Land & Leute
Geschichte der Pfalz: von Römern und Saliern bis Rheinland-Pfalz
Von der Keltenstadt am Donnersberg bis zum Bundesland

Kurz gesagt
Die Geschichte der Pfalz reicht von der keltischen Stadt auf dem Donnersberg über das römische Speyer und den Kaiserdom der Salier bis zur Kurpfalz der Wittelsbacher. Als Region mit heutigen Grenzen entstand sie erst 1816 als bayerischer Rheinkreis. Hambacher Fest, Auswanderung, Kriege und Besatzung prägten sie, seit 1946 gehört sie zu Rheinland-Pfalz.
Welche Epochen prägen die Geschichte der Pfalz?
Die Geschichte der Pfalz lässt sich in zehn große Abschnitte gliedern, von den Kelten bis zum heutigen Bundesland. Auffällig ist, wie oft die Herrschaft wechselte: Kaum eine deutsche Region war so lange zersplittert, so oft Kriegsschauplatz und gehörte nacheinander zu so verschiedenen Staaten. Die Zeitleiste gibt den Überblick, die Abschnitte darunter erzählen die Einzelheiten.
| Zeit | Ereignis |
|---|---|
| 2.–1. Jh. v. Chr. | keltische Stadtanlage auf dem Donnersberg mit rund 8,5 km langem Ringwall |
| um 50 v. Chr. | Römer erobern das linke Rheinufer; um 10 v. Chr. Lager in Speyer |
| 5. Jh. | Alemannen lösen die Römer ab, um 506/507 siegen die Franken |
| 1061 | Weihe des Speyerer Doms, Grablege der salischen Kaiser |
| 1193 | Richard Löwenherz Gefangener auf der Reichsburg Trifels |
| 1214 | Pfalzgrafschaft bei Rhein an die Wittelsbacher |
| 1356 | Goldene Bulle bestätigt die Kurwürde der Pfalzgrafen |
| 1525 | Bauernkrieg, Protestation zu Speyer folgt 1529 |
| 1618–1648 | Dreißigjähriger Krieg, rund drei Fünftel der Bevölkerung verloren |
| 1689 | Pfälzischer Erbfolgekrieg, Speyer und viele Orte zerstört |
| 1798 | französisches Département du Mont-Tonnerre |
| 1816 | Rheinkreis wird bayerisch, ab 1838 Pfalz genannt |
| 27.05.1832 | Hambacher Fest |
| 1849 | Pfälzischer Aufstand, von preußischen Truppen beendet |
| 1918–1930 | französische Besatzung, 1920 Abtrennung der Saarpfalz |
| 22.10.1940 | Deportation von 826 Jüdinnen und Juden aus der Pfalz nach Gurs |
| 30.08.1946 | Gründung von Rheinland-Pfalz |
Was hinterließen Kelten, Römer und Franken?
Die ältesten großen Spuren hinterließen die Kelten: Auf dem Donnersberg errichteten sie im 2. und 1. Jahrhundert v. Chr. eine befestigte Stadt, ein sogenanntes Oppidum. Ihr Ringwall ist zusammen rund 8,5 km lang und gliedert sich in ein Ost- und ein Westwerk; das Ostwerk gilt als Siedlungsfläche, das Westwerk als Fluchtburg. Der Name des Berges lebt in der französischen Bezeichnung Mont-Tonnerre weiter, unter der das Gebiet um 1800 ein Département bildete.
Um 50 v. Chr. eroberten die Römer im Gallischen Krieg das linke Rheinufer. In Speyer entstand um 10 v. Chr. ein Militärlager, daraus der Ort Noviomagus, Hauptort des Stammes der Nemeter. Die Römer brachten den Weinbau und vermutlich auch die Esskastanie an die Haardt und überzogen das Land mit Gutshöfen, den villae rusticae. Ihre Grundmauern sind heute an mehreren Stellen zu sehen, etwa am Weilberg bei Bad Dürkheim-Ungstein und bei Wachenheim.

