Schorle“, oft „Scholle“ ausgesprochen, während anderswo „die Schorle“ gilt. Das Mischungsverhältnis liegt allgemein bei etwa eins zu eins, in Pfälzer Weinstuben und auf Festen dominiert aber häufig der Wein, und das Glas wird nur mit wenig Wasser aufgefüllt.
| Bestellung | Was man bekommt |
|---|---|
| Schorle sauer | Weißwein mit Mineralwasser, die häufigste Form |
| Schorle süß | Weißwein mit Zitronenlimonade |
| Rieslingschorle | Riesling mit Mineralwasser |
| Rotweinschorle | Rotwein mit Mineralwasser oder Limonade |
| Weißherbstschorle | Rosé, meist vom Portugieser, mit Wasser |
| Persching | halb Weißherbst, halb Orangenlimonade, nach der Farbe des Pfirsichs benannt |
| Schoppen | ein halber Liter Wein ohne Wasser |
Ob eine Schorle mit viel oder wenig Wasser kommt, hängt vom Haus und vom Ausschankpersonal ab; wer es leichter möchte, sagt das ausdrücklich. Mehr Pfälzer Ausdrücke rund um Wein und Essen erklärt die Seite zum Pfälzischen Dialekt.
Welche Rolle spielt der Schoppen auf Festen und in Weinstuben?
Auf Pfälzer Weinfesten, in Straußwirtschaften und auf Hütten ist der Schoppen im Halbliterglas der Normalfall, nicht das in anderen Weinregionen übliche Viertel. Das Glas wird zuweilen auch heute noch in der Runde weitergereicht, und jeder trinkt einen Schluck. Wo es Schorle gibt, wird sie fast immer im Dubbeglas oder im glatten Schoppenglas ausgeschenkt. Einen Überblick über die Feste von März bis November gibt der Weinfest-Kalender der Pfalz; die saisonalen Ausschänke der Winzer beschreibt die Seite über Straußwirtschaften in der Pfalz.
Auf Festen wird für die Gläser in der Regel ein Pfand erhoben, das man bei der Rückgabe zurückbekommt. Dabei gilt eine wichtige Regel: Dubbegläser nicht ineinanderstapeln. Weil die Tupfen bei Pressgläsern innen vorstehen, verkanten sich gestapelte Gläser und brechen beim Lösen leicht; viele Wirte nehmen gestapelte Gläser deshalb nicht zurück. Wer sein Glas als Andenken behalten möchte, lässt einfach das Pfand stehen.
Wie ernst die Pfälzer ihren Schoppen nehmen, zeigt das Schoppendenkmal in Maikammer. In den 1980er-Jahren wollte die Gastronomie das Schoppenmaß von 0,5 auf 0,4 Liter verkleinern. Eine Bürgerinitiative wehrte sich gemeinsam mit der Weinbruderschaft der Pfalz, bis die Gastronomie das Vorhaben aufgab. Der Ludwigshafener Bildhauer Günther Berlejung schuf daraufhin einen Sandsteinblock mit der Inschrift „Pfälzer Schoppen – Maß aller Dinge“ und dem Umriss eines Glases von genau 0,5 Litern; 1984 wurde er unter Mitwirkung des damaligen Ministerpräsidenten Bernhard Vogel eingeweiht. Seit 2020 steht das Denkmal im Lavendelgarten der Gemeinde.
Wie viel Alkohol steckt in einem Schoppen?
Ein Schoppen Wein enthält deutlich mehr Alkohol, als viele vermuten: Ein halber Liter Wein mit 12 Volumenprozent enthält rund 47 Gramm reinen Alkohol. Eine Schorle, die zur Hälfte aus Wein besteht, kommt immer noch auf etwa 24 Gramm, eine kräftig gemischte mit zwei Dritteln Wein auf rund 32 Gramm. Weißweine haben nach Angaben der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen meist 10 bis 13 Volumenprozent, Rotweine 11,5 bis 15.
