Wein & Weinstraße
Das Weinjahr: was im Wingert von Januar bis Dezember passiert
Vom Rebschnitt im Raureif bis zum jungen Wein im Keller

Kurz gesagt
Das Weinjahr beginnt nach der Lese: Im Winter schneiden die Winzer die Reben, im März und April biegen und binden sie die Fruchtruten, im April treiben die Reben aus, im Juni blühen sie. Im Sommer folgen Laubarbeit, Pflanzenschutz und grüne Lese, ab Spätsommer die Lese. Ein Hektar Weinberg braucht im Jahr mindestens 200 Arbeitsstunden.
Was passiert im Wingert von Januar bis Dezember?
Im Wingert, wie der Weinberg auf Pfälzisch heißt, gibt es kaum eine ruhige Woche. Die Arbeit folgt dem Wachstum der Rebe: Ruhe und Schnitt im Winter, Austrieb und Frostgefahr im Frühjahr, Blüte und Laubarbeit im Sommer, Reife und Lese im Herbst. Die Monatsangaben sind Richtwerte für die Pfalz; je nach Witterung verschieben sie sich um Wochen, in den letzten Jahren meist nach vorn.
- JanuarRebschnittWinterruhe; das alte Holz wird geschnitten, die Ruten aus dem Draht gezogen
- FebruarRebschnitt, DrahtrahmenSchnitt geht weiter, Pfähle und Drähte werden ausgebessert
- MärzBiegen und Bindendie Reben „bluten“, Fruchtruten werden gebogen; Mandelblüte
- AprilAustrieberste Blätter, Pheromonfallen gegen den Traubenwickler, Frostgefahr
- MaiAusbrechen, Pflanzenüberzählige Triebe raus, Junganlagen werden gepflanzt
- JuniRebblütezarter Duft in den Zeilen, danach erstes Gipfeln der Triebe
- JuliLaubarbeitHeften, Gipfeln, Entblättern der Traubenzone, Pflanzenschutz
- AugustGrüne Lese, ReifebeginnErtrag wird reguliert, Beeren werden weich und färben sich
- SeptemberHauptleseReifemessungen, Lese, Kelterung, Federweißer
- OktoberSpäte Lese, GärungRiesling und Spätlesen, im Keller gärt der junge Wein
- NovemberBlattfallHerbstlaub, Roden alter Anlagen, Winterbegrünung
- DezemberRuhe und KellerJungwein reift, erste Ortsweine ab Mitte Dezember im Verkauf
Was tun die Winzer im Winter?
Sie schneiden die Reben. Nach Pfalz.Touristik beginnt der Rebschnitt etwa vier Wochen nach dem Blattfall, wenn die Rebe in Winterruhe ist und die für den Austrieb wichtigen Stoffe im verbleibenden Holz eingelagert hat. Der Winzer entfernt den größten Teil des Vorjahrestriebs und lässt nur eine oder zwei Fruchtruten stehen, die er auf etwa zwölf Augen kürzt. Aus diesen Augen, den Knospen, wachsen im Frühjahr die neuen Triebe, die je zwei bis drei Trauben tragen können.
Der Schnitt bestimmt den Ertrag des kommenden Jahres: Wenige Augen bedeuten wenige, dafür besser versorgte Trauben. Schwache Stöcke werden knapp geschnitten, damit sie sich erholen, kräftige erhalten mehr Augen. Das alte Holz wird aus dem Drahtrahmen gezogen und gehäckselt im Weinberg gelassen. Früher war das reine Handarbeit mit der Rebschere, heute erleichtern elektrische Scheren die Arbeit, die trotzdem zu den aufwendigsten des Jahres gehört.

Im Spätjahr und Winter werden auch alte Weinberge gerodet. Nach dem Ausreißen der Stöcke lockert eine Spatenmaschine den Boden bis in rund 70 Zentimeter Tiefe, im Fachjargon heißt das Rigolen. Gepflanzt wird erst im folgenden Frühjahr. Ein neuer Weinberg steht dann etwa 30 Jahre; den ersten richtigen Ertrag bringt er im dritten Jahr.
Was passiert im Frühjahr?
Im März und April biegen und binden die Winzer die stehengebliebenen Fruchtruten in Bögen an den Draht. Dann beginnen die Reben zu „bluten“: An den Schnittstellen tritt Saft aus, ein Zeichen, dass die Rebe erwacht. Bis zu 20.000 Bindungen und 40 Arbeitsstunden fallen dabei je Hektar an; fertig sein sollte alles vor dem Austrieb. Bricht eine Rute, trägt der Stock in diesem Jahr keine Trauben.