Im 5. Jahrhundert lösten Alemannen die römische Herrschaft ab, um 506/507 besiegten die Franken die Alemannen. Viele Ortsnamen auf -heim, von Bockenheim bis Herxheim, gehen nach verbreiteter Deutung auf diese Zeit der fränkischen Besiedlung zurück. Unter den Karolingern gehörte der Raum zu den Kernlandschaften des Reiches, in Worms und Speyer saßen frühe Bischöfe.
Welche Rolle spielten Salier und Staufer?
Unter den salischen Kaisern im 11. Jahrhundert wurde die Region zum Zentrum des Reiches. Konrad II. ließ in Speyer einen Dom errichten, der 1061 geweiht und bis 1106 erweitert wurde. Er ist die Grablege der salischen Kaiser, heute die größte erhaltene romanische Kirche der Welt und seit 1981 UNESCO-Welterbe. In Speyer fanden später auch mehr als 50 Hoftage und viele Reichstage statt, und von 1527 bis 1689 saß hier das Reichskammergericht, das oberste Gericht des Reiches.

Die Staufer machten den Pfälzerwald zu einer Burgenlandschaft. Die Reichsburg Trifels bei Annweiler bewahrte zwischen dem 12. und dem späten 13. Jahrhundert mehrfach die Reichskleinodien auf, also Krone, Zepter und Reichsapfel. 1193 war der englische König Richard Löwenherz dort für einige Wochen gefangen. Rund um Annweiler, Dahn und das Dahner Felsenland entstanden zahlreiche Felsenburgen, die den Buntsandstein selbst als Mauer nutzten. Die bekanntesten Anlagen stellt der Bereich Burgen in der Pfalz vor; die Reichsburg Trifels erhält in einer späteren Ausgabe eine eigene Seite.
Woher kommt der Name Pfalz, und was war die Kurpfalz?
Der Name Pfalz geht auf das lateinische palatium zurück, den Palast der römischen Kaiser auf dem Palatin. Im Mittelalter hieß Pfalz ein Hof, an dem der reisende König Station machte; verwaltet wurde er von einem Pfalzgrafen. Der Pfalzgraf bei Rhein wurde zu einem der mächtigsten Fürsten des Reiches, und sein Titel ging auf das ganze von ihm beherrschte Gebiet über.
1214 kam die Pfalzgrafschaft an die Wittelsbacher, die sie fast sechs Jahrhunderte behielten. Die Goldene Bulle von 1356 sprach den Pfalzgrafen endgültig die Kurwürde zu, also das Recht, den König zu wählen; daher der Name Kurpfalz. Residenzen waren Heidelberg und später Mannheim, beide rechts des Rheins. Das Wappentier, der goldene Löwe auf Schwarz, ist bis heute das Symbol der Pfalz.
Die heutige Pfalz war allerdings nie ein einheitliches Land. Bis zur Französischen Revolution teilten sich rund 45 Herrschaften das Gebiet. Neben der Kurpfalz waren das vor allem das Herzogtum Pfalz-Zweibrücken, eine Seitenlinie der Wittelsbacher, das Hochstift Speyer der Bischöfe, die Grafschaften der Leininger um Bad Dürkheim und Grünstadt, nassauische Gebiete um Kirchheimbolanden, die Herren von Sickingen und die Reichsstädte Speyer und Landau. Wie diese Vielfalt nachwirkt, etwa im Nebeneinander der Konfessionen, beschreibt die Seite Religion und Kirchen in der Pfalz.
Wie haben Reformation und Kriege die Pfalz verändert?
Die frühe Neuzeit war für die Pfalz eine Zeit der Glaubenskämpfe und der Zerstörung. Im Bauernkrieg von 1525 erhoben sich Bauern und Bürger gegen Abgaben und Frondienste; nach Darstellung des Instituts für pfälzische Geschichte und Volkskunde wurden im pfälzischen Raum innerhalb von zwei Monaten mehr als 37 Burgen und 18 Klöster geplündert und zerstört, 13 Städte öffneten den Aufständischen die Tore. 1529 protestierten evangelische Reichsstände auf dem Reichstag zu Speyer gegen die Beschlüsse der katholischen Mehrheit, daher kommt der Name „Protestanten“. Die Kurpfalz wurde reformiert, also calvinistisch, und wechselte im Lauf der folgenden Generationen mehrfach die Konfession.
