Wein & Weinstraße
Geschichte des Weinbaus in der Pfalz: von den Römern bis heute
Zeitleiste von den Römern über die Reblaus bis zur Weinstraße

Kurz gesagt
Der Weinbau in der Pfalz geht auf die Römer zurück, die um 50 v. Chr. mit der Rheingrenze die Rebe in die Region brachten. Im Mittelalter prägten Bischöfe und Klöster den Anbau, im 19. Jahrhundert die Reblaus, im 20. Jahrhundert Flurbereinigung, Qualitätsdenken und seit 1935 die Deutsche Weinstraße. Heute stehen 23.640 Hektar Reben im Gebiet.
Seit wann wird in der Pfalz Wein angebaut?
Die Römer brachten den Weinbau in die Pfalz. Nach der Pfalz.Touristik wurde der Rhein um 50 v. Chr. zur römischen Reichsgrenze, und mit Soldaten und Siedlern kam die Kunst des Weinmachens in die Region; vorher tranken Kelten wohl importierten Wein aus Südfrankreich, im Alltag dominierte das Bier. Dass die Römer auch selbst kelterten, zeigen Funde: 1980 und 1981 wurden bei der Flurbereinigung römische Kelteranlagen freigelegt, darunter am Weilberg bei Ungstein ein Kelterhaus neben dem größten römischen Herrenhaus der Pfalz.
Das älteste greifbare Stück Pfälzer Weingeschichte ist der Römerwein von Speyer, eine Flasche aus der Zeit um 325 n. Chr. mit einem Rest Wein; seine Geschichte erzählt die Seite Der älteste Wein der Welt. Den größeren Zusammenhang der Römerzeit in der Pfalz mit Noviomagus, Gutshöfen und Straßen stellt die Seite Geschichte der Pfalz dar.
Welche Rolle spielten Bischöfe und Klöster im Mittelalter?
Sie waren die größten Weinbergsbesitzer der Region. Nach der Pfalz.Touristik schenkte König Dagobert I. im 7. Jahrhundert Weinberge an das Petersstift in Worms und an das Bistum Speyer; 653 bestätigte Siegbert III. dem Speyerer Bischof den Weinzehnt im Speyergau. Karl der Große ordnete im 8. Jahrhundert mit dem Capitulare de villis die Bewirtschaftung der königlichen Güter, auch den Weinbau und die Kellerhygiene.
Mit der Christianisierung wuchs der Bedarf. Die Ortsgeschichte von Herxheim am Berg nennt etwa den Wein als Kirchenzehnt im Codex des Klosters Weißenburg von 774; Klöster wie Prüm, Weißenburg, Lorsch und Klingenmünster waren auf Wein angewiesen. Wie das Anbaugebiet heute gegliedert ist, beschreibt die Seite Weinregion Pfalz in Zahlen.
| Zeit | Ereignis | Beleg |
|---|---|---|
| um 50 v. Chr. | Rhein wird Reichsgrenze, Weinbau kommt mit den Römern | Pfalz.Touristik |
| um 325 n. Chr. | Römerwein von Speyer | Museum Speyer, DWI |
| 7. Jahrhundert | Dagobert I. schenkt Weinberge an Worms und Speyer | Pfalz.Touristik |
| 653 | Weinzehnt des Speyerer Bischofs bestätigt | Pfalz.Touristik |
| 774 | Weinabgabe im Kodex des Klosters Weißenburg (Herxheim am Berg) | Regionalgeschichte |
| 1435 und 1490 | Riesling erstmals genannt: Rebkauf bei Rüsselsheim, Weinberg in Worms | Pfalz.Touristik |
| 1584 | erste Rebsortenordnung Deutschlands, Kurfürst Johann Casimir | Pfalz.Touristik |
| 1837 | Sektkellerei in Bad Dürkheim gegründet | Pfalz.Touristik |
| 1895 | Reblaus erstmals in der Pfalz (Sausenheim) | Pfalz.Touristik |
| 1935 | Deutsche Weinstraße eröffnet | Seite Deutsche Weinstraße |

Wie veränderte sich der Weinbau bis zum 19. Jahrhundert?