Der Austrieb fällt meist in den April. Dann zeigen sich die ersten zarten Blätter, und die gefährlichste Zeit des Jahres beginnt: Schon ab etwa minus 1 Grad können die jungen Triebe erfrieren. Gegen Spätfrost setzen Winzer nach dem Deutschen Weininstitut Windräder ein, die wärmere und kältere Luftschichten vermischen, dazu Frostkerzen und mancherorts Hubschrauber. Hanglagen am Haardtrand sind im Vorteil, weil die kalte Luft in Frostnächten zur Rheinebene abfließt. Als Faustregel gilt die alte Bauernregel, dass erst nach den Eisheiligen Mitte Mai keine Frostnächte mehr drohen.
Ebenfalls im Frühjahr hängen die Winzer Pheromonfallen in die Weinberge. Sie verwirren die Männchen des Traubenwicklers, sodass sie die Weibchen nicht finden; diese Verwirrmethode ist nach Pfalz.Touristik das wichtigste Mittel gegen den Schädling. Junge Reben werden meist ab Mitte April bis Mitte Mai gepflanzt, wenn der Boden warm und abgetrocknet ist. Vor dem Austrieb, oft schon im März, blühen an der Weinstraße die Mandelbäume; wann und wo die Bäume am schönsten blühen, beschreibt die Seite über die Mandelblüte in der Pfalz.
Was passiert im Sommer?
Im Juni blüht die Rebe. Die Blüten sind klein und unscheinbar, verbreiten aber einen feinen Duft in den Zeilen. Für eine gute Blüte sind nach dem Deutschen Weininstitut Tagesmittel von mindestens 15 Grad ideal; bei kaltem, nassem Wetter verrieseln die Blüten, fallen also ab, ohne Beeren anzusetzen. Wie früh die Blüte inzwischen kommen kann, zeigten 2018 und 2026: 2018 begann sie teils zwei Wochen vor dem langjährigen Mittel, 2026 war sie vielerorts sehr früh und gleichmäßig.
Danach wächst das Laub schnell, und die Laubarbeit beginnt. Überzählige Triebe werden ausgebrochen, die langen Triebe in den Drahtrahmen gesteckt und geheftet. Rund zwei Wochen nach der Blüte schneidet eine Laubschneidemaschine die Triebe erstmals auf Höhe, das sogenannte Gipfeln; als ideal gilt eine Laubwand von etwa 1,40 Metern, mit acht bis dreizehn Blättern je Traube. In der Traubenzone entfernen viele Winzer einzelne Blätter, damit die Trauben besser abtrocknen und weniger faulen; in heißen Sommern droht dafür Sonnenbrand an den Beeren.
Den ganzen Sommer über schützen die Winzer die Reben vor Pilzkrankheiten wie Peronospora (Falscher Mehltau), Oidium (Echter Mehltau), Schwarzfäule und Botrytis. Gespritzt wird vor und nach der Blüte, je nach Wetter häufiger oder seltener; die letzten Behandlungen liegen wegen der Wartezeiten ein bis zwei Monate vor der Lese. Im Juli und August folgt bei vielen Betrieben die grüne Lese: Ein Teil der noch grünen Trauben wird abgeschnitten, damit die übrigen besser reifen. Pfalz.Touristik nennt als Ziel Erträge zwischen 50 und 100 Hektolitern je Hektar.
Was passiert im Herbst und im Keller?
Im Spätsommer werden die Beeren weich, rote Sorten färben sich, und die Winzer messen regelmäßig Zucker und Säure. Dann beginnt die Lese, in der Pfalz meist ab Ende August mit den frühen Sorten und bis in den Oktober mit dem Riesling; wann welche Sorte gelesen wird und wie man die Erntezeit erlebt, beschreibt die Seite über die Weinlese in der Pfalz. Nach der Lese fallen die Blätter, oft erst nach einer kräftigen Herbstfärbung. Den Boden lassen die Winzer nun meist in Ruhe: Die Weinbauberatung empfiehlt nach der Lese keine Bearbeitung mehr, damit kein Nitrat ausgewaschen wird; eine Begrünung schützt den Boden über den Winter.
Im Keller beginnt das Weinjahr erst mit der Lese. Der Most gärt im Edelstahltank oder im Holzfass, aus Zucker wird Alkohol, und die Aromen entwickeln sich. Im Winter reifen die Jungweine; viele werden im Frühjahr abgefüllt. Bevor ein Qualitätswein in den Handel kommt, muss er die amtliche Qualitätsweinprüfung bestehen und erhält eine Prüfnummer. Für die Herkunftsstufen gelten feste Termine: Ortsweine dürfen frühestens ab dem 15. Dezember des Erntejahres verkauft werden, Lagenweine ab dem 1. März des Folgejahres, weiße Große Gewächse ab dem 1. September.
| Zeit | Im Keller |
|---|---|
| September bis November | Keltern, Gärung, bei Rotwein Maischegärung |
| Dezember bis Februar | Ausbau und Klärung der Jungweine, erste Ortsweine im Verkauf |
| März bis Juni | Abfüllung vieler Weißweine, Lagenweine im Verkauf ab 1. März |
| September des Folgejahres | weiße Große Gewächse kommen in den Handel |
| Juni des übernächsten Jahres | rote Große Gewächse kommen in den Handel |
Wann lohnt sich ein Besuch im Weinberg am meisten?