Im Dreißigjährigen Krieg von 1618 bis 1648 gehörte die Pfalz zu den am schwersten getroffenen Gebieten des Reiches und verlor rund drei Fünftel ihrer Bevölkerung. Danach warb Kurfürst Karl Ludwig gezielt Siedler an, aus der Schweiz, aus Frankreich, den Niederlanden und Tirol. Doch schon 1689 ließ Ludwig XIV. im Pfälzischen Erbfolgekrieg das Land planmäßig verwüsten. Die Truppen unter General Mélac zerstörten Speyer, Worms, Heidelberg und zahlreiche Burgen und Dörfer; Speyer blieb danach elf Jahre lang praktisch unbewohnt.
Krieg, Armut und religiöser Druck trieben im 18. Jahrhundert viele Pfälzer nach Amerika. Zwischen 1717 und 1732 wanderten allein rund 3.000 Mennoniten nach Nordamerika aus, in den Kolonien wurde „Palatines“ zum Sammelnamen für deutsche Einwanderer. Ihre Nachfahren sprechen in Pennsylvania mit dem Pennsylvania Dutch bis heute eine auf pfälzischen Mundarten beruhende Sprache.
Was änderten Frankreich und Bayern?
Mit der französischen Zeit begann die moderne Pfalz. Ab 1794 besetzten französische Revolutionstruppen das linke Rheinufer, nach dem Frieden von Campo Formio 1797 wurde es Teil Frankreichs. 1798 entstand das Département du Mont-Tonnerre mit der Hauptstadt Mainz. Frankreich schaffte Feudalrechte ab, trennte Justiz und Verwaltung und führte den Code civil ein, der in der Pfalz bis 1900 galt.
1816 kam die Pfalz als Rheinkreis zum Königreich Bayern, als Ausgleich für Gebiete, die Bayern an Österreich abgeben musste. Hauptstadt wurde Speyer, ab 1838 hieß der Kreis offiziell Pfalz. Bayern ließ die französischen Errungenschaften weitgehend bestehen, erhob aber hohe Zölle und Steuern. Die Unzufriedenheit entlud sich am 27. Mai 1832 im Hambacher Fest: Bis zu 30.000 Menschen, die Schätzungen reichen von 20.000 an aufwärts, zogen zur Schlossruine über Neustadt und forderten nationale Einheit, Pressefreiheit und Bürgerrechte. Die Farben Schwarz-Rot-Gold, die dort wehten, sind heute die Farben der Bundesrepublik. 1849 versuchten pfälzische Revolutionäre, eine Republik auszurufen; preußische Truppen beendeten den Aufstand innerhalb weniger Wochen.
Im 19. Jahrhundert wanderten erneut Zehntausende aus, vor allem nach Nordamerika. Aus Kallstadt stammen die Vorfahren der Unternehmerfamilie Heinz und die Großeltern von Donald Trump. Zugleich setzte die Industrialisierung ein, wenn auch nur an wenigen Orten: 1853 wurde Ludwigshafen eigene Gemeinde, 1865 entstand dort die BASF; Kaiserslautern wurde Textil- und Maschinenbaustadt, Pirmasens das Zentrum der Schuhindustrie. Mit der Villa Ludwigshöhe bei Edenkoben und der Restaurierung des Speyerer Doms zeigte das bayerische Königshaus seine Präsenz. Wie Dichtung, Musik und Bräuche dieser Zeit fortwirken, erzählt die Seite Kultur in der Pfalz.
Was geschah im 20. Jahrhundert?
Das 20. Jahrhundert brachte Besatzung, Diktatur und die Eingliederung in ein neues Land. Nach dem Ersten Weltkrieg hielten französische Truppen die Pfalz bis 1930 besetzt, 1920 wurde die Saarpfalz um Homburg und St. Ingbert dem Saargebiet zugeschlagen. Im Herbst 1923 riefen Separatisten unter Franz Josef Heinz, genannt Heinz-Orbis, mit französischer Duldung eine „Autonome Pfalz“ aus. Heinz wurde im Januar 1924 in Speyer ermordet, im Februar 1924 endete die Bewegung mit dem Sturm auf das Bezirksamt in Pirmasens.