Aus dem 16. und 18. Jahrhundert stammen die ersten Verordnungen zu den Rebsorten. 1584 erließ Kurfürst Johann Casimir die nach Pfalz.Touristik erste Rebsortenordnung Deutschlands, die sich auf die Gänsfüßer-Weinberge in Neustadt bezog. Im 18. Jahrhundert empfahlen weitere Ordnungen Riesling, Traminer und, nach 1711, Ruländer. Eine Spur der Kriege dieser Jahrhunderte bleibt im Gedächtnis des Landes: Den Dreißigjährigen Krieg und den Pfälzischen Erbfolgekrieg überstanden viele Orte nur mit schweren Zerstörungen; die Pfalz.Touristik erwähnt etwa, dass der große Fassbau in Hambach schon im Bauernkrieg 1525 zerstört wurde.
Das 19. Jahrhundert brachte Qualitätsbewusstsein und Krisen zugleich. 1811 und 1822 entstanden große Auslesen, um 1840 hielt die Mostwaage nach Oechsle Einzug, 1837 entstand in Bad Dürkheim eine Sektkellerei. Gegen 1850 kam der Echte Mehltau aus Amerika, nach 1860 die Reblaus und 1885 der Falsche Mehltau; gegen letzteren half Kupferkalkbrühe, die bis in die 1950er-Jahre verwendet wurde. Die Reblaus erreichte nach der Pfalz.Touristik 1895 die Pfalz, bei Sausenheim. Das Deutsche Weininstitut beschreibt, dass sie den Weinbau im 19. Jahrhundert nahezu zum Erliegen brachte und dass um die Jahrhundertwende mit Pfropfreben, also europäischen Edelreben auf amerikanischen Wurzeln, ein Neuanfang gelang.
Politisch änderte sich die Karte ebenfalls: Nach der französischen Zeit kam die Pfalz 1816 an Bayern. 1832 fand auf dem Hambacher Schloss, mitten im Weinbaugebiet, das Hambacher Fest statt, das die Seite Hambacher Fest 1832 beschreibt.
Wie entstand die Deutsche Weinstraße, und wie ist ihre Geschichte einzuordnen?
Die Deutsche Weinstraße wurde am 19. Oktober 1935 in Bad Dürkheim eröffnet, in der Zeit des Nationalsozialismus. Anlass war eine Absatzkrise der Pfälzer Winzer: 1934 gab es eine sehr große Ernte, die Preise brachen ein, und viele Weinhändler, die Juden waren, waren vom Regime aus dem Geschäft gedrängt worden. Der damalige Gauleiter ließ die Weinstraße binnen weniger Monate einrichten, Orte erhielten den Zusatz „an der Weinstraße“, es gab Weinpatenschaften mit Städten im Reich, und das Projekt diente der Werbung des Regimes. Die ausführliche Darstellung mit allen Daten steht auf der Seite Deutsche Weinstraße.
Die Idee war älter, und der Name blieb nach 1945 erhalten. Heute ist die Weinstraße ein Markenzeichen der Region, das Besucher entlang einer rund 85 Kilometer langen Strecke zwischen Bockenheim und Schweigen führt. Bleibende Wahrzeichen sind das Deutsche Weintor in Schweigen von 1936, das die Seite Deutsches Weintor vorstellt, und das Haus der Deutschen Weinstraße in Bockenheim. Beide Orte lassen sich besuchen; ihre Entstehung gehört zu ihrer Geschichte. Die Forschung zur NS-Zeit im Weinbau gilt nach der Fachliteratur als noch lückenhaft.
Wie hat sich der Weinbau seit 1945 verändert?
Nach 1945 wurde der Weinbau mechanisiert, die Weinberge wurden neu geordnet, und das Sortenspektrum verschob sich. Das Land legte Parzellen zusammen und baute Wege, damit Maschinen in die Zeilen kamen: Nach der Pfalz.Touristik sind durch die Flurbereinigung über 75 Prozent der Rebfläche für moderne Arbeitstechniken aufbereitet; das erste Flurbereinigungsverfahren der Pfalz überhaupt fand schon 1889 in Schiersfeld statt, und bis Ende 1997 wurden nach dem DLR in der Pfalz 16.255 Hektar Rebland neu geordnet, das entspricht 68 Prozent der Fläche. Beide Angaben stehen nebeneinander, weil sie unterschiedliche Stichtage und Berechnungen haben.