Jede Jahreszeit hat ihr eigenes Bild. Am bekanntesten sind der rosa Frühling mit der Mandelblüte und die bunten Weinberge im Oktober, aber auch der Winter mit Raureif auf den geschnittenen Reben hat seinen Reiz und gehört den Wanderern fast allein. Welche Monate sich für welche Reise am besten eignen, auch jenseits des Weins, beschreibt die Seite zur besten Reisezeit für die Pfalz.
| Monat | Was man im Weinberg sieht | Was man erlebt |
|---|---|---|
| Januar, Februar | kahle, geschnittene Reben, Raureif, Winzer beim Schnitt | stille Winterwanderungen |
| März | Mandelbäume in Blüte, Reben „bluten“ | Mandelblüte, erste Weinfeste |
| April, Mai | Austrieb, frisches Grün | Weinwanderungen, Frühlingsfeste |
| Juni | Rebblüte, schnell wachsendes Laub | feiner Blütenduft, lange Abende |
| Juli, August | grüne Laubwände, die Trauben wachsen | Weinfeste in vielen Orten |
| September | reife Trauben, Vollernter, Lesekisten | Federweißer, Weinlesefest, große Feste |
| Oktober, November | gelbes und rotes Laub | Herbstwanderungen, Esskastanien |
| Dezember | ruhende Weinberge | Weihnachtsmärkte, Jungwein beim Winzer |
Welche Risiken bedrohen das Weinjahr?
Vor allem das Wetter. Spätfrost nach dem Austrieb kann einen Teil der Ernte in einer Nacht vernichten, und je früher die Reben austreiben, desto größer wird diese Gefahr. Hagel richtet lokal schwere Schäden an, 2026 vor allem in der Südpfalz. Trockenheit und Hitze setzen besonders jungen Reben mit flachen Wurzeln zu; 2026 mussten Winzer deshalb Trauben ausdünnen oder bewässern. Ein kühler, nasser Sommer wie 2010 lässt die Trauben dagegen nicht ausreifen und hinterlässt Moste mit sehr hoher Säure.
Hinzu kommen Pilzkrankheiten, die in feucht-warmen Jahren besonders stark auftreten, und Schädlinge wie der Traubenwickler oder die Kirschessigfliege. Junge Reben müssen mit Zäunen oder Röhren vor Wildverbiss geschützt werden. Wie sich all das auf Fläche und Ernte im Anbaugebiet auswirkt, zeigt die Seite über das Weinanbaugebiet Pfalz in Zahlen.
Unterkunft & Camping in der Pfalz
Übernachten lässt sich fast überall: beim Winzer, im Hotel in der Altstadt oder auf dem Campingplatz am Waldrand. Zu Mandelblüte, Wurstmarkt und Weinlesefest früh buchen.
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Plätze am Rand des Pfälzerwalds, an Badeseen und Stellplätze bei Weingütern.
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Häufige Fragen zum Weinjahr
Wann werden in der Pfalz die Reben geschnitten?
Im Winter, von etwa vier Wochen nach dem Blattfall bis in den März. Danach werden die Fruchtruten gebogen und gebunden, bevor die Reben im April austreiben.
Wann blühen die Reben in der Pfalz?
Meist im Juni, in warmen Jahren schon Ende Mai. Die Blüte dauert je nach Wetter ein bis zwei Wochen; sie ist unauffällig, aber an einem feinen Duft zu erkennen.
Was bedeutet Wingert?
Wingert ist das pfälzische Wort für Weinberg. Es geht auf das mittelhochdeutsche Wort für Weingarten zurück und ist in der Pfalz bis heute im Alltag gebräuchlich.
Was ist eine grüne Lese?
Im Juli oder August schneiden Winzer einen Teil der noch unreifen Trauben ab. Die verbleibenden Trauben werden besser versorgt, reifen gleichmäßiger und ergeben konzentriertere Weine. Aus dem Saft grüner Trauben lässt sich Verjus herstellen, ein saurer Würzsaft für die Küche.
Was ist die Verwirrmethode?
Ein biologischer Pflanzenschutz gegen den Traubenwickler. In den Weinbergen aufgehängte Kapseln geben Sexuallockstoffe ab, die Männchen finden die Weibchen nicht, und es schlüpfen weniger Raupen, die sonst die Trauben schädigen.
Quellen: Pfalz.Touristik: Arbeiten im Weinberg; Pfalz.Touristik: Rebschnitt; Pfalz.Touristik: Reben biegen und binden; Pfalz.Touristik: Laubarbeiten; Pfalz.Touristik: Pflanzenschutz; Pfalz.Touristik: Neuanlage eines Weinbergs; Deutsches Weininstitut: Arbeit im Weinberg; Deutsches Weininstitut: Klima und Witterung; VDP: Weinlese 2026. Stand: Oktober 2026.