Weltwirtschaftskrise und Verbitterung über die Besatzung verhalfen der NSDAP in der Pfalz zu überdurchschnittlichen Wahlergebnissen, ihr Gauleiter Josef Bürckel regierte die Region bis 1944. Ab 1938 entstand an der Grenze der Westwall, bei Kriegsbeginn 1939 wurden die grenznahen Orte geräumt. Am 22. Oktober 1940 wurden in der sogenannten Wagner-Bürckel-Aktion rund 6.500 Jüdinnen und Juden aus Baden, der Pfalz und dem Saarland in das Lager Gurs in Südfrankreich verschleppt, darunter 826 Menschen aus der Pfalz, überwiegend Ältere. Von ihnen starben 203 in den französischen Lagern, 338 wurden ab August 1942 nach Osteuropa deportiert und ermordet.
Nach Kriegsende kam die Pfalz zur französischen Besatzungszone. Die Militärregierung gründete mit der Verordnung Nr. 57 vom 30. August 1946 das Land Rheinland-Pfalz, dessen Verfassung die Bevölkerung am 18. Mai 1947 annahm. Ein Volksbegehren für die Rückkehr nach Bayern scheiterte 1956. Der Regierungsbezirk Pfalz ging 1968 in Rheinhessen-Pfalz auf und wurde 2000 aufgelöst; als regionale Klammer blieb der Bezirksverband Pfalz. Heute ist die Pfalz eine Grenzregion mitten in Europa, eng verflochten mit dem Elsass und der Metropolregion Rhein-Neckar. Wie sie sich vom Bundesland abgrenzt, erklärt die Seite Pfalz oder Rheinland-Pfalz.
Häufige Fragen zur Geschichte der Pfalz
Warum gehörte die Pfalz zu Bayern?
Weil der Wiener Kongress die linksrheinischen Gebiete neu verteilte. Bayern erhielt die Pfalz 1816 als Ausgleich für Salzburg und Gebiete am Inn, die es an Österreich abtrat; dynastisch passte das, denn Wittelsbacher regierten beide Länder. Die Zugehörigkeit endete erst mit der Gründung von Rheinland-Pfalz 1946.
Ist die Kurpfalz dasselbe wie die Pfalz?
Nicht ganz. Die Kurpfalz war das Kurfürstentum der Pfalzgrafen mit Residenz in Heidelberg und reichte auf beide Seiten des Rheins. Die heutige Pfalz umfasst nur Teile davon und dazu Gebiete anderer Herren, etwa Pfalz-Zweibrücken, Leiningen und das Hochstift Speyer.
Wie viele Menschen kamen zum Hambacher Fest?
Die Angaben reichen von rund 20.000 bis 30.000. Die Stiftung Hambacher Schloss nennt bis zu 30.000; die meisten kamen aus der Pfalz und der Umgebung, einige aus dem ganzen Deutschen Bund.
Seit wann wird in der Pfalz Wein angebaut?
Seit der Römerzeit. Reste römischer Kelteranlagen und Gutshöfe an der Haardt belegen den Weinbau schon vor rund 2.000 Jahren.
Was war die Autonome Pfalz?
Ein Versuch von Separatisten, die Pfalz 1923/24 mit französischer Unterstützung von Bayern und dem Reich zu lösen. Er fand wenig Rückhalt und brach nach der Ermordung ihres Anführers Heinz-Orbis und den Ereignissen in Pirmasens im Februar 1924 zusammen.
Quellen: Landesregierung Rheinland-Pfalz: Geschichte des Landes; Institut für pfälzische Geschichte und Volkskunde: Bauernkrieg 1525; Stiftung Hambacher Schloss: Hambacher Fest; Burgenlandschaft Pfalz (GDKE): Reichsburg Trifels; IPGV: Arbeitsstelle Geschichte der Juden in der Pfalz; Wikipedia: Pfalz (Region); Wikipedia: Deportation der Juden aus Baden und der Saarpfalz. Stand: Oktober 2026.