In den 1950er-Jahren bestand die Pfälzer Rebfläche nach der Pfalz.Touristik zu etwa 40 Prozent aus Silvaner, 25 Prozent aus Riesling und 10 Prozent aus Portugieser. Danach rückten Riesling und Rivaner (Müller-Thurgau) vor, später kamen Spätburgunder, Kerner, Portugieser und Dornfelder dazu. Seit den 1990er-Jahren steht die Qualität vor der Menge, und der Rotweinanteil, der 2009 mit 38,5 Prozent seinen Höhepunkt erreichte, ist auf 31,2 Prozent (2025) gesunken.
| Rebsorte | Fläche 2009 | Fläche 2024 |
|---|---|---|
| Riesling | 5.545,6 ha | 5.926 ha |
| Dornfelder | 3.137,7 ha | 2.411 ha |
| Müller-Thurgau | 2.297,8 ha | 1.563 ha |
| Portugieser | 2.092,5 ha | 994 ha |
| Weißburgunder | 912,8 ha | 1.506 ha |
| Sauvignon blanc | 224,5 ha | 804 ha |
Die Werte stammen aus verschiedenen Erhebungen (Rebsortenspiegel 2009, Statistisches Landesamt 2024). Mehr zu den Sorten erfahren Sie auf der Seite Rebsorten der Pfalz, den Wandel von Portugieser und Dornfelder zum Beispiel auf der Seite Dornfelder.
Was prägt den Weinbau der Pfalz heute?
Heute prägen das Klima und die Qualität die Arbeit. Die Pfalz hat 23.640 Hektar bestockte Rebfläche (2025) und ist nach Rheinhessen das zweitgrößte deutsche Weinanbaugebiet; Riesling ist mit 5.926 Hektar die wichtigste Sorte. Die Lese beginnt früher als noch vor einigen Jahrzehnten: 2026 wurden die ersten Trauben für Federweißen schon in der zweiten Augustwoche gelesen, und die Hauptlese lief früher als je zuvor. Die Seite Weinlese in der Pfalz beschreibt, wie das heute abläuft.
Dazu kommt der Weintourismus: Straußwirtschaften, Vinotheken und Weinfeste sind aus dem Alltag der Region nicht mehr wegzudenken; wie eine Straußwirtschaft funktioniert, steht auf der Seite Straußwirtschaften in der Pfalz.
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Häufige Fragen zur Geschichte des Pfälzer Weinbaus
Wer hat den Weinbau in die Pfalz gebracht?
Die Römer, nachdem der Rhein um 50 v. Chr. zur Reichsgrenze wurde. Vorher gab es nach Angaben der Pfalz.Touristik nur importierten Wein für die keltische Oberschicht.
Was ist der älteste Hinweis auf Weinbau in der Pfalz?
Archäologisch ist es die römische Zeit mit Kelteranlagen am Weilberg bei Ungstein und dem Römerwein von Speyer aus dem 4. Jahrhundert. Schriftlich nennt die Pfalz.Touristik das Jahr 653, als der Weinzehnt des Speyerer Bischofs bestätigt wurde.
Warum ist die Reblaus so wichtig für die Weingeschichte?
Die Reblaus zerstörte im 19. Jahrhundert große Rebflächen Europas. Seither werden Edelreben auf amerikanische Unterlagen gepfropft, die gegen den Schädling widerstandsfähig sind. In der Pfalz trat sie 1895 erstmals bei Sausenheim auf.
Wurde die Deutsche Weinstraße von den Nationalsozialisten erfunden?
Die Idee einer Pfälzer Weinstraße ist älter, die Straße in ihrer Form wurde aber 1935 im Auftrag des damaligen Gauleiters als Absatz- und Propagandaprojekt eingerichtet. Wie das im Einzelnen ablief, beschreibt die Seite zur Deutschen Weinstraße.
Quellen: Pfalz.Touristik: Weingeschichte; Pfalz.Touristik: Das Römische Weingut Weilberg; Deutsches Weininstitut: Geschichte des Weinbaus; Historisches Museum der Pfalz: Weinmuseum; Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz; Rebsortenspiegel Pfalz 2009/2019/2020; Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde: regionalgeschichte.net (Herxheim am Berg); DLR Rheinpfalz: 100 Jahre Flurbereinigung in der Pfalz. Stand: Oktober 2026.