| Getränk (0,5 l) | Weinanteil | Reiner Alkohol, gerechnet mit 12 % vol |
|---|---|---|
| Schoppen Wein | 0,5 l | rund 47 g |
| kräftige Schorle | rund 0,33 l | rund 32 g |
| Schorle eins zu eins | 0,25 l | rund 24 g |
| leichte Schorle | rund 0,17 l | rund 16 g |
Die Werte sind Näherungen; je nach Wein und Mischung weichen sie ab. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen nennt heute keine „sicheren“ Grenzwerte mehr und rät, möglichst wenig zu trinken; Rauschkonsum soll man ganz vermeiden. Im Straßenverkehr gilt die 0,5-Promille-Grenze, für Fahranfänger und alle unter 21 Jahren ein absolutes Alkoholverbot. Wer mit dem Auto zum Fest fährt, bleibt am besten bei Traubensaft, Wasser oder alkoholfreiem Wein, den manche Ausschänke inzwischen anbieten.
Wie wurde das Dubbeglas zum Symbol der Pfalz?
Das Dubbeglas ist heute weit mehr als ein Trinkgefäß: Es ist Werbeträger, Sammelobjekt und Erkennungszeichen der Region. Weinorte, Weingüter, Genossenschaften und Feste bedrucken Dubbegläser und glatte Schoppengläser mit Wappen und Sprüchen. Auf dem Dürkheimer Wurstmarkt gibt es jedes Jahr ein eigenes Wurstmarkt-Dubbeglas und einen Dubbeglas-Orden mit wechselndem Motto, die die Stadt Bad Dürkheim in ihrer Tourist-Information und auf dem Festplatz verkauft.
Das Tupfenmuster hat sich längst vom Glas gelöst: Es findet sich auf Tassen, Taschen, Lampen, Schlüsselanhängern und Schmuck, die als Mitbringsel verkauft werden. Ein Pfälzer Gesangsduo nennt sich „Dubbeglasbrieder“, und 2016 schickten drei Männer aus Heßheim ein Dubbeglas mit einem Wetterballon bis in die Stratosphäre. Sprüche wie „Ä Glas ohne Dubbe is wie’n Fisch ohne Schuppe“ zeigen, wie sehr das Glas zum Selbstbild der Region gehört. Einen Überblick über Wein und Weinkultur gibt die Seite Wein aus der Pfalz.
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Pfalz.info ist unabhängig und vermittelt keine Buchungen.
Häufige Fragen zum Dubbeglas und zur Schorle
Warum hat das Dubbeglas Tupfen?
Die runden Vertiefungen machen das Glas griffiger, sodass es auch mit nassen oder fettigen Händen nicht so leicht rutscht. Der Überlieferung nach war genau das der Grund für seine Erfindung; belegt ist die Herkunft nicht.
Ist „Schorle süß“ mit Zucker gemischt?
Nein, die süße Schorle besteht aus Wein und Zitronenlimonade, die saure aus Wein und Mineralwasser mit Kohlensäure. Zusätzlicher Zucker wird nicht hinzugefügt; die Süße kommt allein aus der Limonade.
Darf man ein Dubbeglas vom Weinfest mitnehmen?
Auf den meisten Festen ja, wenn man das Pfand nicht zurückverlangt; das Glas ist damit bezahlt. Bei Gläsern ohne Pfand, etwa in Weinstuben, fragt man vorher, ob man eines kaufen kann.
Kann man Dubbegläser in die Spülmaschine geben?
Glatte Pressgläser sind in der Regel robust. Bedruckte Gläser, etwa Festgläser mit Wappen oder Sprüchen, können ihren Aufdruck in der Spülmaschine mit der Zeit verlieren; wer das Andenken erhalten will, spült sie besser von Hand und stapelt sie nicht.
Wo bekommt man ein Dubbeglas als Andenken?
Dubbegläser gibt es in Tourist-Informationen, bei vielen Weingütern, auf Festen und in Souvenirgeschäften an der Weinstraße. Besonders begehrt sind die jährlich wechselnden Festgläser, etwa vom Dürkheimer Wurstmarkt.
Quellen: KuLaDig: Schoppendenkmal Maikammer; Pfalz.Touristik: Schoppendenkmal; Pfalz.Touristik: Weinfeste in der Pfalz; Stadt Bad Dürkheim: Dubbeglasorden und Souvenirs; Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Empfehlungen zum Umgang mit Alkohol; Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen: Alkohol; Wikipedia: Dubbeglas; Wikipedia: Schorle. Stand: Oktober 2026.